SENDETERMIN So, 19.05.19 | 23:05 Uhr

"Tucholsky unserer Tage"

Nachruf auf Wiglaf Droste

PlayWiglaf Droste
Nachruf auf Wiglaf Droste: "Tucholsky unserer Tage" | Video verfügbar bis 19.05.2020 | Bild: akg-images / Thomas Bartilla

Mit seinem Wortwitz begeisterte er Fans und Kritiker. Wiglaf Droste verband präzise Beobachtung mit brillanter Polemik und benutzte die Sprache als Waffe, um gegen Dummheit und Wichtigtuerei zu kämpfen. Den "Tucholsky unserer Tage" hat der Journalist Willi Winkler ihn einmal in der "Süddeutschen Zeitung" genannt. Am 15. Mai ist der Satiriker, Sänger und Autor im Alter von 57 Jahren gestorben. ttt hat mit Willi Winkler gesprochen.

Scharfe Feder

Wiglaf Droste, 1961 im nordrhein-westfälischen Herford als "Westfalian Alien" geboren, begann seine Karriere in Berlin.  Er schrieb unter anderem für die "taz", die "Titanic" und die "Junge Welt", verfasste regelmäßig Beiträge für den WDR, MDR und den Deutschlandfunk und gründete 1991 an der Berliner Volksbühne das "Benno-Ohnesorg-Theater" für satirische Talente.

Kunst und Wahrheit

Mit Leidenschaft und Lust teilte er aus – nach rechts sowieso, aber auch nach links, wenn er hinter Positionen nichts als Plattitüden witterte. "Kunst hat mit Wahrheit zu tun", brachte er seine Haltung in der "taz" auf den Punkt. Und nahm dafür kleine und große Konflikte in Kauf. Auch mit der "taz", die ihm wegen eines umstrittenen Artikels zum Frauentag am 8. März 1988 die Verantwortung für die Medienseite entzog.

Vincent Klink (li.) und Wiglaf Droste
Zwei Genießer: Vincent Klink und Wiglaf Droste | Bild: Moro/laif

Von 1999 bis 2013 gab er mit seinem Freund Vincent Klink, dem schwäbischen Sterne-Koch und Musiker, die kulinarische Vierteljahreszeitschrift "Häuptling Eigener Herd" heraus. Ab dem Jahr 2000 trat er als Sänger mit dem Jazz-Trio "Spardosen-Terzett" auf.

Meister der kleinen Form

Vor allem aber schrieb er, der Meister der kleinen Form, Gedichte, Kolumnen, Glossen, in denen brachialer Humor und poetischer Feinsinn auf wunderbare Weise zusammenfanden. Mehr als 40 Bücher, CDs und Hörbücher hat er veröffentlicht.  

Innere Haltung

In den letzten anderthalb Jahren lebte Wiglaf Droste im oberfränkischen Pottenstein und schrieb an neuen Texten – seiner alten Überzeugung folgend: "Das ist ja die Grundvoraussetzung, dass man mit offenen Augen und Ohren, mit wachen und scharfen Sinnen durch die Welt geht. Man hat immer die Möglichkeit, was zu sehen, was zu hören. Es ist tatsächlich nur eine Frage der inneren Haltung, die man dazu einnimmt."

Stand: 20.05.2019 08:13 Uhr

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