SENDETERMIN So., 18.07.21 | 23:50 Uhr | Das Erste

Wer bin ich im Digitalen?

Die Künstlerin Louisa Clement kreiert ihre eigenen Doppelgängerinnen

PlayDie Künstlerin Louisa Clement gegenüber einer ihrer "Repräsentantinnen"
Wer bin ich im Digitalen? | Video verfügbar bis 18.07.2022 | Bild: WDR

Es gibt sie gleich dreimal: die Puppe Louisa. Die Künstlerin Louisa Clement hat sie nach ihrem Ebenbild entworfen, von einem chinesischen Sexpuppenfabrikanten herstellen lassen und ihnen mit Künstlicher Intelligenz Leben eingehaucht. Jetzt sind sie bis zum 26. September in der Ausstellung "Double Bind" in der Kunsthalle Gießen zu sehen. ttt ist ihnen vor Ort begegnet und hat mit Louisa Clement gesprochen.

Lernende Puppen

Die Hybridwesen kommunizieren mit den Besucher*innen: über Philosophie, aber auch über sehr persönliche Themen. Gefüttert sind sie mit Louisa Clements Antworten auf 2000 Fragen. Und wie jede KI sind sie lernfähig, verändern sich, abhängig vom Gegenüber, das mit ihnen Kontakt aufnimmt. Die Programmierung hat die Computerlinguistin Vera Demberg, Professorin an der Universität Saarbrücken, übernommen. "Wenn der Chatbot etwas dazu lernt, was nicht mit dem konform ist, was Louisa sagen möchte, wird das trotzdem mit ihrer Stimme sein", sagt sie.

"Repräsentantinnen"

Ausstellung "Double Bind"
Blick in die Ausstellung "Double Bind" | Bild: Rolf K. Wegst

Was sind das nun eigentlich für Wesen? Klone? Replikanten? Oder – wie Louisa Clement sie nennt – Repräsentantinnen? Wie "verkünstliche" ich mich im Internet, um meine Identität darzustellen? Und wie verändern sich zwischenmenschliche Beziehungen im Zeitalter der Digitalisierung? Diesen Fragen geht Louisa Clement nach. Ihre Puppen scheinen typische Vertreterinnen aus dem Internet zu sein. Sie spielen mit der Auflösung der Grenze zwischen Persönlichem und Unpersönlichem, zwischen Schein und Sein. "Was macht mich denn wirklich aus und was unterscheidet mich von anderen?", fragt Louisa Clement.

Echt und unecht

1987 in Bonn geboren, hat Louisa Clement an der Kunstakademie Düsseldorf bei Starfotograf Andreas Gursky studiert. In ihrem Werk setzt sie sich immer wieder mit idealisierter Selbstdarstellung auseinander. Was ist überhaupt echt und was heißt authentisch? Schon für ihre Abschlussarbeit "Heads" hat sie 55 Schaufensterpuppen ohne Gesichtszüge porträtiert. Sie wirken menschlich und unmenschlich zugleich. Auch in ihren Serien "Gliederpuppen" und "Avatar" hat sie sich mit – künstlicher –  Körperlichkeit auseinandergesetzt.

Mit "Double Bind" spitzt sie die Frage nach der Identität zu. Wie sehr kann sich das Artifizielle verselbstständigen und zu eigenem Leben erwachen? "Und was ist, wenn ich gar kein Gegenüber mehr habe im Digitalen, wenn es ein Chatbot ist? Ist das dann ein Dialog oder nicht?"

Neben den drei Puppen, die in Gießen zu sehen sind, will Louisa Clement noch weitere herstellen lassen. Sie sollen verkauft und nach ein paar Jahren wieder zusammengeführt werden. "Klar, wenn man sich jahrelang sieht, kann man sich wahnsinnig verändern, weil unterschiedliche Einflüsse von außen kommen. Und das ist schon spannend zu sagen: Jemand hat den Nullpunkt, und von da aus entwickeln die sich und haben natürlich unterschiedliche Wege vor sich. Ich würde die schon gern alle mal wiedersehen."

Autor des TV-Beitrags: Peter Scharf

Die komplette Sendung steht am 18. Juli ab 20 Uhr zum Abruf in der Mediathek bereit.

Stand: 18.07.2021 21:02 Uhr

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Westdeutscher Rundfunk
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