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Das LUMA in Arles

Futurismus in der Provence?

PlayDer Turm von Frank Gehry
Das LUMA in Arles | Video verfügbar bis 18.07.2022 | Bild: dpa / Gerald Julien

Arles ist eine Kleinstadt in der Provence: rund 55.000 Einwohner, 25 Kilometer vom Mittelmeer entfernt, bekannt wegen seiner antiken Bauwerke aus der Römerzeit. Van Gogh hat hier vor seinem Tod einige Monate verbracht und, vom Licht der Provence inspiriert, Stadt und Umgebung hundertfach proträtiert. Seit 1970 findet in Arles jeden Sommer das internationale Fotografie-Festival "Les Rencontres D'Arles" statt, ein Treffpunkt für Kunst- und Kulturbegeisterte.

Privates Kunstprojekt

Jetzt ist eine neue Attraktion hinzugekommen, die bereits jetzt ein Publikumsmagnet ist: ein spektakulärer Turm, den der 92-jährige amerikanische Stararchitekt Frank Gehry entworfen hat. 56 Meter hoch, ist er schon von Weitem zu sehen. Über 11.000 Paneele aus Edelstahl reflektieren das provenzalische Licht. Das futuristische Gebäude ist Mittelpunkt des Ausstellungs-, Kunst- und Kreativzentrums LUMA Arles, eines der größten privaten Kunstprojekte Europas. Zehn Jahre dauerte die Bauzeit. Ende Juni wurde es eröffnet.

Kunst, Kultur und Ökologie

Mara Hoffmann
Sammlerin und Mäzenin: Maja Hoffmann | Bild: AFP / Pascal Guyot

Die Kunstmäzenin Maja Hoffmann, Miterbin des Schweizer Pharmakonzerns Hoffmann-La Roche, hat das LUMA initiiert und sich damit einen Traum erfüllt: Architektur, Kultur und Umweltschutz zusammenzubringen. "Wir sind hier Vorreiter für etwas, das sich in der Zukunft weiter entwickeln wird", sagt sie.

Der Turm von Frank Gehry
"Isometric Slides": die Rutschen von Carsten Höller | Bild: dpa / Sabine Glaubitz

Zurzeit sind im LUMA neben vielen anderen Kunstprojekten auch Objekte aus ihrer Sammlung zu sehen. Den Gehry-Turm dominieren die "Isometric Slides" von Carsten Höller und ein Drehspiegel von Olafur Eliasson. Der belgische Landschaftsarchitekt Bas Smets hat den Park gestaltet. Neben den interdisziplinären Kunstprojekten gehört zum LUMA aber auch ein Labor, in dem aus lokalen Rohstoffen neue umweltverträgliche Materialen für Alltagsgegenstände entwickelt werden.

Zukunftslabor

"Alle Besucher, die mit den üblichen Vorstellungen von Kulturinstitutionen hierherkommen werden ein wenig überrascht sein", sagt Mustapha Bouhayati, Direktor des LUMA. "Wir verstehen uns als eine Produktionsplattform, einen Ort, an dem etwas entsteht, und nicht umsonst arbeiten wir in ganz verschiedenen Gebäuden."

Doch wie ökologisch ist das ganze Projekt selbst? Der Fotograf Mathieu Asselin, der in Arles lebt und arbeitet, setzt große Hoffnungen in den neuen Kulturspot, ist aber auch irritiert: "Diese Architektur gehört in eine andere Epoche. Sie entspricht nicht den ökologischen Notwendigkeiten und Dringlichkeiten unserer Zeit. Das Gebäude besteht aus lauter Materialien, die viel Energie verschlingen, schon in der Herstellung: Beton, Glas und Aluminium." Immerhin soll die noch zu bauende letzte Halle den selbst gesetzten hohen Ansprüchen genügen und von einheimischen Firmen aus recyceltem Material hergestellt werden.

Stadt im Wandel

Der Turm von Frank Gehry in Arles
Das neue Stadtbild von Arles | Bild: AFP

Der gesamte Komplex ist auf einem ehemaligen Industriegelände angesiedelt, in unmittelbarer Nähe zur TGV-Trasse zwischen Paris und Marseille. Maja Hoffmann hat das zwanzig Hektar großes Areal 2010 gekauft. Auch wenn ihr Engagement der Stadtentwicklung einen enormen Auftrieb gibt, sind nicht alle davon begeistert. Kritische Stimmen warnen vor der Gentrifizierung, die den Charakter von Arles verändern und die Preise in die Höhe treiben werde. "Dass eine einzelne Person eine Stadt auf diese Weise verändern kann, finde ich schon problematisch", bringt es Mathieu Asselin auf den Punkt. Doch auch er vertraut darauf, dass die Macher des LUMA zu ihren eigenen Überzeugungen stehen. "Wir haben hier eine langfristige Vision", sagt Moustapha Bouhayati. "Seit 2010 arbeiten wir daran. Wenn wir damals alles fixiert und in Beton gegossen hätten, dann wären wir heute bereits veraltet. Die Idee war, einen Ort zu schaffen, der die Kreativität zu jeder Zeit willkommen heißt und fördert."

Autorin des TV-Beitrags: Claudia Kuhland

Die komplette Sendung steht am 18. Juli ab 20 Uhr zum Abruf in der Mediathek bereit.

Stand: 18.07.2021 21:02 Uhr

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Westdeutscher Rundfunk
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