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Antisemitismus-Vorwürfe gegen die documenta

Wie eine Debatte eskalierte

PlayDie Talkreihe "We Need to Talk" im Vorfeld der documenta wurde abgesagt
Antisemitismus-Vorwürfe gegen die documenta | Video verfügbar bis 19.06.2023 | Bild: HR

Update in eigener Sache:
Als dieser Beitrag entstanden ist, war das Banner "People's Justice" vom indonesischen Kunstkollektiv Taring Padi noch nicht aufgebaut und öffentlich sichtbares Kunstwerk der "documenta 15". Die Vorwürfe, dass auf diesem Bild mit antisemitischen Stereotypen gearbeitet wird, kamen erst nach Redaktionsschluss an die Öffentlichkeit.

Es fing im Januar an – mit einem teilweise unsauber recherchierten Blog-Beitrag eines umstrittenen Kasseler Bündnisses. Seither sieht sich die "documenta 15" großen Vorwürfen ausgesetzt: Teilen des Kurator:innen-Kollektivs ruangrupa, Teilen des Künstlerischen Teams und auch einzelnen Künstler:innen wird vorgeworfen, antisemitische Einstellungen zu haben und der teilweise als antisemitisch eingestuften BDS-Bewegung nahezustehen, die den Staat Israel wirtschaftlich, kulturell und politisch isolieren will. Viele Medien berichten darüber, schnell bilden sich harte Frontlinien, nicht immer werden dabei Quellen genau geprüft.

Die Reaktion der documenta-Leitung und ruangrupa: Sie distanzieren sich zwar vom Vorwurf des Antisemitismus, wollen aber am liebsten gar nicht mit der Presse darüber reden. Sie setzen erst eine Diskussionsreihe im Vorfeld der documenta auf, die zentrale Fragen diskutieren und Antworten geben soll – sagen die dann aber, auch weil der Zentralrat der Juden die Besetzung der Gesprächsreihe kritisiert, kurzfristig ab. Weil die Kritik nicht abebbt, erklären sie sich in einem offenen Brief. Nachfragen dazu allerdings wieder: unerwünscht. Für die Institution documenta entwickelt sich die aufgeheizte Debatte zum Debakel.

Die aus Indonesien kommenden Kurator:innen sowie ein palästinensischer Künstler fühlen sich durch die ihrer Meinung nach unberechtigten Anklagen rassistisch diskriminiert und vorverurteilt; zentrale documenta-Orte werden mit islamfeindlichen Aufklebern, Schmierereien und Einbrüchen überzogen. Wie konnte es nur so weit kommen?  

Über diese eskalierte Debatte spricht "ttt" mit Josef Schuster (Präsident Zentralrat der Juden in Deutschland), Claudia Roth (Staatsministerin für Kultur und Medien), Sabine Schormann (documenta-Generaldirektorin) und Meron Mendel (Direktor Bildungsstätte Anne Frank Frankfurt/Kassel).

Beitrag: Grete Götze

Stand: 20.06.2022 17:22 Uhr

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