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Dan Perjovschi

Punkt. Punkt. Komma, Freiheit!

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Dan Perjovschi: Punkt. Punkt. Komma, Freiheit! | Video verfügbar bis 19.06.2023 | Bild: HR

Mit schnellen, gezielten Strichen entlarvt Dan Perjovschi Rassismus und Faschismus, die Bigotterie von allen, die Klimaschutz und gleichzeitig Kapitalismus wollen, Pandemie, Krieg und strukturelle Ungleichheit. Und noch viel mehr. In seinen "visual editorials", seinen visuellen Leitartikeln, wie Perjovschi seine Zeichnungen nennt, kommentiert der rumänische Künstler das aktuelle Weltgeschehen genauso wie das allzu menschliche Verhalten im Kleinen. Provokant und manchmal auch ein bisschen vulgarisiert. "Humor ist meine Grundsubstanz, wie Lehm oder Ölfarbe. Humor ist die einzige 'Materie', die Menschen zusammenbringt, wenn man miteinander, nicht übereinander, lacht. Ich versuche Brücken zu bauen", sagt Perjovschi.

Seine Arbeiten aus vielen kleinen Einzelzeichnungen zieren oft riesige Außenfassaden, Mauern und Fenster in Museen. Die betonte Nachlässigkeit seiner Filzstiftkunst ist auch eine Rebellion gegen seine formalistische, langjährige Ausbildung an einer staatlichen Kunsthochschule. Dan Perjovschi versteht es geradezu als Mission und Verpflichtung, möglichst frei zu denken, zu malen und zu sprechen – besonders deshalb, weil er die repressiven Zustände der Ceausescu-Diktatur miterlebt hat. Nach dem Sturz des Regimes 1989 gründete er die linksintellektuelle Wochenzeitung "revista 22", für die er bis heute arbeitet, eine der letzten unabhängigen Zeitungen Rumäniens. "Ich bin ein Journalist", sagt Perjovschi über sich selbst, "und ich möchte die Aufmerksamkeit der Menschen auf wichtige Themen lenken, sie sensibilisieren. Das ist ein ungeheures Privileg."

Seit er 1999 den Fußboden des Rumänischen Pavillons auf der Biennale in Venedig mit hunderten von Zeichnungen überzogen hat, ist er aus der internationalen Kunst nicht mehr wegzudenken. In Kassel zieren seine Piktogramme und Botschaften jetzt das altehrwürdige Fridericianum – dessen Jahrhunderte alte Sandsteinsäulen hat er dafür pechschwarz gestrichen. Sie erinnern an Schultafeln mit weißen Kreidezeichnungen. Perjovschi geht es darum, was wir lernen können und vielleicht auch müssen, um in Zukunft in einer halbwegs freien Welt leben zu können.

"ttt" hat Dan Perjovschi bei seiner Arbeit am Fridericianum begleitet und mit ihm über Meinungsfreiheit, ihre Grenzen und Humor als Befreiungsinstrument gesprochen.

Beitrag: Tanja Küchle

Stand: 19.06.2022 21:53 Uhr

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