SENDETERMIN So., 18.09.22 | 23:05 Uhr | Das Erste

Queerness in Photography

Berliner Ausstellung zur Geschichte der queeren Fotografie

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Queerness in Photography - Berliner Ausstellung zur Geschichte der queeren Fotografie | Video verfügbar bis 18.09.2023 | Bild: Sally Potter

Was sehen wir, wenn wir die Fotografie eines Menschen betrachten? Welche Merkmale stechen uns als erstes ins Auge? Woran meinen wir zu erkennen, ob ein Mann ein Mann und eine Frau eine Frau ist? Drei Ausstellungen im C/O Berlin gehen der Frage nach, wie Identität, Geschlecht und Sexualität in der Fotografie dargestellt werden. Es geht um Zuordnungen und Stereotype, aber auch um die Selbstvergewisserung und Identitätsfindung queerer Menschen. Zu sehen sind die drei Ausstellungen bis zum 18. Januar 2023.

"Casa Susanna. A Secret of Cross Dressers"

"Orlando"
Foto aus der "Casa Susanna" (Cindy Sherman Collection) | Bild: Cindy Sherman Collection

Die "Casa Susanna" war ein "Safe Space" in einer amerikanischen Kleinstadt Upstate New York, an dem sich Cross Dresser und Transfrauen in den 1950er und 1960er Jahren treffen konnten. Hier hatte die kleine Community Gelegenheit, ihre Vorlieben auszuleben und mit Rollenbildern zu experimentieren – geschützt vor den Anfeindungen einer Gesellschaft, die jede Abweichung von der Konvention stigmatisierte. Die amerikanische Künstlerin und Fotografin Cindy Sherman hat zahlreiche der dort entstandenen Fotos gesammelt. Sie dokumentieren nicht nur die Lust am Aufbegehren, sondern auch eine Unbeschwertheit und Lebensfreude, die nur an diesem Ort möglich war.

"Under Cover. A Secret of Cross Dressers"

Queerness in Photographie
Anonymes Foto, 1912 (Collection Sébastien Lifshitz) | Bild: Cindy Sherman Collection

"Es war eine geheime Selbstvergewisserung. Eine, die man nur für sich selbst gemacht hat. Sehr private, persönliche Bilder. Sie wurden nicht gemacht, um gezeigt zu werden", sagt der französische Filmemacher Sébastien Lifshitz. Über die "Casa Susanna" hat er einen Dokumentarfilm gedreht, der am 3. September auf dem Filmfestival von Venedig Weltpremiere feierte. Er selbst hat eine Fülle von Amateurfotos zusammengetragen, die zwischen 1850 und 1960 entstanden sind. "Ich war besessen von diesen Fotos, die ein bisschen verloren waren, in verfaulten Kartons, die ich auf den Flohmärkten fand und die keiner wirklich beachtet hat."In Berlin sind sie als einzigartige Sammlung zu sehen. "Diese Menschen auf den Fotos sind Pioniere. Sie waren Rebellen und darin sehr politisch, wie sie ihre Identität bekräftigt haben."

"Orlando. Curated by Tilda Swinton"

30 Jahre ist es her, seit die britische Schauspielerin Tilda Swinton in dem preisgekrönten Film "Orlando" (Regie Sally Potter) die androgyne Hauptrolle spielte. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf aus dem Jahr 1928. "Ich sehe Orlando als eine Geschichte über das Leben eines Menschen, der danach strebt, sich vollständig von den Konstruktionen des Geschlechts oder sozialer Normen zu befreien", hat Tilda Swinton einmal gesagt. Für "Queerness in Photography" hat sie den zeitgenössischen Teil kuratiert. "Orlando" präsentiert zum Teil eigens für die Schau konzipierte Arbeiten und fächert eine faszinierende Bandbreite moderner queerer Kunst auf. Darunter sind Aufnahmen des südafrikanischen Fotografen Jamal Jamal Nxedlana, die ebenso irritieren wie die artifiziellen Porträts einer Transsexuellen von Zachary Drucker. Und genau in dieser Irritation steckt ein großes Potenzial für die Erweiterung unserer binären Vorstellung vom Menschsein. "Für mich ist diese Ausstellung wichtig, weil sie ein Band schafft zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart", sagt Sébastien Lifshitz. "Das alles sind keine modischen Fragen, die nur mit unserer Zeit zu tun haben, das sind ganz grundsätzliche Fragen zum Menschsein. Wir sagen: Sei du selbst, sei frei!"

Autor des TV-Beitrags: Tim Lienhard 

Die komplette Sendung steht am 18. September ab 20 Uhr zum Abruf in der Mediathek bereit.

Stand: 18.09.2022 19:23 Uhr

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Westdeutscher Rundfunk
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