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Hunger nach Kultur

Wie Museen dem Lockdown trotzen

Play"Andy Warhol Now", Ausstellung im Museum Ludwig
Hunger nach Kultur | Video verfügbar bis 07.02.2022 | Bild: WDR

Am 10. Februar wollen Bund und Länder über ihr weiteres Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten. Im Mittelpunkt steht die Entscheidung, ob der seit Mitte Dezember geltende harte Lockdown über den 14. Februar hinaus verlängert oder eine Lockerung erlaubt wird.  Die Museen wären diesmal gerne dabei, falls es zu ersten Öffnungen kommt. Nach der Enttäuschung im November, als sie – anders als Bauhäuser und andere Geschäfte – trotz ausgefeilter und im Sommer erprobter Hygienekonzepte schließen mussten, wollen sie nicht wieder übergangen werden. ttt hat mit Museumsleiter*innen und Kulturstaatsministerin Monika Grütters gesprochen.  

"Sicherer Ort"

Yilmaz Dziewior, Direktor des Ludwig Museums Köln, wartet seit Wochen darauf, die große Andy Warhol-Retrospektive eröffnen zu dürfen. "Unsere Hallen sind groß und weitläufig. Wir haben eine Klimaanlage. Wir können durch bestimmte Zeit-Tickets genau regulieren, wie viele Besucherinnen und Besucher hier sind. Das heißt, das Museum ist ein sicherer Ort."

Corona hat die Museen genauso wie alle anderen Gesellschaftsbereiche in voller Fahrt ausgebremst. Nach dem ersten Schock haben sie die Schließung im Frühjahr 2020 genutzt, um sich gründlich auf die Wiedereröffnung vorzubereiten. Dass die Museen sicher sind, betonen auch Yilmaz Dziewiors Kolleginnen und Kollegen. Jetzt haben sie einen nichtöffentlichen Brief an die Kultur-Beauftragten in der Politik geschrieben. Sie wollen in der Lockerungsdebatte nicht bevorzugt, aber auch nicht vernachlässigt werden.

Kunst tröstet

Christina Végh, Kunsthalle Bielefeld
Christina Végh, Kunsthalle Bielefeld | Bild: WDR

Für ihr Anliegen führen sie gute Gründe an. "Was die Kunst alles kann? Die Kunst kann trösten. Sie bringt uns neue Gedanken. Sie bringt uns Anregungen, die wir, nachdem wir jetzt ewig schon in uns eingesperrt sind, besonders dringend brauchen", sagt Christina Végh, Direktorin der Kunsthalle Bielefeld. Und Yilmaz Dziewior ergänzt: "Wir merken gerade in der Pandemie, wie wichtig Kultureinrichtungen und gerade auch Museen sind, weil sie ganz unterschiedliche Funktionen erfüllen. Zum einen sind sie kontemplative Orte. Sie sind Orte, wo ich vielleicht auch abschalten kann vom Stress, den die Pandemie auf uns ausübt. Gleichzeitig merken wir, dass es ein Ort ist, wo gesellschaftliche Themen verhandelt werden und auch neue gesellschaftliche Konzepte entwickelt werden."

Ende des Stillstands

Kulturstaatsministerin Monika Grütters
Kulturstaatsministerin Monika Grütters | Bild: WDR

Kulturstaatsministerin Monika Grütters ist froh, dass der Bund gerade eine Erhöhung des Kulturhilfspakets um eine Milliarde Euro beschlossen hat. Den Wunsch der Museen unterstützt sie ausdrücklich: "Sie gehörten mit zu den ersten Einrichtungen, die schließen mussten. Sie dürfen nicht die letzten sein, die wieder aufmachen", sagt sie. "Wir wissen sehr wohl, was wir der Kultur antun. Inzwischen, seit fast elf Monaten gibt es hier einen Stillstand, der ja nicht nur wirtschaftliche Probleme, sondern inzwischen ehrlich auch seelische Nöte mit sich bringt."

Langfristiges Umdenken

Stephanie Rosenthal, Gropius Bau Berlin
Stephanie Rosenthal, Gropius Bau Berlin | Bild: WDR

Die vergangenen elf Monate haben nicht nur zu sicheren Hygienekonzepten geführt. Sie haben die Arbeit der Museen von Grund auf verändert. Alle Häuser haben ihre digitalen Angebote erweitert und darüber nachgedacht, wie sie sich für die Zukunft neu aufstellen. "Wir waren im ersten Lockdown in so einer leicht hysterischen, überaktiven Panik", sagt Stephanie Rosenthal, Direktorin des Martin-Gropius-Baus in Berlin, "und dann kam dieses Umdenken, dass man sich plötzlich überlegt: Was wollten wir eigentlich eh schon immer?"

Susanne Gaensheimer, Kunstsammlung NRW
Susanne Gaensheimer, Kunstsammlung NRW | Bild: WDR

Die Pandemie hat vieles in Bewegung gebracht. Die Museen wollen ihre Räume für Schulklassen öffnen, sobald es geht. Sie denken darüber nach, welche ökologischen Folgen die bisherigen Großausstellungen hatten. Und sie fragen danach, wer auf welche Art Zugang zu den digitalen Angeboten hat. "Wir müssen das beobachten", sagt Susanne Gaensheimer, Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf " Wir müssen schauen, was brauchen die Leute, was wollen die Leute, was braucht die Gesellschaft? Geht es vielleicht noch mehr um den Diskurs, um das Gespräch? Und das ist zum Beispiel eine Richtung, in die wir jetzt denken."

Autorin des TV-Beitrags: Claudia Kuhland

Die komplette Sendung steht am 7. Februar ab 20 Uhr zum Abruf in der Mediathek bereit.

Stand: 07.02.2021 18:27 Uhr

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