SENDETERMIN So., 29.08.21 | 23:05 Uhr | Das Erste

Kanake, Jude, Gangster

Der Film "Ein nasser Hund" über Identität zwischen Herkunft und Religion

Filmszene "Ein nasser Hund"
Ziemlich beste Freunde: Husseyn (li.) und Soheil | Bild: Warner Bros.

Es ist ein radikaler Film, schonungslos und direkt, ein Film über Gewalt, Hass und die Suche nach Identität. Er basiert auf dem autobiografischen Roman "Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude" von Arye Sharuz Shalicar und erzählt die Geschichte eines jungen jüdischen Iraners, der in einer muslimischen Berliner Straßengang seinen Platz sucht. Gedreht hat ihn der aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende Regisseur Damir Lukačević. ttt hat ihn und den Hauptdarsteller Doguhan Kabadyi getroffen. Am 9. September startet "Ein nasser Hund" in den Kinos.

Lügen, um zu überleben

Soheil (Doguhan Kabadayi) ist 16 Jahre alt, als er mit seinen Eltern aus Göttingen nach Berlin zieht. Die Familie ist vor den Mullahs aus dem Iran nach Deutschland geflüchtet, wo das antisemitische Sprichwort "Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude" kursiert.

Filmszene "Ein nasser Hund"
Soheil und Selma | Bild: Warner Bros.

Im Wedding merkt Soheil schnell, dass er in dem von türkischen, arabischen und kurdischen Einwanderern geprägten Kiez seine jüdische Herkunft verbergen muss, um nicht angefeindet zu werden. "An dem Ort, wo er gerade ist, sieht er das als die einzige Möglichkeit, zu überleben, sich anzupassen", sagt der Schauspieler Doguham Kabadyi über Soheil. "Auch wenn es heißt, in dem Moment einfach nicht er selbst zu sein." Soheil freundet sich mit den Jungs aus der Gang um Husseyn an, macht sich als begabter Sprayer einen Namen und verliebt sich in das türkische Mädchen Selma.

Um sich vor den anderen zu beweisen, rutscht er immer mehr in die Kleinkriminalität ab. Als sein Vater ihn rausschmeißt, schließt er sich noch enger an Husseyn und seine Familie an. Ein antisemitischer Vorfall veranlasst ihn, sich als Jude zu outen. Die Folgen sind zunächst katastrophal. Während Selma und Husseyn weiterhin zu ihm stehen, plant die Gang, ihn ans Messer zu liefern…

Shalicars wahre Geschichte

"Für die Deutschen war ich ein Kanake, für die Moslems ein Jude, für die Juden ein krimineller Jugendlicher aus dem Wedding." Das sagt Arye Sharuz Shalicar, Er hat die Romanvorlage für den Film geliefert. Das Buch erschien 2010. Es erzählt Shalicars eigene Geschichte:  Als jüdischer Paria lebte er im Berliner Migranten-Biotop, zog mit schwarzer Bomberjacke und goldenem Klappmesser in der Hosentasche durch den Wedding. Shalicar hat Rassismus und Gewalt, Demütigungen und Hass erfahren und ging nach Israel, weil er den handgreiflichen Antisemitismus der deutsch-arabischen Communities nicht mehr ertragen konnte.

Statement gegen Hass und Gewalt

Doguhan Kabadayi und Damir Lukačević
Damir Lukačević (li.) und Doguhan Kabadayi | Bild: WDR

Damir Lukačević verlegte Shalicars Geschichte aus den 1990er Jahren in die Gegenwart. Die jugendlichen Schauspieler sind keine Profis. Umso authentischer wirken die Dialoge. "Identität ist super wichtig, nicht nur zwischen Muslimen und Juden, auch zwischen Kurden und Türken zum Beispiel", sagt Damir Lukačević. "Dieser Identitätswechsel, dieser Perspektivwechsel hat ihnen auch sehr, sehr stark geholfen, mal die andere Perspektive zu sehen."

"Ein nasser Hund" ist ein Coming-of-Age-Film, eine Liebesgeschichte, aber auch ein politischer Film. Über acht Jahre hat Lukačević daran gearbeitet, acht Jahre, in denen sich die Bedrohung der Juden verschärft hat. Nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland steigt die Zahl antisemitischer Übergriffe. Arabische Gangs spielen dabei eine unrühmliche Rolle. Für Damir Lukačević ist der Film ein klares Statement gegen Gewalt und Hass. Er zeigt aber auch echte Brüderlichkeit und Herzenswärme. Und einen Schimmer der Hoffnung auf Toleranz und Menschlichkeit.

Autorin des TV-Beitrags: Claudia Kuhland

Die komplette Sendung steht am 29. August ab 20 Uhr zum Abruf in der Mediathek bereit.

Stand: 29.08.2021 19:29 Uhr

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So., 29.08.21 | 23:05 Uhr
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Produktion

Westdeutscher Rundfunk
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