SENDETERMIN So., 16.05.21 | 23:05 Uhr | Das Erste

Macht und Ohnmacht - Rassismusdebatte an deutschen Theatern

Rassismusdebatte an deutschen Theatern

PlayBlick auf das Foyer des Düsseldorfer Schauspielhauses
Macht und Ohnmacht | Video verfügbar bis 16.05.2022 | Bild: ingenhoven architects/HGEsch

Rassismus, Mobbing, Machtmissbrauch: Die deutschen Theater stehen massiv unter Druck. Seit Volksbühnen-Intendant Klaus Dörr im März sein Amt wegen Sexismusvorwürfen aufgeben musste und der Schauspieler Ron Iyamu ebenfalls im März über rassistische Diskriminierung am Schauspielhaus Düsseldorf berichtete, wird über Herrschaft und Machtstrukturen auch an anderen Bühnen diskutiert. ttt hat nachgefragt und mit Wilfried Schulz, dem Intendanten des Düsseldorfer Schauspielhauses, der Schauspielerin Mateja Meded und der Theatermacherin Simone Dede Ayivi gesprochen.

Kein Einzelfall

Die Rassismusvorwürfe am Düsseldorfer Schauspielhaus haben weite Kreise gezogen und bundesweit für Aufsehen gesorgt. Ron Iyamu hatte Mitte März in einem WDR-Fernsehbeitrag seine Erfahrungen mit systematischem Rassismus beschrieben. Er schilderte mehrere Vorfälle, bei denen er diskriminiert worden sei, unter anderem bei der Probe zu "Dantons Tod" in der Inszenierung von Armin Petras. Die Theaterleitung habe nichts dagegen unternommen. Auf seine Bitte um ein Gespräch habe Wilfried Schulz zunächst nicht reagiert.

Wilfried Schulz
Intendant Wilfried Schulz | Bild: WDR

Mittlerweile hat sich die Intendanz um Aufklärung bemüht und einen Prozess der Aufarbeitung in Gang gesetzt. "Die Vorfälle haben uns dahingeführt", so Wilfried Schulz, "dass wir uns auch Hilfe von außen holen, dass wir das, was passiert ist, noch einmal von außen angucken lassen."

"Wir haben ein Problem"

Simone Dede Ayivi
Simone Dede Ayivi  | Bild: WDR

Die Ereignisse in Düsseldorf sind kein Einzelfall. "Dass das so wirkt, als hätte das Theater jetzt ein größeres Rassismusproblem, das liegt einfach daran, dass überhaupt Menschen in den Strukturen sind, um da – so absurd das jetzt klingt – Rassismuserfahrungen machen zu können." Für die Regisseurin und Autorin Simone Dede Ayivi steht außer Frage, dass wir in einer rassistischen Gesellschaft leben. Wir haben ein Problem, sagt sie, das sich durch Wegducken nicht lösen lasse. Sie selbst macht Kunst aus einer schwarzen feministischen Perspektive und kämpft dafür, die Machtstrukturen am Theater zu ändern. "Ich habe mich auch immer gefragt bei dieser Antirassismusklausel: Es gibt so viele Wege, mich am Theater fertigzumachen. Was hilft es mir, wenn der Grund nicht Rassismus ist?"

Vernichtendes Urteil

Mateja Meded
Mateja Meded | Bild: WDR

Am Maxim Gorki Theater in Berlin steht Intendantin Shermin Langhoff in der Kritik. Sie sieht sich mit dem Vorwurf des Machtmissbrauchs konfrontiert. Von einem "Klima der Angst" ist die Rede, von Mobbing und Psychoterror. Die Schauspielerin Mateja Meded hat in mehreren Produktionen des Gorki Theaters mitgespielt. Sie fällt ein vernichtendes Urteil über die Szene. "Es läuft eigentlich grundsätzlich alles falsch." Ihre Vorwürfe richtet sie allerdings nicht allein gegen einzelne Personen: "Frauen sind ja nicht die besseren Menschen als die Männer. Es hat ja etwas mit einem System zu tun und nicht, was für ein Geschlecht du hast oder was für eine Hauptfarbe oder was für einen Hintergrund du hast." Das Theater ist in ihren Augen ein "krankes System", organisiert wie Fürstentümer, in denen noch immer 75 Prozent Männer das Sagen haben. Das müsse sich ändern. "Es gibt Leute, die sind jetzt schon fähig und die sind jetzt schon politisch und auch handwerklich so weit, bestimmte Theater zu übernehmen und zu leiten." 

Wohin die Debatte führt, ist offen, aber sie hat einiges in Bewegung gebracht. In Düsseldorf setzt Wilfried Schulz auf Auseinandersetzung und Transparenz. Und er möchte das Theater für ein diverseres Publikum öffnen. "Ich glaube, dass wir eine ganz klare Verabredung treffen müssen: Die Kunstfreiheit existiert. Aber die Kunstfreiheit darf nicht die Würde des Menschen verletzen."

Autor des TV-Beitrags: Max Burk

Die komplette Sendung steht am 16. Mai ab 20 Uhr zum Abruf in der Mediathek bereit.

Stand: 17.05.2021 08:20 Uhr

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