SENDETERMIN So, 28.01.18 | 23:05 Uhr

Hope House

Der spektakuläre Nachbau des Anne-Frank-Hauses in Bregenz

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Hope House | Video verfügbar bis 28.01.2019 | Bild: WDR

Eine Mischung aus Politik, Architektur und seiner eigenen Biografie, so beschreibt der 35-jährige Simon Fujiwara seine Arbeit. Der britische Künstler mit japanischen Wurzeln hat bereits in der Tate Modern in London, im Palais de Tokyo in Paris und im MoMA in New York ausgestellt. Jetzt zeigt er seine neueste Arbeit im Kunsthaus Bregenz: das Hope House. Zu besuchen ist es bis zum 8. April 2018. ttt hat den Künstler in Bregenz getroffen.

Rekonstruktion einer Rekonstruktion

Es ist ein sensibles Thema, dem sich Fujiwara mit dem Hope House zugewandt hat: die Kommerzialisierung der Erinnerung an den Holocaust. Das Hope House ist eine begehbare Nachbildung des Anne-Frank-Hauses in Amsterdam im Maßstab 1:1.

Bücherregal im Anne-Frank-Haus in Amsterdam
Das Bücherregal im Anne-Frank-Haus in Amsterdam | Bild: akg-images / Michael Teller

Auch das Originalhaus ist so, wie es den jährlich rund eine Million Besuchern gezeigt wird, eine Rekonstruktion. Das Hinterhaus des Gebäudes an der Amsterdamer Prinsengracht 263 war im Zweiten Weltkrieg zwei Jahre lang der geheime Unterschlupf der Familie Frank und vier weiterer Personen. Nur einer der acht, Annes Vater Otto Frank, überlebte den Holocaust.

Das Haus stand kurz vor dem Abriss, als es Ende der 50er-Jahre mithilfe der neu gegründeten Anne-Frank-Stiftung gerettet wurde. Es wurde saniert, mehrmals umgebaut und um ein Museum erweitert. Das Hinterhaus blieb auf Wunsch Otto Franks unmöbliert. Gezeigt werden nur einige wenige persönliche Dinge aus dem Besitz der Familie. Heute ist das Anne-Frank-Haus eine der größten Touristenattraktionen in Amsterdam.

Museum im Museum

Das Anne-Frank-Haus als Bastelset
Das Anne-Frank-Haus als Bastelset | Bild: Dvir Gallery Tel Aviv / Elad Sarig

Simon Fujiwara, 1981 in London geboren, hat in Cambridge Architektur und an der Städelschule in Frankfurt Kunst studiert. Zurzeit lebt er in Berlin. Auf die Idee zum Hope House kam er bei einem Besuch der Gedenkstätte in Amsterdam. Im Museumsshop kaufte er ein Mini-Modell des Hauses als Bastelset. Es war die Grundlage für seine Arbeit.  

Sein erstes Hope House stand im vergangenen Jahr in einer Galerie in Tel Aviv. Jetzt hat er es als Museum im Museum nachgebaut. Wie in Amsterdam müssen sich die Besucher auch im Kunsthaus Bregenz durch schlecht beleuchtete enge Korridore schlängeln, bis sie zur Nachbildung des berühmten Bücherregals gelangen, das seinerzeit den Zugang zum Versteck verbarg.

Die Aura des Authentischen

Interieur des Hope House
Interieur des Hope House | Bild: Dvir Gallery Tel Aviv / Elad Sarig

Anders als das niederländische Anne-Frank-Haus ist Fujiwaras Hope House mit verschiedenen Gegenständen ausgestattet – historischen und modernen. Sie spielen mit der Illusion des Authentischen und seiner Vermarktung. So hat der Künstler einen hellblauen Anzug hinzugefügt, den Beyoncé 2014 bei ihrem Besuch des Hauses trug. 20 Minuten nachdem sie ein Foto davon auf Instagram gepostet hatte, war der Anzug in den USA ausverkauft.  

Hope House
Simon Fujiwara | Bild: WDR

Mit seiner Nachbildung präsentiert Simon Fujiwara das Anne-Frank-Haus als Produkt, dessen Marktwert durch die nachgemachte Aura des Authentischen steigt. In seinen Augen ist es ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Konsum und Markenbildung all unsere Lebensbereiche bestimmen. "Das Projekt ist keine Parodie des Kapitalismus, es zeigt den Kapitalismus", sagt der Künstler.

 Autorin des TV-Beitrags: Petra Dormann

Stand: 28.01.2018 17:17 Uhr

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