SENDETERMIN So., 20.06.21 | 23:35 Uhr | Das Erste

Visionärin für Afrika

Nana Oforiatta Ayim und ihre unglaubliche Lebensgeschichte

PlayNana Oforiatta Ayim
Visionärin für Afrika - Nana Oforiatta Ayim | Video verfügbar bis 20.06.2022 | Bild: WDR

Nana Oforiatta Ayim ist Filmemacherin, Kuratorin, Schriftstellerin und eine der inspirierendsten jungen Menschen in der Kunstwelt von heute. Und sie hat eine Mission: Afrika mit Kunst international sichtbar zu machen. Als Expertin für afrikanische Kunst und Kultur ist sie weltweit unterwegs. Gerade ist ihr autobiografischer Roman "Wir Gotteskinder" auf Deutsch erschienen. ttt hat sie im Museum "Dortmunder U" getroffen, wo sie gerade eine Ausstellung über ghanaische Kunst vorbereitet.

Zwischen den Welten

Nana Oforiatta Ayim ist eine Wanderin wischen den Welten. Die Enkelin des Königs der ghanaischen Region Akyem Abuakwa ist im Ruhrgebiet und in England aufgewachsen, hat Politikwissenschaft und Afrikanische Kunstgeschichte studiert und für die UN in New York gearbeitet. Heute lebt sie in Ghanas Hauptstadt Accra, wo sie den Kulturminister in Restitutionsfragen berät. Die afrikanische digitale Plattform "OkayAfrica" zählt sie zu den "zwölf wichtigsten Frauen Afrikas, die Geschichte schreiben".

Nana Oforiatta Ayim
Wanderin zwischen den Welten | Bild: WDR

Ihr außergewöhnliches Leben erzählt sie in ihrem Debütroman "Wir Gotteskinder". Es ist die Geschichte ihres Alter Ego Maya. Die Tochter eines ghanaischen Arztes und einer Mutter von königlicher Herkunft erlebt im deutschen Exil tagtäglich, dass sie "anders" ist. Im Bemühen, sich anzupassen, empfindet sie ihr Leben als ständigen Seiltanz. Erst als Cousin Kojo sie mit seinen poetisch-mythischen Geschichten aus Ghana fesselt, beginnt sie sich für die Vergangenheit und Kultur Afrikas zu begeistern. Gemeinsam wollen sie die afrikanische Kunst aus den europäischen Museen holen, um die Geschichte ihrer Ahnen neu zu schreiben

Koloniale Vergangenheit

Nana Oforiatta Ayim beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der kolonialen Vergangenheit Ghanas. Das Land war ab 1874 unter dem Namen "Goldküste" britische Kronkolonie und erlangte erst 1957 als Republik Ghana seine Unabhängigkeit. Die Frage, was Heimat ist, hat sie lange begleitet: "Es ging immer darum, dass wir eines Tages nach Hause gehen, dass wir uns auf die Heimkehr vorbereiten. Europa war immer nur ein kurzer Zwischenstopp, nie das eigentliche Ziel."

2002 hat sie das ANO Institute of Arts And Knowledge gegründet, eine Forschungsstiftung und Plattform, um Ausstellungen, Veranstaltungen und Kooperationen zu organisieren. Eines der Projekte ist eine panafrikanische Kunst- und Kulturenzyklopädie. "Das Koloniale spielt dabei nur eine ganz kleine Rolle. Ich glaube, der Kolonialismus hat sich selbst so wichtig gemacht. Mir geht es darum zu zeigen, dass wir eine so große Vielfalt, so einen Reichtum in unserer kulturellen Entwicklung haben. Wir brauchen uns wirklich nicht auf dieses koloniale Kapitel zu reduzieren."

Zurzeit verhandelt sie mit verschiedenen Museumsdirektoren in Europa über die Rückgabe geraubter afrikanischer Kunst. "Es geht immer wieder um die Frage, ob wir überhaupt in der Lage sind, diese Kunst zu bewahren. Dabei wissen wir am besten, wie man mit unserer Kunst und Geschichte umgeht. Aber diese koloniale Denkweise ist immer noch weit verbreitet."

"Universal Museum"

In Ghana bringt sie mit einem mobilen Museum die Kunst direkt zu den Menschen. "Museen müssen lebendig sein. Nur so kann sich Ghana seine Geschichte zurückholen, sie neu erzählen." Sie will aber auch die ghanaische Gegenwartskunst auf die Weltbühne rücken. Ein großer Erfolg war der erste ghanaische Pavillon auf der 59. Biennale von Venedig, den sie 2019 kuratiert hat.

Gerade plant sie unter dem Titel "Ghana: The Universal Museum" eine Sonderausstellung im "Dortmunder U". Dahinter steckt die Idee eines universellen oder enzyklopädischen Museums, das das archäologische und anthropologische Kulturerbe in Beziehung zur Gegenwartskunst setzt. Die Ausstellung soll am 11. Dezember 2021 eröffnet werden und bis zum 6. März 2022 dauern.

Zeitreisen

In ihrem Roman schreibt sie: "In jeder Generation unserer Familie gab es immer einen, der auserwählt war, Wissen von den frühesten Epochen zu besitzen, zu sehen, was andere nicht sehen konnten: ein nyame akwadaa, ein Gotteskind, das das Flüstern des Universums deutlicher hören konnte als den Lärm der Welt ringsum, deutlicher als die Stimme der Ahnen oder sogar der Geschichte. Sie oder er reiste durch die Zeiten und rückte auf jeder Etappe zurecht, was früher falsch gelaufen war. " "Wir Gotteskinder" – Nana Oforiatta Ayim ist eines von ihnen.

Buchtipp

Nana Oforiatta Ayim: Wir Gotteskinder.
Penguin Verlag 2021, Preis: 22 Euro

Im Herbst geht Nana Oforiatta Ayim mit "Wir Gotteskinder" auf Lesereise: Am 14. Und 15. September wird sie in Berlin sein, am 17. September in Hamburg.

Autorin des TV-Beitrags: Cordula Echterhoff

Die komplette Sendung steht am 20. Juni ab 20 Uhr zum Abruf in der Mediathek bereit.

Stand: 20.06.2021 19:12 Uhr

7 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.