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Mit Mode das Leben feiern

Tariq Zaidis seelenvolle Fotos von den "Sapeurs" im Kongo

PlaySapeur im Kongo
Mit Mode das Leben feiern | Video verfügbar bis 26.07.2021 | Bild: Tariq Zaidi

Sie nennen sich "Sapeurs" und "Sapeuses", die schrill-eleganten Gentlemen und Ladies aus den Armenvierteln von Kinshasa und Brazzaville: Männer in bunten Designerjacketts mit Einstecktuch, Spazierstock und Krokodillederschuhen, Frauen in Nadelstreifenanzügen mit Accessoires von Dior, Gucci oder Chanel. Wer zum ersten Mal sieht, wie sie die staubigen Gassen in einen Catwalk verwandeln, reibt sich verwundert die Augen, um sich dann von ihrer Lebensfreude anstecken zu lassen. Auch der renommierte Londoner Fotograf Tariq Zaidi war von ihnen fasziniert, als er ihnen auf einer Afrikareise begegnete. Er beschloss, zurückzukommen und ihren Lebensstil näher kennenzulernen. Jetzt ist sein Bildband "Sapeurs. Ladies & Gentlemen of the Congo" erschienen.     

"Weiße haben die Kleidung erfunden. Wir machen Kunst daraus."

Die "Sapeur"-Bewegung entstand ursprünglich in den 1920er Jahren als Antwort auf die Kolonialherrschaft der Belgier und Franzosen. Junge Kongolesen wollten durch teure Kleidung ihr Selbstbewusstsein stärken. Mitte der 1970er Jahre lebte sie wieder auf als Teil des Protestes gegen den zairischen Diktator Mobutu, der zum Zweck der Reafrikanisierung westliche Kleidung verbieten wollte.

Sapeur auf einer Straße im Slum
Stilvoll im Slum | Bild: Tariq Zaidi

"Bien sapé", schick gekleidet, so nannte man bewundernd diejenigen, die im neuesten Look aus den europäischen Metropolen in den Kongo zurückkehrten. Allmählich entstand daraus die subkulturelle Modebewegung "La Sape", ein Akronym für "Société des Ambianceurs et des Personnes Elégantes" (Gesellschaft für Unterhalter und elegante Menschen). Der populäre kongolesische Musiker Papa Wemba wurde zur Stilikone der Sapeurs. Von ihm stammt der Satz: "Weiße haben die Kleidung erfunden, wir machen Kunst daraus."

Haute Couture im Slum

Die meisten Sapeurs arbeiten tagsüber als Taxifahrer, Schneider oder Gärtner. Nach Feierabend aber verwandeln sie sich in ultraschicke Dandys. Der Gegensatz zwischen ihren Lebensumständen und ihrem Auftreten ist enorm. "Sie leben im Slum", sagt Tariq Zaidi. "aber plötzlich taucht da jemand auf, der wie ein Millionär gekleidet ist: Jackett von Kenzo, Krawatte von Pierre Cardin, 500- oder 1000-Dollar-Schuhe."

Mehrere Sapeurs werden von anderen bewundert
Gefeiert und bewundert | Bild: Tariq Zaidi

Wenn sie durch die Straßen stolzieren, werden sie wie Superstars gefeiert. Sie bringen Farbe in einen Alltag, der im krassen Widerspruch zu ihrem eleganten Kleidungsstil steht. "Die beste Art, ein Rockstar zu sein, ist, wenn du wie ein Rockstar aussiehst, dich wie einer bewegst, genauso läufst... aber das alles auf eine sehr nette, freundliche Art!" Sapeur zu sein – das bedeutet viel mehr als sich zu verkleiden. Es ist Ausdruck einer Lebensart, die sich der Fremdbestimmung widersetzt.

Deswegen war es für Tariq Zaidi auch wichtig, die Sapeurs nicht als Objekte zu behandeln. "Ich wollte sie nicht wie irgendwelche Models auf eine Parkbank oder einen dekorativen öffentlichen Platz setzen. Ich wollte verstehen, wo und wie sie leben, wie sie es schaffen, Geld zu sparen, wie ihre Nachbarschaft auf sie reagiert. Ich habe sie nie weiter als 500 Meter außerhalb von ihrem Zuhause fotografiert."

Tariq Zaidi
Der Fotograf Tariq Zaidi | Bild: Tariq Zaidi

Ursprünglich war die Sapeur-Bewegung Männern vorbehalten. In letzter Zeit aber haben sich immer mehr Frauen und junge Mädchen angeschlossen. Auch für sie hat das Styling nichts mit Unterwerfung unter ein Modediktat zu tun. Im Gegenteil. Sie selbst bestimmen ihr Schicksal. Und dafür werden sie im Kongo geliebt. "Die Art, welche Kleidung sie wählen, wie kreativ sie damit umgehen, wie viel von ihrer Persönlichkeit in den Stil mit einfließt – all das kombinieren sie mit ihrer Philosophie eines friedlichen, harmonischen Zusammenlebens. Darum geht es den Sapeurs."

Buchtipp

Tariq Zaidi: Sapeurs. Ladies & Gentlemen of the Congo.
Kehrer Verlag 2020, Preis: 35 Euro

Autorin des TV-Beitrags: Brigitte Kleine

Stand: 26.07.2020 16:20 Uhr

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