SENDETERMIN So., 18.07.21 | 23:50 Uhr | Das Erste

"Die Adern der Welt"

Spielfilm über den bedrohten Alltag mongolischer Nomaden

PlayDie Adern der Welt. Filmszene, Amra und Erdene beten an ihrem Kraftbaum.
"Die Adern der Welt" | Video verfügbar bis 18.07.2022 | Bild: Pandora-Film

In ihrem Spielfilmdebüt "Die Adern der Welt" erzählt Regisseurin Byambasuren Davaa eine bewegende Familiengeschichte aus der Mongolei und schildert, wie internationale Rohstoffkonzerne die Lebensgrundlage der Menschen zerstören. 1971 in der Mongolei geboren, kam Byambasuren Davaa im Jahr 2000 nach Deutschland, um an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film zu studieren. Ihr Dokumentarfilm "Die Geschichte vom weinenden Kamel" war ein Welterfolg und wurde 2005 für den Oscar nominiert. "Die Adern der Welt" feierte seine Weltpremiere bei der Berlinale 2020 und startet am 29. Juli in den deutschen Kinos.

Traditionelles Leben und moderne Träume

Die Adern der Welt. Filmszene, Amra auf der Bühne von Mongolia's got Talent
Amra auf der Bühne von "Mongolia's got Talent" | Bild: Pandora-Film

Amra ist zwölf Jahre alt. Er wächst mitten in der mongolischen Steppe auf – rund 250 Kilometer von der Hauptstadt Ulan Baator entfernt. Mit seiner Mutter Zaya, seinem Vater Erdene und der kleinen Schwester Altaa führt er ein traditionelles Nomadenleben. Morgens bringt ihn der Vater mit dem selbstgebauten Cabrio zur Schule. Abends hilft er der Mutter mit den Ziegen und begleitet den Vater zum Gebetsritual an ihrem Kraftbaum. Die Familie lebt von Erdenes Arbeit als Mechaniker und dem Käse-Verkauf auf dem Markt. Amra aber hat andere Pläne. Mit seinen gleichaltrigen Freunden schaut er Youtube-Videos und träumt davon, bei der Fernsehshow "Mongolia's Got Talent" mitzumachen. Der Vater ermuntert ihn, mit dem traditionellen mongolischen Lied "Die Adern aus Gold" anzutreten.

Bedrohung von außen

Doch die Idylle trügt. Globale Minengesellschaften bedrohen die Lebensgrundlage in der Steppe. Sie wollen auf den Weideflächen nach Gold schürfen und überreden die Nomaden, gegen eine geringe Entschädigung das Land zu verlassen. Einige willigen ein. Andere setzen als illegale Goldsucher ihr Leben aufs Spiel. Amras Vater widersetzt sich und wird zum Anführer des Kampfes gegen die Ausbeutung. Als er auf der Rückfahrt von Amras erstem Vorsingen bei einem tragischen Autounfall ums Leben kommt, ändert sich für die Familie alles. Während die verzweifelte Mutter aufgeben will und den Wegzug vorbereitet, will Amra das Erbe des Vaters antreten und seinen Kampf fortsetzen.

Objekt der Begierde

In der Mongolei lagern große Mengen an Bodenschätze. Neben Gold, Kupfer und Uran verfügt sie auch über Eisenerz, Silber, Wolfram und Seltene Erden. Das macht das Land zu einem Objekt der Begierde. Derzeit ist über ein Fünftel der Mongolei als potenzielles Abbaugebiet ausgewiesen. 4,8 Prozent des Landes sind bereits in der Hand der internationalen Konzerne. Die Folgen des Bergbaus sind dramatisch. Um die Bodenschätze zu gewinnen, wird das Grundwasser abgesenkt – für die traditionelle Land- und Viehwirtschaft eine Katastrophe. Außerdem vergiften die beim Goldabbau eingesetzten Chemikalien Seen und Flüsse. Trotz der massiven Umweltschäden stammen mittlerweile rund 30 Prozent des mongolischen BIP aus dem Bergbau. Das Land gerät immer mehr in Abhängigkeit von den globalen Konzernen.

Aufruf zum Widerstand

Die Adern der Welt. Filmszene, Zaya verpackt den Ziegenkäse
Enerel Tumen als Zaya | Bild: Pandora-Film

"Ich hatte schon von der Umweltzerstörung gehört, aber erst durch die Dreharbeiten habe ich mit eigenen Augen gesehen, was da wirklich geschieht", sagt Enerel Tumen, die Amras Mutter Zaya spielt. "Es machte mich sehr traurig, und ich habe danach eine Aktionsgruppe gegründet, denn durch meine Rolle ist mir erst klar geworden, wie wichtig es ist, unser Land und unsere Natur vor der Zerstörung durch den Menschen zu schützen."

Wie sehr die großen Rohstoffkonzerne in das Leben der Menschen eingreifen, musste auch die Produktionsfirma Basis Berlin erfahren. Als eine Minengesellschaft die Drehgenehmigung verweigerte, half ein Nomade aus, der sein Land nicht verlassen wollte.

Die Adern der Welt. Produzent Ansgar Frerich
Produzent Ansgar Frerich | Bild: WDR

Produzent Ansgar Frerich: "Dieser Nomade hat uns seine Geschichte erzählt, die geprägt war vom Kampf gegen die Ausweitung der Minen, und diese Geschichte hatte so viele Parallelen zu der rein fiktiven Geschichte, die Bayamba über die Jahre entwickelt hat, dass uns die Gänsehaut kam." Der Film "Die Adern der Welt" ist auch ein Aufruf zum Widerstand gegen die brutalen Mechanismen der Globalisierung. "Amra ist so ein bisschen 'Fridays for Future der Mongolei', sagt Ansgar Frerich.

Autor des TV-Beitrags: Dirk Fleiter

Die komplette Sendung steht am 18. Juli ab 20 Uhr zum Abruf in der Mediathek bereit.

Stand: 18.07.2021 21:02 Uhr

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