SENDETERMIN Mo, 04.02.19 | 03:55 Uhr | WDR Fernsehen

Herbert Kapfers "1919"

Zeit des Umbruchs

PlayDer Autor Herbert Kapfer
Herbert Kapfers "1919" | Video verfügbar bis 03.02.2020 | Bild: WDR

"1919". So knapp hat der Autor und Publizist Herbert Kapfer sein neues Buch betitelt. Es ist ein faszinierender Blick zurück – hinweg über hundert Jahre Geschichte – in das Jahr 1919.

Herbert Kapfer hat das Buch aus unzähligen fiktiven und dokumentarischen Texten montiert. Er hat aus fotografischen, literarischen, politischen und privaten Quellen geschöpft und das Material zu einem Erzählstrom von 123 Kapiteln zusammenfügt.

Philipp Scheidemann ruft am 9.11.1918 die Republik aus
Auftakt für eine Zeitenwende: Philipp Scheidemann ruft am 9.11.1918 die Republik aus | Bild: akg-images

"1919" liest sich wie ein Roman, der die Zeit des Umbruchs nach dem Ersten Weltkrieg lebendig werden lässt. Zu Wort kommen Soldaten und Kriegsheimkehrer, Revolutionäre und Anarchisten, Matrosen, Minister und Monarchisten, Schüler, Verliebte und eine Zeitungsverkäuferin.

"Die Welt ist zerbrochen"

In ihren Geschichten spiegeln sich die Probleme der Zeit, Not und Elend, Ängste und Unsicherheiten, Sehnsüchte und Visionen. "Die Menschen sind völlig bestimmt vom Gefühl der katastrophalen Niederlage", sagt Herbert Kapfer. "Die Welt ist zerbrochen. Das Deutsche Reich gibt es nicht mehr. Der Kaiser ist geflohen. Es gibt Revolutionen. Frei agierende Truppen sind unterwegs, Vagabunden. Menschen, die alle in Bewegung sind, die suchen: Wer sind wir? Was machen wir? Was soll aus uns werden? Was soll aus Deutschland werden?"

Ungeheure Kräfte sind am Werk, die sich widerstreiten und gegenseitig bekämpfen – linke, kommunistische, anarchistische, revolutionäre ebenso wie völkische, antisemitische, rechtsradikale.  

Inmitten des Chaos wird die Sehnsucht nach Erlösung laut: "Einer der besonders faszinierenden Texte ist Joseph Delmonts Science-Fiction-Roman 'Die Stadt unter dem Meere'. Unter dem Meeresspiegel in einer Felsenhöhle arbeitet ein U-Boot-Verband an Wunderwaffen, die das in Not geratene deutsche Vaterland retten und einer neuen deutschen Führerfigur zum Sieg verhelfen. Da heißt es dann: 'Es fehlt dem Deutschen Reiche eines: Der große, neue Mann! Wo bleibt der deutsche Führer?'"

Hätte die Geschichte anders verlaufen können?

Das Buch fesselt von der ersten bis zur letzten Seite, weil es mit historischen Möglichkeiten spielt und die Widersprüche der Weimarer Republik zuspitzt.

Überraschend sind die Parallelen zur Gegenwart. Auch wenn die aktuelle Situation eine andere ist als vor 100 Jahren, sind manche Ähnlichkeiten verblüffend: Wie damals fühlen sich auch heute viele Menschen verunsichert, sie fürchten sich vor der Zukunft und suchen nach Orientierung. "Ursprünglich hatte das Schreiben des Buches gar nichts mit Dingen zu tun, die heute in der Gegenwart passieren", so Herbert Kapfer. "Aber tatsächlich habe ich bei der Arbeit gemerkt, dass es heute viele Phänomene gibt, die an die damalige Zeit erinnern: Ein Hang zu autoritären Lösungen, Sehnsucht nach einer starken Hand, völkisches Denken, radikaler Nationalismus und Antisemitismus."

Buchtipp

Herbert Kapfer: 1919.
Verlag Antje Kunstmann 2019, Preis: 25 Euro

Autor des TV-Beitrags: Joachim Gaertner

Stand: 13.09.2019 02:30 Uhr

6 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.

Sendetermin

Mo, 04.02.19 | 03:55 Uhr
WDR Fernsehen

Sprungmarken zur Textstelle

Produktion

Westdeutscher Rundfunk
für
DasErste