SENDETERMIN So., 26.07.20 | 23:35 Uhr | Das Erste

World on Fire

Eine filmische Anklage gegen den Alltagsrassismus in den USA

PlayBarbesitzerin Judy
World on Fire - Eine filmische Anklage gegen den Alltagsrassismus | Video verfügbar bis 26.07.2021 | Bild: Grandfilm

Der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd am 25. Mai 2020 hat die USA in Aufruhr versetzt und die Menschen weltweit schockiert. Auch ein halbes Jahrhundert nach der offiziellen Aufhebung der Rassentrennung durch den "Civil Rights Act" ist Amerika ein tief gespaltenes Land. Rassistische Vorurteile und Polizeigewalt gegen Schwarze sind allgegenwärtig.

Der italienischstämmige Filmemacher Roberto Minervini ist im Sommer 2017 mit seiner Kamera in ein schwarzes Viertel von New Orleans gegangen, um das Leben seiner Bewohner*innen zu dokumentieren: einfühlsam, aus nächster Nähe und mit dem Blick des teilnehmenden Beobachters. Sein Film erzählt in kunstvollen Schwarz-Weiß-Bildern, wie der Rassismus ihren Alltag prägt. "What You Gonna Do When the World's on Fire?" hatte 2018 auf den Filmfestspielen in Venedig Weltpremiere. Jetzt kommt er in die deutschen Kinos. ttt hat mit dem Regisseur per Skype in New Mexico gesprochen.

Die Gegenwart der Gewalt

Regisseur Roberto Minervini
Regisseur Roberto Minervini | Bild: Grandfilm

Vor vier Jahren reiste Roberto Minervini durch den US-Bundesstaat Louisiana, um einen Film über die Musik der 1930er Jahre zu drehen. Doch die omnipräsente Gewalt gegen Schwarze ließ ihn seine Pläne ändern. In New Orleans suchte und fand er Protagonist*innen, die ihm einen sehr persönlichen Einblick in ihr Handeln, ihr Denken und Fühlen gewährten.

Annäherungen

Die 50-jährige Barbesitzerin Judy stammt aus einer Musikerfamilie und hat schon viel erlebt und erlitten. Nach der Trennung von ihrem Mann kämpft sie um ihre Selbstständigkeit und hilft Jugendlichen, sich aus dem Drogensumpf zu befreien. In ihrer Bar treffen sich Menschen aus der Nachbarschaft und Aktivist*innen aus der Bürgerrechtsbewegung. Im Sommer 2017 hat Judy ein weiteres Problem: Sie muss ihre Bar vor der Gentrifizierung retten.

Die Brüder Titus (li.) und Ronaldo
Die Brüder Titus (li.) und Ronaldo | Bild: Grandfilm

Die beiden Brüder Ronaldo und Titus, 14 und neun Jahre alt, wachsen bei ihrer alleinerziehenden Mutter auf, die sich sehr darum sorgt, sie vor der Gewalt zu beschützen. Ronaldo hat seine eigenen Methoden, um den Jüngeren auf das Leben vorzubereiten – inklusive Boxunterricht und Lektionen darin, was es heißt, schwarz zu sein. "Ohne die vielen Menschen, die für uns gekämpft haben, wären wir immer noch Sklaven", sagt er.

Roberto Minervini ist auch dabei, wie die Black Panther Bewegung (jetzt unter ihrem neuen Namen New Black Panther For Self Defense) für den militanten Kampf trainiert, ihre schwarzen Mitbürger zum Widerstand mobilisiert, aber auch die weißen Abgehängten und Verlorenen mit konkreter Hilfe unterstützt.  

Vertrauensbasis

Es ist berührend und tief bewegend, wie nah Roberto Minervini seinen Protagonisten kommt. Vor Drehbeginn hat er viel Zeit mit ihnen verbracht, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Aus 200 Stunden Material hat er einen Film destilliert, der den Menschen hinter der #BlackLivesMatter-Bewegung ein Gesicht gibt.

Vor "What You Gonna Do When the World's on Fire?" hat er mehrere Filme über das weiße Amerika gedreht. "The Other Side" (2015), eine international viel beachtete Dokumentation über Drogensüchtige und Bürgerwehren in Louisiana, gibt einen erschreckenden Einblick in die Abgründe der USA von heute.

Wurzeln des Rassismus

"Diesmal wollte ich noch tiefer gehen bis zu den Wurzeln der sozialen Ungleichheit in Amerika", sagt Roberto Minervini. Sein Film macht die Angst und Wut spürbar, die das Leben der Schwarzen durchdringen. "Ich hoffe, dass mein Film ein Beitrag ist zur dringend notwendigen Diskussion über Rassismus und die Not der Afroamerikaner*innen, die mehr denn je Diskriminierung, Hass und Gewalt ausgesetzt sind." 

Autor des TV-Beitrags: Joachim Gaertner

Stand: 27.07.2020 07:53 Uhr

10 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.