SENDETERMIN So., 06.03.22 | 23:20 Uhr | Das Erste

"Luchadoras"

Dokumentarfilm gegen Gewalt und Frauenfeindlichkeit

Luchadoras
"Baby Star" beim Lucha-Kampf | Bild: missingFilms

Die mexikanische Millionenstadt Ciudad Juárez an der Grenze zu den USA ist einer der gefährlichsten Orte der Welt. Als Hotspot der Drogenmafia belegt sie in der Kriminalitätsstatistik des Landes den Spitzenplatz. Berüchtigt ist Ciudad Juarez auch für eine schockierend hohe Zahl von Frauenmorden. Die Angst, entführt und getötet zu werden, begleitet die Frauen in ihrem Alltag – auf der Busfahrt zur Arbeit, auf dem Heimweg in der Dämmerung nach der Nachtschicht oder auch auf belebten Straßen am helllichten Tag. Der Begriff Femizid wurde in Juárez zum ersten Mal verwendet. 2012 hat ihn Mexiko ins Strafgesetzbuch aufgenommen.

Gegen den Femizid setzt sich eine Gruppe von Wrestlerinnen zur Wehr. Sie rebellieren gegen die von Männern dominierte gewalttätige Gesellschaft. Wenn sie in den Ring steigen, demonstrieren sie ihre Stärke und ermutigen damit andere Frauen und Mädchen. Die Dokumentarfilmer Paola Calvo und Patrick Jasim haben drei Wrestlerinnen über Monate mit der Kamera begleitet. Ihr vielfach preisgekrönter Dokumentarfilm "Luchadoras" kommt am 10. März in die deutschen Kinos.

Superheldinnen – nicht nur im Ring

"Luchadoras" – so heißen in Mexiko die Wrestlerinnen, die im populären "Lucha libre" (Freistilkampf) auftreten. Sie steigen in farbenfrohen Kostümen und mit Masken in den Ring. "Lucha libre bedeutet für die Frauen in Ciudad Juárez Freiheit", sagt Paola Calvo. "Sie können sein, wer sie wollen. Sie kämpfen. Sie sind stark. Sie erfüllen ihren Traum."

Drei von ihnen stehen im Mittelpunkt des Dokumentarfilms: Lady Candy, Baby Star und Mini Sirenita. Alle drei wollen nicht länger Opfer sein und nutzen die von Männern zu ihrem Vergnügen erfundenen Veranstaltungen, um Flagge gegen den Machismo zu zeigen.

Gegen Gewalt und Unterdrückung

Luchadoras
"Lady Candy" nach einem Kampf | Bild: missingFilms

Lady Candy, Anfang 20, arbeitet in einem Bestattungsunternehmen und ist täglich mit den Opfern der Kriminalität konfrontiert. Ihre beiden kleinen Töchter hat ihr gewalttätiger Ex-Mann mit über die Grenze ins texanische El Paso genommen. Wegen Visa-Problemen kann sie sie nicht besuchen.

Luchadoras
"Baby Star" betet mit ihrer Tochter vor einem Auftritt. | Bild: missingFilms

Baby Star stammt aus einer bekannten Wrestler-Familie. Als ihr Mann sie nach der Geburt ihres Kindes dazu zwingen wollte, die Karriere als Luchadora aufzugeben, verließ sie ihn. Jetzt lebt sie bei ihren Eltern und ist hin- und hergerissen zwischen ihren Aufgaben als Mutter und der Leidenschaft für das Wrestling.

Die kleinwüchsige Mini Sirenita lebt in einer Gegend von Juárez, aus der die meisten ermordeten Frauen kommen.  Wie viele andere arbeitet sie für einen Hungerlohn in einer der berüchtigten Montagefabrik. Ihre Auftritte als Luchadora ermöglichen ihr das Überleben. Aber mit ihren 40 Jahren spürt sie, dass ihr Körper die strapaziösen Kämpfe immer schlechter erträgt.

Ende des Machismo

Luchadoras
Paola Calvo und Patrick Jasim | Bild: WDR

Die beiden Filmemacher Paola Calvo und Patrick Jasmin erzählen die Geschichten der drei Wrestlerinnen vor dem Hintergrund der Gewalt gegen Frauen. Laut offiziellen Angaben aus dem Jahr 2021 werden in Mexiko täglich rund zehn Frauen ermordet. Die Aufklärungsrate ist verschwindend gering. "Frau sein bedeutet in Mexiko, man kann mit dir richtig viel Geld machen", sagt Paola Calvo. "Erstmal wirst du gekidnappt. Dann wirst du zur Prostitution gezwungen. Wenn Männer nicht mehr mit dir Spaß haben wollen, kann man dich umbringen und deine Organe auf dem schwarzen Markt verkaufen in den USA."

Lady Candy, Baby Star und Mini Sirenita haben selbst Gewalt erlebt. Jetzt kämpfen sie mit großem Selbstbewusstsein für ein besseres Leben. Nicht nur als Wrestlerinnen im Ring, sondern auch als Aktivistinnen auf Demonstrationen. Gemeinsam mit der erstarkenden feministischen Bewegung fordern sie das Ende des Machismo. Paola Calvo: "Meine Mutter sagt immer: Mutig sein bedeutet nicht keine Angst haben, sondern mutig sind die, die Angst haben und die trotzdem Sachen machen."

Autor des TV-Beitrags: Joachim Gaertner

Die komplette Sendung steht am 06. März ab 20 Uhr zum Abruf in der Mediathek bereit.

Stand: 07.03.2022 08:25 Uhr

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