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Van Gogh zwischen Genie und Wahnsinn

Julian Schnabels Filmbiografie

PlayWillem Dafoe als Vincent van Gogh
Van Gogh zwischen Genie und Wahnsinn | Video verfügbar bis 07.04.2020 | Bild: DCM

Er ist einer der einflussreichsten Maler der Moderne und hat unsere Sehgewohnheiten von Grund auf verändert: der Niederländer Vincent van Gogh. "An der Schwelle zur Ewigkeit" heißt eines seiner Bilder aus dem Jahr 1890, das zwei Monate vor seinem Tod entstand.

"An der Schwelle zur Ewigkeit" - so hat Julian Schnabel auch seine Filmbiografie über den Künstler genannt. Im Mittelpunkt stehen van Goghs letzte Lebensmonate, die Zeit, die er im französischen Arles verbrachte, bevor er in die Nervenheilanstalt von Saint-Rémy kam. Es war die produktivste Phase seines Schaffens.

Hollywoodstar Willem Dafoe spielt die Hauptrolle. Für seine grandiose Darstellung wurde er bei den Filmfestspielen in Venedig 2018 als bester Schauspieler ausgezeichnet. Am 18. April kommt der Film in die deutschen Kinos. ttt hat Julian Schnabel getroffen.

Annäherung an ein Genie

Vincent van Gogh, 1853 in den Niederlanden geboren, gilt als einer der Begründer der modernen Malerei. Seine Kunstwerke sind in den renommiertesten Museen zu sehen. Bei Auktionen erzielen sie Rekordpreise. "Landschaft mit Netzflickerinnen", eines seiner Frühwerke, kam im Sommer 2018 für über sieben Millionen Euro unter den Hammer. Zu Lebzeiten aber war van Gogh kaum anerkannt und konnte nur wenige Bilder verkaufen. Er litt unter psychischen Problemen, war als Sonderling verschrien und wurde von seiner Umgebung ausgegrenzt.

Julian Schnabel (Mitte) bei den Dreharbeiten
Julian Schnabel (Mitte) bei den Dreharbeiten | Bild: DCM

Julian Schnabel, selbst bildender Künstler und Regisseur, hat für seine Filmbiografie einen außergewöhnlichen Zugang gewählt. Er versucht, den Schaffensprozess nachzuempfinden, in Lebensbereiche vorzustoßen, die normalerweise hinter den biografischen Details verborgen bleiben. "Der van Gogh dieses Films entstand direkt aus meiner persönlichen Reaktion auf seine Bilder und nicht auf Grundlage dessen, was andere über ihn geschrieben haben", sagt Julian Schnabel.

Der Film stützt sich zwar auf Briefe, Berichte, überlieferte Legenden und historische Tatsachen, entwickelt aber eine ganz eigene imaginäre Welt, um die Intensität von van Goghs Schaffen spürbar zu machen.

Die letzten Lebensmonate des Künstlers

1888 reist Vincent van Gogh (Willem Dafoe) von Paris ins südfranzösische Arles. Der 35-Jährige hat schon über hundert Bilder gemalt, aber keinen Erfolgt mit seiner Kunst.

In Arles lässt er sich vom Licht der Provence inspirieren. Und tatsächlich entwickelt er hier einen neuen Stil, indem er die Farben auf bisher unbekannte Weise zum Leuchten bringt. In Südfrankreich entstehen zahlreiche seiner Meisterwerke, die wir heute als "typisch van Gogh" empfinden, darunter die "Sonnenblumen" und die "Sternennacht".

Freunde: Paul Gauguin (Oscar Isaac) und Vindent van Gogh (Willem Dafoe)
Freunde: Paul Gauguin (Oscar Isaac) und Vindent van Gogh (Willem Dafoe) | Bild: DCM

Gleichzeitig aber hat der Niederländer große Schwierigkeiten, sich in der neuen Umgebung einzuleben. Als ihn sein enger Freund und Kollege Paul Gauguin (Oscar Isaac) besucht, ist er zunächst erleichtert. Doch der Besuch endet im Streit. Aus Verzweiflung schneidet sich van Gogh ein Stück seines linken Ohres ab und wird in einem Krankenhaus behandelt.

Vincent van Gogh (Willem Dafoe) mit Bruder Theo (Rupert Friend)
Vincent van Gogh (Willem Dafoe) mit Bruder Theo (Rupert Friend) | Bild: DCM

Nur sein Bruder, der Kunsthändler Theo van Gogh (Rupert Friend), unterstützt ihn. Meistens aber ist der Maler allein. Er leidet unter Panikattacken und Wahnvorstellungen. Im Mai 1889 lässt er sich in die Nervenheilanstalt Saint-Rémy-de-Provence einweisen. Ein Jahr später stirbt er während eines Aufenthaltes in Auvers-sur-Oise am 29. Juli 1890 nach einer Schussverletzung unter ungeklärten Umständen.

Der Blick des Meisters

Julian Schnabel nutzt die verbürgten Episoden aus van Goghs Leben als Rahmen, um das Neue, das Visionäre seiner Malerei anschaulich zu machen. Was hat der Künstler bei seinen Wanderungen gesehen? Welche Eindrücke haben sich auf seiner Netzhaut eingebrannt. Wie hat er sie sie auf die Leinwand gebracht? Und wie gelingt es ihm schließlich, uns die Welt mit anderen Augen sehen zu lassen? "Die Tatsache, dass ich ein Maler bin, verändert wahrscheinlich meine Herangehensweise", sagt Julian Schnabel. "Dieses Thema könnte für mich nicht persönlicher sein. Darüber habe ich mein ganzes Leben lang nachgedacht."

Julian Schnabel

Julian Schnabel wurde 1951 in New York City geboren. Er gilt als einer der Hauptvertreter des Neoexpressionismus. Als Regisseur hat er fünf Filme gedreht, die alle mehrfach ausgezeichnet wurden. 

Autorin  des TV-Beitrags: Hilka Sinning

Stand: 08.04.2019 08:37 Uhr

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