SENDETERMIN So., 27.09.20 | 23:05 Uhr | Das Erste

Düsterbusch lebt

Alexander Kühnes neuer Roman "Kummer im Westen"

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Alexander Kühnes neuer Roman "Kummer im Westen" | Video verfügbar bis 27.09.2021 | Bild: Erik Weiss/Heyne Hardcore

November 1989. Es ist die Zeit kurz nach der Maueröffnung, als Millionen Menschen von einem besseren Leben träumen. Auch Anton Kummer, der Held von Alexander Kühnes neuem Roman, der gerade im Heyne-Verlag erschienen ist. "Kummer im Westen" ist die Fortsetzung seines gefeierten und von Arte/MDR verfilmten autobiografischen Romans "Düsterbusch City Lights", in dem Kühne das Lebensgefühl eines Provinz-Punkers in der DDR-Subkultur beschrieb.

Aufbruch in der Provinz

Mit Anton Kummer hat sich Alexander Kühne ein Alter Ego geschaffen. Er selbst, 1964 in Meißen geboren, wuchs in Lugau in der Lausitz auf, Vorbild des fiktiven Dorfs Düsterbusch in Brandenburg. Wie Kummer tat sich auch sein Erfinder Kühne schwer mit dem sozialistischen DDR-Alltag. Statt den Anforderungen des Arbeiter- und Bauernstaates zu genügen, träumte er vom Leben in einer Weltmetropole und hörte Musik – am liebsten die aus dem Westen. Bis ihm die zündende Idee kam und er mit ein paar Freunden den Jugendklub Extrem gründete.  Aus Lugau/Düsterbusch wurde ein Hotspot für Freaks, Punks und New-Wave-Fans, ein Mekka des musikalischen DDR-Undergrounds. Und ein bisschen auch die Keimzeile für das, was im Herbst 1989 das ganze Land überrollte.

Umbruch 1989

Nun also ist die Mauer gefallen. "Kummer im Westen" erzählt von Anton Kummers ersten Schritten in Westberlin, einer Stadt, die ihn zugleich fasziniert und erschreckt. Von seinen Schwierigkeiten, sich an Alltägliches zu gewöhnen: den Einkaufswagen im Supermarkt, das Abheben von Bargeld, die Fahrt mit der S-Bahn. Von der Hoffnung auf Aufbruch und dem Gefühl der Orientierungslosigkeit. Von der Achterbahnfahrt zwischen Begeisterung und Ernüchterung.

Anton Kummer erwartet viel vom Leben im Westen. Auf ihn aber hat dort keiner gewartet. Er, der in Düsterbusch Clubchef war, ist in den Augen der Westberliner nur noch Anton, der Ossi. Seine glorreichen Geschichten von den "Helden des Fortschritts" will niemand hören. Die Ost-Avantgarde wirkt auf einmal uralt. Und so kehrt Anton zurück in seine Heimat, die sich allerdings auch innerhalb kürzester Zeit verwandelt hat…

Der Traum von der Freiheit

Alexander Kühne hat selbst erlebt, was er beschreibt. Nach der Wende ging er nach Berlin und wurde Fernsehjournalist. "Natürlich ist 'Kummer im Westen' auch autobiografisch geprägt. Obwohl ich hier mit viel mehr Mitteln der Fiktion gearbeitet habe als in 'Düsterbusch'", sagt er. "Autobiografisch ist natürlich auch dieses Wechselbad aus Vorfreude und Verlorenheit." Dieses Lebensgefühl macht sein Roman greifbar – ohne zu urteilen oder zu werten. "Als Autor versuche ich immer zu vermeiden, moralisch oder ideologisch zu werden. Das unterscheidet meine Bücher vielleicht auch ein bisschen von anderen."

Buchtipp

Alexander Kühne: Kummer im Westen.
Heyne Verlag 2020, Preis: 16 Euro

Autor des TV-Beitrags: Eric Brinkmann

Stand: 27.09.2020 19:27 Uhr

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