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Der Mensch im Mittelpunkt

Rubenspreisträgerin Miriam Cahn im Kunstmuseum Siegen

PlayDie Künstlerin Miriam Cahn
Rubenspreisträgerin Miriam Cahn im Kunstmuseum Siegen | Video verfügbar bis 03.07.2023 | Bild: WDR

Sie gehört zu den international renommiertesten Künstler*innen der Gegenwart: die Schweizerin Miriam Cahn. Jetzt erhielt sie den mit 25.000 Euro dotierten Rubenspreis , den die Stadt Siegen alle fünf Jahre vergibt. Mit dem Preis verbunden ist eine Ausstellung im Siegener Museum für Gegenwartskunst. Unter dem Titel "MEINEJUDEN" ist sie bis zum 23. Oktober zu sehen. ttt hat die Künstlerin getroffen.

Auseinandersetzung mit dem Jüdischsein

Miriam Cahn, 1949 in Basel geboren, hat sich bereits in den 70er Jahren einen Namen in der Kunstwelt gemacht. 1982 war sie erstmals zur documenta 7 in Kassel eingeladen. 1984 stellte sie auf der Biennale in Venedig aus. Seither ist sie regelmäßig in den großen Museen weltweit zu sehen. Auch in diesem Jahr ist sie wieder auf der Biennale in Venedig vertreten. Und 2023 widmet ihr das Palais de Tokyo eine große Einzelschau in Paris.

Die Ausstellung "MEINEJUDEN" bietet einen umfassenden Überblick über ihr Werk: Installationen und farbstarke Ölbilder, Kreidezeichnungen, Arbeiten auf Papier in Pastell und Aquarell, Plastiken, Videos und Texte. Der selbstgewählte Titel ist Programm: Miriam Cahn, Tochter eines jüdischen Kunsthändlers, setzt sich intensiv mit dem Jüdischsein auseinander. "Es heißt ja MEINEJUDEN in einem Wort das ist auch etwas Persönliches: Wie jüdisch bin ich eigentlich? Da stelle ich mir die Frage schon, auch mit dieser Ausstellung. Die kann man zum Teil beantworten, zum Teil nicht. Ich reagiere immer auf bestimmte Situationen als Jüdin."

"Mich interessiert der Alltagsantisemitismus"

Ende vergangenen Jahres machte sie von sich Reden, als sie ankündigte, ihre Werke aus dem Kunsthaus Zürich abzuziehen. Grund war der Umgang des Museums mit der Sammlung Emil Bührle. Der in Deutschland gebürtige Waffenhändler war durch seine Geschäfte mit den Nazis reich geworden. Nachweislich hat er auch Kunst von verfolgten Juden gekauft. Seit Oktober 2021 sind Werke der Sammlung Bührle in einem Erweiterungsbau des Museums zu sehen – für Miriam Cahn ein Unding. Besonders empört haben sie die antisemitischen Äußerungen auf einer Pressekonferenz zur Vorstellung der Sammlung. "Das ist genau das, was mich interessiert: dieser Alltagsantisemitismus." Eigentlich verdanke sie der Auseinandersetzung mit Bührle den Titel der Siegener Ausstellung, sagt sie.

Zerbrechlichkeit des Menschen

Miriam Cahn, Installationsansicht "MEINEJUDEN"
Die Künstlerin Miriam Cahn | Bild: MGKSiegen, Courtesy die Künstlerin, Galerie Jocelyn Wolff, Paris, und Meyer Riegger, Berlin/Karlsruhe / Philipp Ottendörfer

Bekannt ist die Künstlerin Miriam Cahn für die Intimität ihrer Arbeiten, die die nackte Existenz bloßlegen. Sie stellen den Menschen in den Mittelpunkt, zeigen seine Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit. Immer wieder malt sie den weiblichen Körper und nimmt sich bewusst das Recht, als Frau pornographische Motive darzustellen.

Jugoslawienkrieges in den 90er Jahren schuf sie eine Serie mit Bildern von Panzern und anderen schweren Waffen. Angesichts des Ukraine-Krieges wirken sie erschreckend aktuell. Genauso wie ihre Bilder von Flüchtenden, die im Nirgendwo zu verschwinden scheinen. "Jede Person sollte sich in Europa mit Flucht auseinandersetzen. Und warum Ukrainer mit offenen Armen empfangen werden und Leute die aus dem Süden kommen, im Meer ertrinken, weil sie nicht überall einreisen könne, und wir überall hinreisen können – das macht mich verrückt."

Autor des TV-Beitrags: Peter Scharf

Die komplette Sendung steht am 03. Juli ab 20 Uhr zum Abruf in der Mediathek bereit.

Stand: 03.07.2022 18:55 Uhr

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Westdeutscher Rundfunk
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