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"House of Gucci"

Die Gucci-Story als Film

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"House of Gucci" – Die Gucci-Story als Film | Video verfügbar bis 21.11.2022 | Bild: Universal Pictures

Intrigen, Skandale, Gier nach Geld und Macht, Verrat und am Ende ein Mord. Das ist die Geschichte der Familie Gucci – der Gründer der Luxusmodemarke. In den 80er und 90er Jahren hieß es: "Gucci muss vor den Guccis gerettet werden." Diese wahre Geschichte hat Ridley Scott jetzt furios verfilmt. "House of Gucci" – ein Haus der absoluten Schönheit und des totalen Wahnsinns. Das Buch, nach dem Scott jetzt den Film schuf, schrieb vor genau 20 Jahren die in Washington lebende Journalistin Sara Gay Fordon.

Gegen alle Konventionen

Der Film beginnt mit einem Mord, dem an Maurizio, Enkel des Firmengründers Guccio Gucci. Wie sich später herausstellen wird, hat seine Ex-Frau Patrizia Reggiani, gespielt von Lady Gaga, den Mord in Auftrag gegeben. Wie kam es dazu? Maurizio Gucci lernt Patrizia Ende der sechziger Jahre in Mailand kennen: er der Sprössling einer reichen Dynastie, sie die Tochter eines Transportunternehmers. Gegen alle Konventionen heiraten sie, bekommen zwei Kinder.

Buchautorin Sarah Gay Forden
Buchautorin Sarah Gay Forden | Bild: rbb

"Gucci war damals, in diesen Jahren, ein bedeutender Name", erklärt Buchautorin Sara Gay Forden. "Gucci spielte eine große Rolle in der Gesellschaft, die Familie war sehr respektiert. Patricia beobachtete jedoch an ihrem Mann, dass er sich nicht richtig darstellte. Er war sehr schüchtern als junger Mann, er hatte nur wenig Selbstbewusstsein, er mochte keine sozialen Verpflichtungen und er konnte nicht vor Kameras posieren. Das kam erst später."

Zu viele Köche in der Küche

Patrizia ist ehrgeizig. Sie will, dass ihr Mann in der Gucci-Dynastie eine einflussreiche Rolle spielt. Und sie hat ihre eigenen Vorstellungen, was Gucci ist. Adam Driver spielt ihren Mann Maurizio und sagt über seine Rolle: "Am Anfang des Films sagt Maurizio Gucci so Sachen wie: 'Gucci ist wie ein Kuchen. Wenn du davon ein Stück gegessen hast, dann willst du alles.' Er hat eine Weisheit in sich. Er weiß, was toxisch ist an dem Namen und der Marke, und wie all das seinen Vater und seinen Onkel beeinflusst."

In den 80er Jahren beginnt das Zerwürfnis in der Familie. Es geht um Geld, Macht und Firmenpolitik: Hauptakteure: die Gründersöhne Aldo und Rodolfo, gespielt von Al Pacino und Jeremy Irons. Und ihre Söhne Paolo und Maurizio. Feindschaften, Intrigen und Allianzen wechseln in rasantem Tempo. "Dallas am Arno", titelt die italienische Presse damals. "Jeder von denen hatte seine eigene Idee, was Gucci sein sollte", erinnert sich Forden. "Auch Aldo meinte, er sei Gucci. Und er hatte seine eigene Buchhaltung in den USA und wir wissen, dass er Steuern hinterzogen hat. Er wusch Geld auf Offshore-Konten. Er kämpfte mit seinem Sohn Paolo. Es war das totale Chaos. Maurizio sagte immer, da seien zu viele Köche in der Küche."

Die amerikanische Wirtschaftsjournalistin hat damals in Mailand mit Maurizio Gucci und den anderen Familienmitgliedern Interviews geführt. Auf ihren Recherchen und ihrem Buch basiert der Film. Sie hat verfolgt, wie Maurizio Gucci seinen Onkel und seinen Cousin aus dem Unternehmen drängte, angetrieben von seiner Frau, Patrizia Raggiani. Heute sagt Sara Gay Forden: "Ich habe das Buch wegen Maurizio geschrieben, aber als ich es schrieb, merkte ich, das Patrizia der viel komplexere Charakter ist, und ich verstand immer mehr, wie enttäuscht sie über ihn war, dass er nicht fähig dazu war, das zu tun, was sie dachte, dass er tun sollte."

Ein Mord "für die Töchter"

Und so erzählt der Film auch die Geschichte einer Frau, die ihren Mann dazu bringt, die Macht in diesem patriarchalisch geführten Familienunternehmen an sich zu reißen, und die dabei selbst alles verliert. Maurizio verkauft Gucci und verlässt seine Frau. Das Geld gibt er mit vollen Händen aus. Patrizia Raggiani fürchtet um das Erbe ihrer Töchter.   

Am Morgen des 27. März 1995 wird Maurizio Gucci in Mailand erschossen. Es dauert zwei Jahre, bis sich herausstellt, dass der Auftrag zum Mord von Patrizia Reggiani kam. Sie wird sie zu 26 Jahren Haft verurteilt. Nach 18 Jahren kommt sie aus dem Gefängnis frei.

"Sie sagte in Interviews, sie habe es getan, um ihre Töchter zu beschützen", erinnert sich Sara Gay Forden. "Das ist eine Art, darüber zu denken. Eine Mutter, die Angst hatte, dass am Ende kein Geld mehr da ist, weil er nicht damit aufhört, es um sich zu werfen, und so nichts mehr für die Kinder übrigbleibt. Der Richter in der Befragung sagte, Maurizio Gucci starb nicht für das, was er war, sondern für das, was er hatte."

Italienische Oper und griechische Tragödie

Lady Gaga überzeugt in der Rolle der Patrizia Raggiani. Sie zeigt diese Frau in all ihren Facetten. Extrem in allem, getrieben von ihrer Liebe, ihrer Gier nach Macht, ihrem Schmerz und ihrer Wut. "Ich denke, es ist eine italienische Oper", sagt Forden über die Story, "aber Patrizias Anwalt sagte an einem Punkt im Prozess: 'Diese Geschichte lässt eine griechische Tragödie wie eine Kindergeschichte aussehen.'"

Der Familie wäre es lieber gewesen, wenn ihr dieser Film erspart geblieben wäre. Alte Wunden werden aufgerissen. "House of Gucci", ein Drama mit shakespearehaften Zügen. Bildstark und monumental von Ridley Scott inszeniert.

Autorin des TV-Beitrags: Nathalie Daiber

Stand: 23.11.2021 00:00 Uhr

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Rundfunk Berlin-Brandenburg
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