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"Es kann nur eine geben"

Carolin Kebekus und der Feminismus

PlayCarolin Kebekus im Porträt
"Es kann nur eine geben" – Carolin Kebekus und der Feminismus | Video verfügbar bis 10.10.2022 | Bild: WDR

Was heißt das eigentlich, Feministin zu sein? Und wie wird man eine? Darüber hat Carolin Kebekus, Komikerin, Sängerin und Schauspielerin, ein Buch geschrieben. "Es kann nur eine geben" ist gerade bei Kiepenheuer & Witsch erschienen. ttt hat das Allroundtalent in Köln getroffen.

Konkurrenz unter Frauen

Carolin Kebekus bei der Grimme-Preisverleihung
Carolin Kebekus mit dem Grimme-Preis 2021 | Bild: WDR/Dirk Borm

Carolin Kebekus schreibt über ihre eigenen Erfahrungen als Mädchen, junge Frau und erfolgreiche Künstlerin. Vor allem aber schreibt sie darüber, warum Frauen sich selbst im Wege stehen, weil sie in den anderen nicht die Mitstreiterinnen, sondern die Konkurrentinnen sehen. "Ich glaube, dass die Konkurrenz unter Frauen entsteht, weil wir das Gefühl haben, es gibt nicht genug Platz für alle", sagt sie. "Wenn es eine Frau gibt, egal in welcher gesellschaftlichen Konstellation, dann reicht die, dann hat man immer das Gefühl, da ist schon eine. Da brauchen wir keine mehr."

Gerangel um den "Macht-Kuchen"

Die Carolin Kebekus Show
Die Carolin Kebekus Show | Bild: WDR/btf/Melanie Grande

Auf der Bühne hat Carolin Kebekus den Feminismus schon immer thematisiert: pointiert, bissig, deftig. Dabei hat sie selbst erlebt, wie befriedigend es auf den ersten Blick ist, wenn man es als Frau unter lauter Männern an die Spitze schafft, wenn man die einzige ist, die mit den "Jungs am Tisch sitzen darf". Jetzt hat sie sich die Zeit genommen und die Hintergründe recherchiert. "Ich will wissen, woher das kommt ", sagt sie, "es kann doch eigentlich nicht sein, dass man uns Frauen sagt, man kann nicht mit mehreren Frauen im Team arbeiten, weil ihr seid halt so stutenbissig."

Antworten hat sie in kulturellen Überlieferungen, Alltagsphänomenen und Kindheitsprägungen gefunden. Zum Beispiel in Märchen. Wie in "Schneewittchen" geht es meist darum, dass eine Frau vom Mann erwählt und zur Prinzessin gemacht wird. "Das ist das Wichtigste, dass wir es schaffen, dass ein Mann sich für uns entscheidet. Wir haben gelernt, die einzige zu sein. Sonst kriegen wir nie was ab vom Macht-Kuchen."

Frauenquote und mehr

Carolin Kebekus hat lange gebraucht, sich selbst als Feministin zu sehen. "Ich weiß noch, wo ich gedacht habe: Uh, Feministin... Nein, nein, nein. Das ist was ganz Anstrengendes. Und ich will nicht anstrengend sein." Mittlerweile sieht sie das anders. Kämpferisch setzt sie sich für Frauenthemen ein, auch auf der Bühne, wo sie mit der Übermacht der Männer abrechnet. "Ehrlich gesagt, habe ich jetzt keinen Bock, noch mal 50 Jahre zu warten, bis sich in Führungspositionen das mit der Gleichberechtigung von selber erledigt. Deswegen bin ich voll für eine Frauenquote, weil sich Dinge auch ändern müssen von oben herab."

Ein großes Thema ist für sie auch der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Aus Empörung ist die getaufte Katholikin aus der Kirche ausgetreten. "Es ist ja nicht nur der sexuelle Missbrauch, sondern auch die Frauenfeindlichkeit und dieses ganze patriarchale System, das nur auf Machtstrukturen von Männern aufgebaut ist."

Dass sie Ernstes komisch verpacken kann, stellt Carolin Kebekus als Comedienne immer wieder unter Beweis. In ihrem Buch schafft sie es, ihre Beobachtungen und Thesen mit soliden Recherchen zu unterfüttern. "Es kann nur eine geben" unterhält, klärt auf und wirbt für mehr Zusammenhalt unter Frauen. 

Buchtipp

Carolin Kebekus, Mariella Tripke: Es kann nur eine geben.
Kiepenheuer & Witsch 2021, Preis: 18 Euro

Autorin des TV-Beitrags: Claudia Kuhland

Die komplette Sendung steht am 10. Oktober ab 20 Uhr zum Abruf in der Mediathek bereit.

Stand: 10.10.2021 17:49 Uhr

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