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Flashmob für Mozart

Die Weltklasse-Hornistin Sarah Willis in Kuba

PlayDie Hornistin Sarah Willis
Flashmob für Mozart | Video verfügbar bis 26.07.2021 | Bild: WDR

"Mozart wäre ein guter Kubaner gewesen!" Davon ist die Star-Hornistin Sarah Willis von den Berliner Philharmonikern ebenso überzeugt wie die Kubaner*innen selbst. "Wenn man Mozarts Musik hört, da ist sehr viel Tanz dabei, sehr viel Rhythmus." Jetzt hat sie sich einen Traum erfüllt und in Havanna das Album "Mozart y Mambo" aufgenommen. ttt hat sie in Berlin getroffen.

Eine Reise nach Havanna

Vor drei Jahren ist Sarah Willis zum ersten Mal nach Kuba gereist, um in Havanna einen Meisterkurs zu unterrichten. Sie war fasziniert von den Mambo-, Salsa- und Son-Klängen, die die Straßen erfüllen und die Menschen zum Tanzen verlocken. Überrascht war sie, als sie mitten in der Altstadt Havannas ein Denkmal für Mozart entdeckte – ein Beweis dafür, welch große Rolle die Klassik neben der kubanischen Volksmusik spielt.

Crossover-Projekt

Die Hornistin Sarah Willis in Havanna
Auf den Straßen von Havanna | Bild: WDR

Schon damals hatte sie die Idee zu einem Crossover-Projekt. "Ich liebe kubanische Musik so sehr! Und ich wollte auch ein bisschen mehr erfahren, wie man diese Rhythmen spielen kann und ob das überhaupt geht auf dem Horn." Immerhin gehört es nicht zur üblichen Besetzung einer kubanischen Band. "Man nennt das Horn die Glücksspirale, weil es 3,5 Meter lang ist. Das heißt, wenn ich einen Ton reinpuste, muss er durch ganz viele Bögen, bevor er wieder aus dem Schallbecher rauskommt," erklärt sie. "Deshalb sind wir oft ziemlich kontrolliert in der Klassik. Um kubanische Musik zu spielen, durfte ich überhaupt nicht kontrolliert sein." Im Januar 2020 fand die Aufnahme in einer Kirche statt – überwiegend nachts, weil es dann im turbulenten Havanna etwas ruhiger ist.

Die CD kombiniert klassische Solostücke für Horn mit kubanischer Musik. Zu hören sind neben Mozarts Hornkonzert Nr. 3 zwei weitere Konzertsätze. Aus der kleinen Nachtmusik ist die flotte "Sarahnade Mambo" geworden. Und auch das Rondo aus dem dritten Hornkonzert erklingt im kubanischen Stil. Hinzu kommen traditionelle Stücke wie "Dos Gardenias", die spätestens seit dem legendären Buena Vista Social Club auch hierzulande populär sind.  

Mit Leidenschaft und Herzblut

Die Hornistin Sarah Willis bei der Probe
Bei der Probe mit José Antonio Méndez Padró | Bild: WDR

Begleitet wird Sarah Willis vom Orquesta del Lyceum de La Habana unter der Leitung des Dirigenten José Antonio Méndez Padró. Mit dabei sind der Saxophonist Yuniet Lombida Prieto, der Kammermusik, Jazz und Salsa auf großen internationalen Bühnen spielt, der Trompeter Harold Madrigal Frías sowie Komponist und Pianist Jorge Aragó.

Sarah Willis schwärmt noch heute von der Zusammenarbeit mit den kubanischen Musiker*innen. Ihre Professionalität, ihre Spielfreude und ihre Lust an der Improvisation haben sie begeistert. Dabei sind die Lebensbedingungen in Kuba alles andere als leicht. Für Berufsmusiker*innen gibt es kaum Perspektiven. Kein Wunder, dass viele auswandern wollen. Ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf der CD soll direkt nach Havanna fließen und es dem Orquesta del Lyceum de La Habana ermöglichen, neue Instrumente anzuschaffen. Ursprünglich sollte es in diesem Sommer nach Deutschland reisen, um "Mozart y Mambo" bei mehreren Klassikfestivals zu präsentieren. Daraus ist wegen Corona nichts geworden. Nun sind die Auftritte auf das Jahr 2021 verschoben. Dann kann sich auch das deutsche Publikum live davon überzeugen, wie gut Mozart und Mambo zusammenpassen.

Autorin des TV-Beitrags: Brigitte Kleine

Stand: 26.07.2020 16:20 Uhr

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Westdeutscher Rundfunk
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