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Einblick in andere Welten

Massimo Vitalis Wimmelbilder vom Strand

PlayFotoausschnitt von Massimo Vitali
Massimo Vitalis Wimmelbilder – Einblick in andere Welten | Video verfügbar bis 27.09.2021 | Bild: WDR

Wenn es so richtig eng wird am Strand, wenn das Leben pulsiert und die Menschen sich drängen, dann ist Massimo Vitali in seinem Element. Der italienische Fotograf ist bekannt für seine großformatigen Bilder von Stränden und Szenen des Massentourismus. Sein jüngster Fotoband "Entering A New World", 2019 im Steidl Verlag erschienen, bündelt sein Schaffen der vergangenen zehn Jahre: wunderbare Fotografien von Orten, an denen sich viele Menschen auf engem Raum tummeln. Mit dem Blick von heute sind es Erinnerungen an eine unbeschwerte Zeit, als "social distancing" noch ein Fremdwort war. ttt hat Massimo Vitali nach dem Lockdown in Düsseldorf getroffen.

"Ich bin ein abscheulicher Voyeur"

"Der Strand ist der perfekte Ort, um die Menschheit zu studieren. Die Leute wollen am Strand ihre Sorgen hinter sich lassen, hier können sie bewusst nicht denken, einfach in der Sonne liegen." Der Strand ist seit Jahrzehnten Massimo Vitalis Welt. Aus der Distanz aufgenommen, stecken seine monumentalen Wimmelbilder voller kleiner Geschichten. "Ich liebe es einfach, Menschen zu beobachten, ich bin total verrückt danach. Ich erfinde die unglaublichsten Geschichten über ihr Leben, wenn ich sie beobachte, und dann mache ich ein Foto. Im Grunde ist das nur eine Entschuldigung, weil ich ein abscheulicher Voyeur bin."

1944 in Como geboren, ging Massimo Vitali in den 1960er Jahren nach London, um am College of Printing Fotografie zu studieren. Er arbeitete zunächst als Fotojournalist für verschiedene Magazine und als Kameramann für Film und Fernsehen. Anfang der 1990er Jahre entschied er sich für die Kunstfotografie. 1995 begann er seine "Beach Series", die ihn berühmt machte. Seine Werke sind in den großen internationalen Museen zu sehen, unter anderem im Guggenheim Museum in New York, im Centre Pompidou in Paris, im Stedelijk Museum in Amsterdam und im Centro de Arte Reina Sofía in Madrid.

Verrückt nach Details

"Ich betrete im Grunde auf eine merkwürdige Weise die Welt anderer Menschen", sagt er. Seine Motive findet er nicht nur am Strand, sondern auch beim Wintersport, in Diskotheken oder an Touristenhotspots. Oft wartet er Stunden auf den richtigen Augenblick. "In meinen Bildern gibt es Hunderte von unbedeutenden kleinen Fakten. Mit ihrer Hilfe kann man eine Idee davon bekommen, wer wir sind, was wir denken und was wir sein werden."

Seine riesigen Tableaus lässt er in einem international renommierten Fotolabor in Düsseldorf drucken. "Ich bin verrückt, was die Details angeht, ich will alles sehen. Deswegen muss ich auch nach Düsseldorf kommen, denn ich bin sehr wählerisch, was die technische Seite meiner Fotos angeht, und hier arbeiten wir gut zusammen."

Chronist der Gemeinschaft

Seine Reise an den Rhein war die erste seit dem Lockdown in Italien. Während der Coronakrise hat er sein Haus in Lucca wochenlang kaum verlassen. In seinem Bekanntenkreis sind mehrere Freunde gestorben. Im Frühsommer hat er begonnen, die neue Situation zu fotografieren. "In Italien hat der Lockdown die Menschen auch zusammengeschweißt, ich weiß nicht, ob das noch so ist, aber ich denke schon", sagt der Chronist der Gemeinschaft. "Ich möchte einfach glauben, dass das so ist. Ich bin immer optimistisch."

Autorin des TV-Beitrags: Claudia Kuhland

Buchtipp

Massimo Vitali: Entering a New World.
Photographs 2009-2018
Steidl Verlag 2019, Preis: 95 Euro

Stand: 28.09.2020 08:57 Uhr

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