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Wunderkammer der Kunst

Dokumentarfilm über die Uffizien, Florenz' weltberühmtes Museum

PlayTizians "Venus von Urbino"
Wunderkammer der Kunst — Dokumentarfilm über die Uffizien in Florenz | Video verfügbar bis 14.11.2022 | Bild: zero one film

Sie sind ein Publikumsmagnet mit mehr als zwei Millionen Besuchern jährlich: die Uffizien in Florenz. Mitte des 16. Jahrhunderts wurden sie als Bürogebäude errichtet (italienisch "uffici" = Büros). Schon 1581 stellte die Adelsfamilie der Medici hier ihre legendäre Kunstsammlung aus. Sie wurde zum Vorbild aller Museen in Deutschland.

Seit September 2015 leitet der deutsche Kunsthistoriker Eike Schmidt die Uffizien. Die beiden preisgekrönten Filmemacher Corinna Belz und Enrique Sánchez Lansch haben das Museum mit der Kamera erforscht und sind tief in den Kunstkosmos eingetaucht. Ihr Dokumentarfilm "In den Uffizien" kommt am 25. November in die Kinos.

Eine Zeitreise über fünf Jahrhunderte

Eike Schmidt in seinem Büro
Eike Schmidt in seinem Büro | Bild: zero one film

Die Uffizien sind das Bildgedächtnis der Renaissance. Hier hängen Meisterwerke, die nicht nur unser Kunst-, sondern auch unser Weltverständnis geprägt haben: Leonardo da Vincis "Anbetung der Könige", Botticellis "Frühling", Tizians "Venus von Urbino" und Artemisia Gentileschis "Judith und Holofernes".

Täglich drängen sich die Besucher vor den Gemälden und Skulpturen. Beim Betrachten, so haben es Corinna Belz und Enrique Sánchez Lansch erlebt, entsteht ein Dialog über Jahrhunderte hinweg. Die Menschen von heute blicken in Gesichter, die ihnen zu antworten scheinen. "Es ist Kunst, die in einer Zeitenwende entstanden ist", so Enrique Sánchez Lansch, "als so ein ganz großer geistiger Umbruch passiert, als der Mensch auch plötzlich in den Mittelpunkt tritt, als man ganz anders anfängt zu denken. Und vielleicht war es eine der größten Umbruchszeiten bis jetzt zum digitalen Zeitalter."

Frischer Geist in hehren Hallen

Eike Schmidt übernahm 2015 das Amt des Direktors mit dem Ziel, das Museum offener und lebendiger zu machen. In den letzten Jahren ist die Besucherzahl explodiert. Nur im vergangenen Jahr gab es einen coronabedingten Dämpfer. Die Uffizien haben endlich eine eigene Website, sind mittlerweile auf allen sozialen Kanälen präsent und haben vor allem bei den jüngeren Besuchern deutlich zugelegt.

"Der Engelsturz" von Andrea Commodi
"Der Engelsturz" von Andrea Commodi  | Bild: zero one film

Mit seinem Team arbeitet Eike Schmidt daran, Sponsoren zu gewinnen und Räume neu zu gestalten. Wenn er beschreibt, wie manche Kunstwerke von innen leuchten, überträgt sich seine Begeisterung auf die Zuhörer: "Also, im Grunde genommen geht es ab hier ganz ums Licht. Und hier praktisch das Christkind. Es leuchtet aus dem Christkind heraus, als wäre es eine große Glühbirne. Das wird noch viel, viel stärker sein dieser Eindruck, wenn wir den Engelsturz von Andrea Commodi hier haben. Das ist ja reines Chaos, reine Explosion, reine Unordnung."

Venus statt Mars

"In den Uffizien" zeigt die Arbeit hinter den Kulissen als eine kollektive Anstrengung, eine gemeinsame Sorge darum, die jahrhundertealten Meisterwerke zu erhalten und die richtige Balance zu finden zwischen Tradition und Moderne. "Fast jeder, der dort arbeitet, hat so einen ganz direkten Bezug zu seiner Arbeit und zu dieser Sammlung und zu den Kunstwerken. Das ist eine Gemeinschaftsleistung", sagt Corinna Belz.

Corinna Belz und Enrique Sánchez Lansch
Corinna Belz und Enrique Sánchez Lansch | Bild: WDR

Mit ihrem Film eröffnen sie einen ungewohnten Blick auf die Museumsarbeit. Vor allem aber wecken sie die Lust an der Kunst. Es sei ein Wunder, dass die Sammlung der Medici nach so vielen Kriegen und Machtwechseln überhaupt noch bestehe.  "Mit diesem Porträt des zweitältesten Museums der Welt und seiner Mitarbeiter möchten wir der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass trotz Krieg, Seuchen und Ignoranz am Ende nicht Mars, sondern immer wieder Venus das letzte Wort hat."

Autor des TV-Beitrags: Dirk Fleiter

Die komplette Sendung steht am 14. November ab 20 Uhr zum Abruf in der Mediathek bereit.

Stand: 14.11.2021 18:38 Uhr

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