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Face_It!

Filmdoku über digitale Gesichtserkennung

PlayGesichtserkennung am Bahnhof Südkreuz in Berlin
"Face_It!" – Filmdoku über digitale Gesichtserkennung  | Video verfügbar bis 21.07.2020 | Bild: WDR/dpa

Wem gehört eigentlich mein Gesicht? Was für eine Frage – mir natürlich! Oder vielleicht doch nicht? Seit das Gesicht in Millionen von Bits und Bytes zerlegt werden kann, sind alte Gewissheiten ins Wanken geraten. Was hat es auf sich mit dem "Gesicht als Spiegel der Seele"? Wer darf was mit ihm machen? Und zu welchem Zweck? In seinem Dokumentarfilm "Face_It!" erzählt der Regisseur und Videopionier Gerd Conradt von der Codierung des Gesichts im Zeitalter der Digitalisierung. Am 25. Juli kommt der Film in die Kinos. ttt hat den Regisseur in Berlin getroffen.

Pilotprojekt in Berlin

Ausgangspunkt für Gerd Conradts Film war ein viel diskutiertes Pilotprojekt zur biometrischen Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz. Dort testete die Bundespolizei, wie gut digitale Software Gesichter in einer Menschenmenge erkennen kann. Das gemeinsame Ziel von Bundesinnenministerium, Bundespolizei und BKA ist es, mithilfe der neuen Technik mutmaßliche Straftäter bzw. Terrorverdächtige schneller ausfindig zu machen.

Spiegel der Seele

Regisseur Gerd Conradt
Der Regisseur Gerd Conradt | Bild: WDR

Gesichter interessieren Gerd Conradt schon seit einigen Jahren: "Das Gesicht ist der sichtbarste und ungeschützteste Teil unseres Körpers - es ist öffentlich. Man sagt, das Gesicht sei der Spiegel der Seele." Bei seinen Recherchen stieß er auch auf die in den USA entwickelte Software "Facial Action Coding System" (FACS), die zur Gesichtserkennung eingesetzt wird. Doch was bedeuten solche Systeme? "Die Digitalisierung des Gesichtes ist ein unglaublicher Eingriff, der die Welt verändern wird", meint Gerd Conradt. "Wenn man das Gesicht in einen Code verwandeln kann, kann man damit arbeiten."

Spurensuche

Der Künstler Julius von Bismarck
Der Künstler Julius von Bismarck | Bild: missingFILMs

In seinem Film "Face_It!" stellt Gerd Conradt Menschen vor, die sich mit der Überwachung durch digitale Gesichtserkennung kritisch auseinandersetzen. Er trifft Datenschützer, Künstler und einen Medienrebellen. Mit dabei ist unter anderem Julius von Bismarck, der 2008 mit seiner Installation "Fühlometer" Emotionen echter Menschen "ausgelesen" und auf ein Emoji aus Stahl übertragen hat. Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung, vertritt die Politik. Sie will die Digitalisierung mit "offenem Herzen und kühlem Kopf" begleiten. Der Künstler Peter Weibel, Leiter des Zentrums für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe, setzt sich in seinem Song "Wir sind Daten" mit der Digitalisierung auseinander. Die Kulturwissenschaftlerin Sigrid Weigel hat das Konzept der Ausstellung "Das Gesicht – eine Spurensuche" im Deutschen Hygienemuseum Dresden entwickelt. Sie alle werden mit Videoclips konfrontiert, in denen das Gesicht zum Kunstwerk geworden ist. "Generell ist es so, dass ich auf einmal gemerkt habe, ich interessiere mich eigentlich mehr für das Gesicht als ausschließlich für diesen Prozess, für das, was da jetzt technologisch passiert", sagt Gerd Conradt.

Sind wir nur noch Daten?

In seinem Film fragt er, ob Sicherheit tatsächlich nur durch mehr Überwachung zu haben ist. Und wer eigentlich darf über das zum Zahlencode gewordene Gesicht verfügen? Wer hat die Deutungshoheit über Emotionen, die hinter einem Gesichtsausdruck stehen? "Meine Haltung ist, dass die Menschheit ohne diesen Sprung der Digitalisierung nicht weiterleben kann. Ich sehe das in einer bestimmten Weise als eine positive Entwicklung an. Die Frage ist nur: Was macht man damit? Wie geht man damit um? Deswegen glaube ich, dass es wichtig ist, dass sich ganz viele Menschen damit beschäftigen."  

Autorin des TV-Beitrags: Hilka Sinning

Stand: 22.07.2019 10:34 Uhr

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