SENDETERMIN So., 18.09.22 | 23:05 Uhr | Das Erste

Überforderung, Zweifel und großes Glück

Experimenteller Spiel- und Dokufilm über Mutterschaft mit Anke Engelke

PlayFilmszene "Mutter"
Überforderung und großes Glück - Film über Mutterschaft mit Anke Engelke | Video verfügbar bis 18.09.2023 | Bild: Tom Trambow

Freude und Zweifel, Macht und Ohnmacht, Liebe und Wut: Es sind höchst ambivalente Erfahrungen, die Frauen als Mütter machen. Die Kölner Regisseurin Carolin Schmitz hat acht Frauen zwischen 30 und 75 zu ihrem Leben als Mutter interviewt. Was sie ihr erzählt haben, setzt Anke Engelke als fiktive Figur in ganz unterschiedlichen Alltagsszenen um. "Mutter" kommt am 29. September in die Kinos. ttt hat mit Anke Engelke und Carolin Schmitz gesprochen.

Das Muttersein als Zumutung und Herausforderung

Filmszene "Mutter"
Alltagsszene | Bild: Tom Trambow

"Es gibt so eine Verklärung von Mutterschaft, dass man Mutter wird und dann ist es so eine Art Erfüllung, die einen da heimsucht", sagt Carolin Schmitz. "Das ist auch ein bisschen so, aber es ist schon manchmal auch eine Zumutung, und mich hat schon die Ambivalenz interessiert." Von diesen Zumutungen, von den Herausforderungen im Alltag und widersprüchlichen Gefühlen erzählen die acht Frauen, mit denen die Regisseurin gesprochen hat.

Gemeinsam ist ihnen, dass sie gerne Kinder bekommen haben, dass sie in sicheren Verhältnissen leben und keine Existenzsorgen haben. Und doch berichten alle auch von der Überforderung, der ewigen Verantwortung, den Zweifeln und dem Widerstreit von der Sorge für sich selbst und der Sorge um die Kinder. Es sind individuelle Geschichten, die der Film zu einer großen Erzählung über das Muttersein zusammenführt. 

Gratwanderung zwischen Fiktion und Dokumentation

Regisseurin Carolin Schmitz
Regisseurin Carolin Schmitz | Bild: WDR

Dazu bedient sich Carolin Schmitz einer ungewöhnlichen Form: Der Film ist eine Mischung aus Fiktion und Dokumentation. Die Originalstimmen der acht Frauen sind im Off zu hören. Dazu bewegt Anke Engelke synchron ihre Lippen und interpretiert ihre Geschichten durch Mimik und Gestik. "Diese Form der Arbeit war mir gänzlich unbekannt und hat mich echt irre gemacht", sagt die Schauspielerin. "Warum verspricht die sich denn da? Die hat doch vorher geatmet." Und Carolin Schmitz ergänzt: "Individuelle Sprache zu verinnerlichen. Das ist ja fast nicht möglich, weil das nicht zu kalkulieren ist, wie Leute atmen. Dann sind da Pausen drin, die haben überhaupt keine Logik, dann gibt es Versprecher, die konnte ich dann auch nicht mehr transkribieren, dafür gab es gar keine Buchstaben mehr."

Zu sehen ist Anke Engelke bei ganz gewöhnlichen Situationen, beim Einkaufen, Kochen und Bügeln, bei der Arbeit und in der Freizeit, aber auch in surrealen Szenen. Diese Gratwanderung zwischen Fiktion und Dokumentation irritiert, lenkt aber auch den Blick auf das Wesentliche. Und sie bringt auf den Punkt, dass in der Debatte über das Muttersein die Männer noch immer eine entscheidende Rolle spielen. 

"Ich bin ja keine Pessimistin, ich bin Optimistin", so Anke Engelke. "Aber wo sind denn die Männer, die sagen: 'Moment, bei uns ist das ganz anders. Ich habe vier Jahre Elternzeit gemacht, weil meine Frau echt einen coolen Job hat und die war für zweieinhalb Jahre im Ausland und wir sind gependelt.' Und wo es diese Aufteilung wirklich gleichberechtigt gibt. Ich kenne EINEN."

 Autorin des TV-Beitrags: Susanna Schürmanns 

Die komplette Sendung steht am 18. September ab 20 Uhr zum Abruf in der Mediathek bereit.

Stand: 18.09.2022 19:23 Uhr

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So., 18.09.22 | 23:05 Uhr
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Produktion

Westdeutscher Rundfunk
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