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"The Polar Silk Road"

Gregor Sailers Fotoprojekt über Geopolitik, wirtschaftliche Ausbeutung und Klimawandel in der Arktis

PlayDie Siedlung Tuktoyaktuk in Kanadas Nord-Territorien
"The Polar Silk Road" | Video verfügbar bis 29.08.2022 | Bild: Gregor Sailer

Der vielfach ausgezeichnete österreichische Fotograf Gregor Sailer recherchiert und arbeitet am liebsten dort, wo Normalsterbliche nur schwer Zugang haben. Seine Serie "Closed Cities" zeigt Städte, die hermetisch abgeriegelt sind: militärische Sperrgebiete, Flüchtlingslager oder auch "Gated Communities" zum Schutz der Reichen. Für "The Potemkin Village" fotografierte er Kulissenstädte, die verschiedenen Zwecken dienen.

Gregor Sailer bei der Vorbereitung der Ausstellung
Gregor Sailer bei der Vorbereitung der Ausstellung | Bild: WDR

Sein aktuelles Projekt "The Polar Silk Road" hat ihn über vier Jahre in die nördlichsten Außenposten der menschlichen Zivilisation geführt. Mit seiner analogen Kamera dokumentierte er in der Arktis, welche Folgen die wirtschaftliche Ausnutzung und die territorialen Ansprüche der Anrainerstaaten auf die Region haben, die sich durch den Klimawandel dramatisch verändert. Im Lumen-Museum in den Südtiroler Dolomiten ist "The Polar Silk Road" vom 29. August 2021 bis zum 21. April 2022 zu sehen. Demnächst erscheint ein gleichnamiger Fotoband im Kehrer-Verlag.

Wachsende Begehrlichkeiten

Anfang August hat der Weltklimarat ICCP seinen neuen Bericht veröffentlicht – mit erschreckenden Erkenntnissen. Der Klimawandel wird schneller kommen als bisher befürchtet. Und er wird die Arktis besonders hart treffen. Die Permafrostböden haben bereits zu tauen begonnen. Und im Jahr 2050 könnte die Arktis in den wärmsten Monaten sogar eisfrei sein.  

Der Temperaturanstieg alarmiert nicht nur Umweltschützer, er weckt auch Begehrlichkeiten. Denn die Eisschmelze eröffnet neue Schifffahrtsrouten und erleichtert den Zugang zu den vermuteten riesigen Rohstofflagern. Nicht nur die direkten Anrainerstaaten wie die USA, Dänemark, Norwegen, Kanada und Russland melden Ansprüche an. Auch China will Zugriff auf die Bodenschätze. Unter dem Namen "Polar Silk Road" investiert die Volksrepublik Milliarden in polare Handelswege. "Jeder will einen Teil des Kuchens haben", sagt Gregor Sailer. "Es geht letzten Endes um die Wirtschaft. Und diese Spannungen darzustellen, das war mir wichtig."

Rennen um Ressourcen

Seine Fotos machen deutlich, wie sich die Region verändert. Zum Beispiel in Tuktoyaktuk, einer kanadischen Ortschaft nördlich des Polarkreises. Früher war sie nur über eine Eisstraße im Winter oder aus der Luft zu erreichen. Jetzt führt eine Schnellstraße durch die Tundra, die die Beaufortsee direkt mit dem Süden verbindet. "Dieser Highway ist in einer riesigen Dimension errichtet worden für ca. 300 Millionen Dollar. Das kann meines Erachtens unmöglich sein für die knapp 900 Einwohner vor Ort. In der Beaufortsee liegen nach wie vor viele unerschlossene Rohstoffquellen."

Düstere Aussichten

North Warning System
Das North Warning System | Bild: Gregor Sailer

In aufwändigen Expeditionen hat Gregor Sailer eine ganze Reihe exponierter Orte in der Arktis erkundet: unter anderem Einrichtungen zur Erforschung des Klimawandels, aber auch Militäranlagen und Überwachungsstationen wie das amerikanisch-kanadische "North Warning System" zur Kontrolle des Luftraums. "Die mögen teilweise Relikte aus dem Kalten Krieg sein, die aber nach wie vor genutzt werden. Mein Eindruck ist auf jeden Fall, dass eine zunehmende Militarisierung um den Nordpol stattfindet."

Der globale Wettkampf um die Arktis hat längst begonnen. Es ist ein Wettlauf um die geopolitische und um die ökonomische Vormacht. Der Klimaschutz spielt dabei keine Rolle. "Es sind düstere Aussichten. Wenn ich feststelle, wie viel nach wie vor in diese Rohstoffe investiert wird… Dabei wissen wir alle Bescheid, dass es höchste Eisenbahn ist, auf die Bremse zu treten."

Buchtipp

Gregor Sailer: The Polar Silk Road
Kehrer Verlag 2021, Preis: 58 Euro

Autorin des TV-Beitrags: Susanna Schuermanns

Die komplette Sendung steht am 29. August ab 20 Uhr zum Abruf in der Mediathek bereit.

Stand: 29.08.2021 19:28 Uhr

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