SENDETERMIN So., 16.05.21 | 23:05 Uhr | Das Erste

Der unendliche Konflikt

Keine Hoffnung auf Frieden in Israel

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Der unendliche Konflikt - Keine Hoffnung auf Frieden in Israel | Video verfügbar bis 16.05.2022 | Bild: ddp images/SOPA Images / Ahmed Zakot

Es sind die seit Jahren schwersten Zusammenstöße im israelisch-palästinensischen Konflikt. Nachdem die radikal-islamische Hamas am 10. Mai begonnen hat, Raketen auf Israel abzufeuern, eskaliert die Gewalt. Auf die Angriffe der Palästinenser reagiert die israelische Luftwaffe mit dem Beschuss des Gazastreifens. Auch am sechsten Tag gehen die gegenseitigen Angriffe weiter.

Prinzip Hoffnung?

Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra
Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra in Buenos Aires | Bild: picture alliance/dpa

"Hoffnung zu haben in der Situation, die wir heute haben, ist naiv." Das sagt Daniel Barenboim, Stardirigent, Pianist und Gründer der Barenboim-Said-Akademie – ausgerechnet der Mann, der seit Jahren für die Hoffnung auf Versöhnung steht. Dass Verständigung möglich ist, hat er mit seinem 1999 gegründete West-Eastern Divan Orchestra unter Beweis gestellt. Bis heute bringt es junge arabische und israelische Musiker zusammen. "Es gibt kein besseres Modell dafür als ein Orchester." Doch was in der Musik gelingt, lässt sich weder auf die Politik noch auf den Alltag übertragen.

"Es ist ein menschlicher Konflikt"

Auslöser für die aktuellen Kämpfe war u.a. die drohende Zwangsräumung palästinensischer Familien im Ostjerusalemer Stadtteil Scheich Dscharrah. Es geht aber auch um den Status der Stadt Jerusalem, auf die beide Seiten Anspruch erheben. Die Hintergründe des Konflikts sind komplex. Seine Wurzeln reichen weit in die Geschichte zurück – wie weit, auch darüber wird gestritten. "Es ist nicht ein politischer Konflikt", sagt Daniel Barenboim, "es ist viel schlimmer. Es ist ein menschlicher Konflikt, ein humanistischer Konflikt zwischen zwei Völkern, die überzeugt sind, das Recht zu haben, auf dem gleichen kleinen Land leben zu dürfen. Wenn möglich, ohne den anderen."

Barenboim, Kind russisch-jüdischer Auswanderer und in Argentinien geboren, versteht beide Seiten. Er hat sowohl die israelische als auch die palästinensische Staatsbürgerschaft. Gerade deswegen appelliert er an seine israelischen Landsleute: "Die Besetzung ist kein Zustand, den man wirklich für die Zukunft halten kann. Und das aus moralischen, politischen, menschlichen, aus allen Gründen. Das muss aufhören!"

Antisemitische Ressentiments

Daniel Barenboim
Der Dirigent Daniel Barenboim | Bild: WDR

Barenboim wählt seine Worte mit Bedacht. Er sieht mit Sorge, wie der Nahostkonflikt antijüdische Ressentiments schürt. In den letzten Tagen kam es hierzulande wiederholt zu Angriffen auf Synagogen und andere jüdische Einrichtungen. "Besonders in Deutschland, wenn ich das sagen darf, darf man nicht antisemitische Äußerungen machen gegen Israel. Ich glaube, man muss in der Lage sein, die israelische Regierung zu kritisieren, ohne das vor der Synagoge zu machen, wie das neulich passiert ist. Das ist sehr gefährlich."

Der lange Weg zum Frieden

Weil er weiß, dass Hoffnung alleine nicht reicht, zählt Barenboim auf Unterstützung von außen: "Jetzt muss die ganze Welt sich zusammentun, um einen Weg, nicht eine Lösung, einen Weg zu finden, der erlauben wird, in absehbarer Zeit ohne Gewalt zu leben." Eine Vision für die Zukunft hat er auch: "Sicherheit für Israel und Gerechtigkeit für die Palästinenser. Klingt sehr einfach, ist aber sehr schwierig."

Autor des TV-Beitrags: Martin Rosenbach

Die komplette Sendung steht am 16. Mai ab 20 Uhr zum Abruf in der Mediathek bereit.

Stand: 16.05.2021 19:28 Uhr

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