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Schocktherapie Kunst

Künstlerkollektiv errichtet Mahnmal-Nachbau vor Höckes Haus

PlayNachbau des Holocaust-Mahnmals in Bornhagen
Künstlerkollektiv errichtet Mahnmal-Nachbau vor Höckes Haus | Video verfügbar bis 03.12.2018 | Bild: snapshot-photography/F.Boillot

Ein Aufschrei der Empörung ging durch das Land, als Björn Höcke, AfD-Politiker und Provokateur, im Januar 2017 bei einer Rede in Dresden das Holocaust-Mahnmal ein "Denkmal der Schande" nannte.

Jetzt hat das Künstlerkollektiv "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS) mit einer spektakulären Aktion darauf reagiert und eine kontroverse Diskussion ausgelöst. Was darf Kunst? Was muss Kunst? Und wie weit kann sie gehen? ttt hat nachgefragt.

Aufruhr in Bornhagen

Bornhagen heißt das kleine Dorf in Thüringen, in dem Björn Höcke wohnt. Auf dem Nachbargrundstück seines Hauses errichteten die Aktionskünstler um Philipp Ruch, dem Leiter des ZPS, aus 24 Betonstelen einen Nachbau des Holocaust-Mahnmals. Außerdem behaupteten sie in einem Video, den AfD-Politiker monatelang observiert zu haben.

Nachgelegt haben sie mit "Wahlplakaten", die ein Porträt Höckes als NPD-Kandidaten mit dem Namen Landolf Ladig zeigen. Vor wenigen Tagen ging die Website "landolf-ladig.de" online. Landolf Ladig – so soll das Pseudonym von Björn Höcke lauten, unter dem er in NPD-Medien publiziert haben soll. Er selbst bestreitet das. Das ZPS ist vom Gegenteil überzeugt und hat eine Belohnung für "gerichtlich verwertbare Beweise" ausgelobt, die die Identität von Ladig und Höcke belegen.

Heftige Reaktionen

Philipp Ruch, künstlerischer Leiter des ZPS
Philipp Ruch, künstlerischer Leiter des ZPS | Bild: imago stock

Die Aktion hat in den vergangenen Tagen für erheblichen Wirbel gesorgt. Die Künstler des ZPS erhielten hunderte Morddrohungen. Unbekannte randalierten auf dem Grundstück. "Es wurde ja sofort mit Gewalt reagiert", sagt Philipp Ruch, der künstlerische Leiter des ZPS. "Das ist eine Selbstentblößung. Das kann Aktionskunst in den besten Momenten eigentlich schaffen, dass Menschen sich selber demontieren, ohne dass man viel dafür getan hat, außer zu behaupten, man hätte Björn Höcke rund um die Uhr überwacht."

"Schluss mit politischer Feigheit"

Die Vertreter des ZPS haben derweil erklärt, dass sie mit ihrer Kunstaktion anlässlich des AfD-Bundesparteitags auf die Gesinnung von Björn Höcke aufmerksam machen wollten. Doch ist das wirklich Kunst? Und darf sie das? Darüber gehen die Meinungen auch unter den Gegnern der AfD auseinander.

Lea Rosh
Lea Rosh | Bild: WDR

Lea Rosh, Mitinitiatorin des Berliner Holocaust-Mahnmals: "Alles in allem finde ich es eine großartige Protestaktion, und das soll ja diese Kunstaktion sein. Denn was das ZPS uns damit sagen will, ist doch Folgendes: Die Lehren aus dem Holocaust müssen sein: Schluss mit politischer Teilnahmslosigkeit oder Flüchtlingsabwehr oder politischer Feigheit."

Wolfgang Ullrich
Wolfgang Ullrich | Bild: WDR

Der Kunstkritiker Wolfgang Ullrich sieht das etwas anders und befürchtet, dass die unterschiedlichen Milieus der Gesellschaft in ihren Meinungen erst recht bestärkt werden. "Jeder fühlt sich noch mal bestätigt. Das kann ich mir nicht vorstellen, dass das wirklich ein Sinn sein soll von politischer Kunst."

Der Hauptkritikpunkt – die angebliche Videoüberwachung Höckes – ist allerdings inzwischen haltlos. Das ZPS hat sie selbst als Fake entlarvt. Bleibt die Frage, was das ZPS tatsächlich erreicht hat. Hat die Aktion Björn Höcke geschwächt oder seine Anhänger gestärkt?

Die Mitglieder des ZPS jedenfalls machen weiter. Auch wenn am Samstag maskierte Männer angegriffen haben. Man habe, so heißt es, ein neues Grundstück gekauft.

Autorin des TV-Beitrags: Claudia Kuhland

Stand: 04.12.2017 09:21 Uhr

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