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Wem gehört der Mond?

Wie unser kosmischer Nachbar die Menschheit bewegt

PlayFaszination Vollmond
Wem gehört der Mond? | Video verfügbar bis 21.07.2020 | Bild: ddp images

Ben Moore ist Astrophysiker an der Universität Zürich und Experte für den Mond. 50 Jahre nach der ersten Mondlandung präsentiert er neue Erkenntnisse und packende Fakten, erzählt von der kulturgeschichtlichen und mythologischen Bedeutung des Mondes und stellt die wirklich wichtigen Fragen: Gibt es tatsächlich kein Leben auf dem Mond? Was hat es mit den Besiedelungsplänen der NASA auf sich? Und wem eigentlich gehört der Mond? Sein Buch "Mond. Eine Biografie" ist bei Kein & Aber erschienen. ttt hat Ben Moore auf seiner kleinen privaten Sternwarte in den Davoser Bergen getroffen.

Der Mann auf dem Mond

Astronaut Edwin E. Aldrin, Jr., während der Apollo-11-Mission
Astronaut Edwin E. Aldrin, Jr., während der Apollo-11-Mission 1969 | Bild: imago stock

Bilder, die die Welt bewegten: Am 21. Juli 1969 setzte Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond. Ein Fünftel der Weltbevölkerung war vor dem Fernseher oder am Radio live dabei. Es war der Höhepunkt einer Mission, mit der die USA den Wettlauf ins All für sich entschieden. Vorläufig zumindest. Denn das Rennen geht weiter.

Obwohl der Flug von Apollo 11 schon fünf Jahrzehnte zurückliegt und die Wissenschaft große Fortschritte gemacht hat, birgt der Mond noch viele Geheimnisse. Auch seine Wirkung auf die Erde und unser Leben ist längst nicht vollständig erforscht. Ganz zu schweigen von den unzähligen Legenden, die sich seit Menschengedenken um ihn ranken.

Geschichten vom Mond

Ben Moore, Astrophysiker mit einem Faible für Kosmologie, bringt Licht ins Dunkel. "Das ist etwas Spirituelles. Das fällt mir zwar schwer zu sagen als Wissenschaftler, aber so ist es. Die Schönheit des Mondes zu betrachten, gibt mir ein Gefühl der Ruhe. Und dann frage ich mich: Wie kam der dahin?"

 In seinem Buch führt er uns zurück zu den Anfängen unserer Beschäftigung mit dem Mond. Irgendwann begannen unsere Vorfahren, die Mondzyklen zur Zeitrechnung zu benutzen, aber auch, um den ewigen Zyklus von Leben und Tod, von Neubeginn und Untergang besser zu begreifen. Da man so wenig über ihn wusste, ihn aber ständig vor Augen hatte, bot der Mond eine ideale Projektionsfläche für Schöpfungsmythen und Welterklärungen. Er diente als Objekt der Verehrung, beflügelte Wahrsager und Wahrheitssucher und spielte selbst in der Heilkunst eine wichtige Rolle.

Die Reise zum Mond

Mit der Erfindung des Teleskops Anfang des 17. Jahrhunderts änderte sich der Blick auf den Mond grundlegend. Die neuen Erkenntnisse revolutionierten nicht nur die Astronomie, sie dienten auch als Inspiration für Dichter und Philosophen und befeuerten den Traum von einer Reise zum Mond.

Konkrete Pläne für den Bau einer Rakete gab es schon Ende des 19. Jahrhunderts. Realistisch aber war die Umsetzung nicht. Erst im Zweiten Weltkrieg nahm – militärisch motiviert – die Entwicklung der Raketentechnik Fahrt auf. Ein von deutschen Wissenschaftlern konstruierter Prototyp der V 2 war das erste Flugobjekt, das das Weltall erreichte.

Nach 1945 stürzten sich die beiden Supermächte USA und Sowjetunion in einen Wettlauf um die Eroberung des Alls. Dabei ging es auch um den Kampf zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Zumindest was den Mond betrifft, ist der Ausgang bekannt.

Blick in die Zukunft

Ben Moore in den Davoser Bergen
Ben Moore auf seiner Sternwarte in den Davoser Bergen | Bild: WDR

"Das größte Erbe der Mondlandung war, dass wir zum ersten Mal die Erde aus dem All gesehen haben: diesen strahlenden, blauen Globus, in seiner Ganzheit. Die Erde als das Zuhause allen Lebens und den Ort, an dem Menschheitsgeschichte stattgefunden hat", sagt Ben Moore.

Auch wenn es nach 1972 keine weiteren Mondlandungen gab, verdankt die Erforschung unseres kosmischen Nachbarn den nationalen und internationalen Raumfahrtprogrammen viel. Von der Entstehung des Erdtrabanten haben wir mittlerweile eine ziemlich gute Vorstellung. Was allerdings fehlt, ist eine detaillierte, allgemein akzeptierte Theorie. Um mehr zu wissen, müsste es weitere Exkursionen geben. "Wir sollten zum Mond zurückkehren, weil wir es können, weil es Inspiration ist, und weil er das Sprungbrett ins All ist. Wenn wir zum Mars wollen, oder zu anderen Sternen, dann ist der Mond der perfekte Ort, um auf diese Reise zu gehen und mehr über das Weltall zu lernen, so Moore: " Weitere Mondexkursionen sind in nächster Zeit allerdings nicht geplant – oder nur als "Urlaubsreisen" und nicht zu Forschungszwecken.

Und wie steht es mit den Eigentumsrechten? Müssten die nicht geklärt werden, bevor der Mond als Urlaubsziel vermarktet oder gar besiedelt wird? Ben Moore verweist auf einen Vertrag der Vereinten Nationen, der den Weltraum schon 1967 als Gemeingut erklärte. Der "Outer Space Treaty" verbietet es allen Nationen, Land auf dem Mond oder irgendeinem anderen Himmelskörper für sich zu beanspruchen. 102 Staaten haben ihn unterschrieben. Aber ob sich alle daran halten werden und sich auch Privatunternehmen gebunden fühlen? Man braucht kein Prophet zu sein, um daran zu zweifeln. Die Frage, wem der Mond gehört, bleibt spannend.

Buchtipp

Ben Moore: Mond.
Eine Biografie
Kein & Aber 2019, Preis: 24 Euro

Autorin des TV-Beitrags: Uta Angervoort

Stand: 22.07.2019 10:34 Uhr

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