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"JFK revisited"

Oliver Stones Dokumentarfilm über den Tod John F. Kennedys

PlayJohn F. Kennedy im offenen Wagen kurz vor seiner Ermordung
"JFK revisited" — Oliver Stones Dokumentarfilm über den Tod John F. Kennedys | Video verfügbar bis 14.11.2022 | Bild: National Archives

Die Ermordung von John F. Kennedy am 22. November 1963 war ein traumatisches Ereignis, nicht nur für die USA, sondern für die ganze Welt. Bis heute ranken sich um den Tod des 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten zahlreiche Verschwörungstheorien. Schon vor 30 Jahren hat Hollywood-Regisseur Oliver Stone die Hintergründe in seinem Oscar-prämierten Spielfilm "JFK – Tatort Dallas" beleuchtet. Jetzt begibt er sich erneut auf die Suche nach der Wahrheit. Seinem Dokumentarfilm "JFK revisited" liegen zahlreiche Informationen und Dokumente zugrunde, die erst in den vergangenen Jahren veröffentlicht wurden. Am 19. November kommt der Film in die deutschen Kinos.

Tod eines Präsidenten

Lee Harvey Oswald nach seiner Verhaftung
Lee Harvey Oswald nach seiner Verhaftung | Bild: National Archives

Er galt als politischer Popstar und war gerade mal 1.036 Tage im Amt, als er mitten in Dallas erschossen wurde – auf einer Fahrt im offenen Wagen und vor den Augen der Welt. Innerhalb kürzester Zeit verhaftete die Polizei den 24-jährigen Lee Harvey Oswald unter dringendem Tatverdacht. Zwei Tage später wurde er selbst bei der Überführung ins Staatsgefängnis vom Nachtclub-Besitzer Jack Ruby erschossen. "Wir waren damals alle schockiert", erinnert sich Oliver Stone. "Wir haben über nichts anderes nachgedacht, schon gar nicht über irgendwelche Lügen."

Die Warren-Kommission

Um Spekulationen über ein Mordkomplott entgegenzutreten, setzte Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson schon am 29. November eine hochkarätig besetzte Kommission ein, die das Attentat untersuchen sollte. Den Vorsitz hatte Earl Warren, der als liberal geltende Oberste Richter der USA. Die nach ihm benannte Kommission kam zu dem Ergebnis, dass Oswald als Einzeltäter gehandelt habe. Doch schon damals wurden die offizielle Darstellung des Attentats und insbesondere die "Einzeltäterthese" angezweifelt.

"Putsch gegen den Präsidenten"

Obwohl die Warren-Kommission im Laufe der Jahre umfangreiches Material vorlegte, konnte sie die zahlreichen Widersprüche nicht auflösen. Auch Regisseur Oliver Stone war früh davon überzeugt, dass Kennedy das Opfer einer Verschwörung war. "In meinen Augen gab es einen Putsch gegen einen jungen Präsidenten, der in kleinen Schritten versucht hat, die Dinge in diesem Land grundlegend zu verändern."

Tatort Dallas

Zeitungsschlagzeile zum Tod von John F. Kennedy
Zeitungsschlagzeile zum Tod von John F. Kennedy | Bild: National Archives

Sein erster Film "JFK – Tatort Dallas" stützte sich vor allem auf die Ermittlungen des realen Bezirksstaatsanwalts Jim Garrison, der die Alleintäterschaft Oswalds anzweifelte, Klage erhob und vor Gericht scheiterte. Garrison schrieb darüber das Buch "Auf der Spur der Mörder von Dallas". Es diente Oliver Stone als Grundlage für die Dreharbeiten. "Es war einfach eine unglaubliche Geschichte. Ich habe mit Leuten gesprochen, weiter recherchiert und es wurde immer verrückter."

"JFK – Tatort Dallas" löste in den USA eine heftige Debatte aus. "Es gab eine Menge Widerstand. Für mich war es ein Höhepunkt in meinem Leben, den Film und die Aussagen darin zu verteidigen." Oliver Stone hatte Erfolg: Die Politik beschloss, ein Großteil der bis dahin unter Verschluss gehaltenen Akten freizugeben. Die offizielle Version des Tathergangs wurde allerdings nicht revidiert.

Neue Recherchen

Regisseur Oliver Stone
Regisseur Oliver Stone | Bild: Camelot Productions, Inc.

Das Thema hat Oliver Stone nie wieder losgelassen. "Wenn du einmal damit angefangen hast, gräbst du tiefer und tiefer." Für seinen Dokumentarfilm stützte er sich auf Dokumente, die erst in den letzten Jahren publik wurden. Außerdem arbeitete er eng mit der JFK-Forschungscommunity zusammen, einem Zusammenschluss kritischer Bürgerinnen und Bürger, die seit Jahren neue Erkenntnisse sammeln, bewerten und veröffentlichen.

Der Wahrheit auf der Spur

In "JFK revisited" präsentiert er Zeugenaussagen, die von der Warren-Kommission ignoriert oder sogar vernichtet wurden, und lässt Historiker, Forensikerinnen und Gerichtsmediziner zu Wort kommen. Sie alle untermauern die These, dass John F. Kennedy das Opfer eines Komplotts wurde, bei dem der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA die Fäden zog. "Eine der Reformen, die Kennedy sofort umsetzen wollte – und er sagte das zu seinem Bruder und anderen: Ich will die CIA in Tausend Teile zerschlagen. Ich will, dass sie sich dem Präsidenten gegenüber verantworten müssen und nicht mehr einfach tun und lassen können, was sie wollen. Er feuerte auch die Führungsriege der CIA und kürzte ihr Budget. Doch zwei Jahre später wurde Kennedy erschossen und die CIA erhielt unter Johnson ihre umfangreichen illegalen Befugnisse zurück."

Auch wenn "JFK revisited" keine absoluten Antworten liefert, gelingt es dem Film, Schleier für Schleier von einem der bestgehüteten Geheimnisse zu ziehen. In den USA hat er bisher kaum Staub aufgewirbelt und ist auch nur im Bezahl-Fernsehen zu sehen. "Jedenfalls kommt es an die Öffentlichkeit", sagt Stone. "Ich mache das für mein Gewissen und weil es richtig ist." 

Autorin des TV-Beitrags: Hilka Sinning

Die komplette Sendung steht am 14. November ab 20 Uhr zum Abruf in der Mediathek bereit.

Stand: 14.11.2021 18:36 Uhr

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