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Heavy Metal Gottesdienst

Die Band Ghost und ihr neues Album "Impera"

PlayGhost’s Papa Emeritus IV
Heavy Metal Gottesdienst  | Video verfügbar bis 08.05.2027 | Bild: Mikael Eriksson

Ein Heavy Metal Gottesdienst. Gehalten von einem satanischen Papst. Das sind Ghost.

"Das ist etwas, was ich mit Ghost schaffen wollte: eine Messe! Voll Musik, Bildern, Duft", erzählt Tobias Forge. "Letztlich eine religiöse Zusammenkunft, aber nur mit den guten Sachen. Wo du einen 'Daumen hoch' bekommst, einfach dafür wie du bist. Es gibt keine Buße – und keine Schuld."

Metal, Hardrock, Musical – Ghost geling diese etwas seltsame Mischung, weil sie einfach wahnsinnig gute geschriebene Songs haben.

Mann unter der Maske, Sänger und Mastermind der Band, ist Tobias Forge. Seine Bühnenfigur hat er "Papa Emeritus" getauft – der Papst, der ausgedient hat.

"Alles in allem denke ich, dass die Welt ein besserer Ort würde, wenn wir die Verbindungen zu den strukturellen Religionen kappen würden, die darauf ausgerichtet sind, dass sich Menschen Scheiße fühlen, und die den Namen Gottes einsetzen, nur weil sie nicht sagen können, ich will, dass du das tust. Denn genau das tun sie. Sie sagen nicht: weil ich es will, sondern: weil Gott es will. Und wenn du tot bist, kommst du nicht in den Himmel, sondern in die Hölle", sagt Tobias Forge.

Ein Lied für Satan im Stil (amerikanisch-)evangelikaler Popmusik.
Tobias Forge beschwört damit zugleich die Absurdität und die Schönheit religiöser Ektase.

"Satan ist der Befreier", sagt der Sänger von Ghost. "Ich glaube, dass die Symbolik des Teufels, für Befreiung steht, für Anti-Autorität, Humor, Intellektualismus, sexuelle Freiheit, zu bumsen, wen auch immer du bumsen willst, was immer dir guttut, solange du niemandem weh tust. Die Freiheit, selbst über unseren Körper zu bestimmen, diese Dinge. Aber ist das etwas, das alle wollen? Ich weiß es nicht."

"Das ist es, was ich versuche, in die Musik von Ghost hineinzuträufeln, und das tarnen wir dann als unterhaltsames Rocksandwich, mit dem man Spaß haben kann. Für viele Leute ist es vielleicht nur das, einfach Eskapismus", sagt Tobias Forge.

Auf dem neuen Album "Impera": Lieder über den Aufstieg und unausweichlichen Fall von Imperien. Und Lieder über das was hält: Liebe, Freundschaft und Satan.
Ghost: das ist für Forge auch wegträumen, driften in anderen Welten.

"Ich bin nie wirklich da, das war schon immer so. Ich habe Momente, in denen ich im Jetzt lebe, mit meiner Familie, wenn ich toure, bei Abendessen. Da bin ich im hier und jetzt und das ist ein großartiges Gefühl. Aber dazwischen muss ich meinen Geist wegdriften lassen", erzählt Forge.

Auch an Orte der Kindheit: Im Schweden der Achtziger aufgewachsen – aufgehoben in der Popkultur. Star Wars auf VHS, Gruselstorys und Musik – die brachte ihm der ältere Bruder nahe.

"Die Musik, die mir als Kind am nächsten war, ist Heavy Metal. Wegen der Gefühle, die ich hatte, und weil Metal damals so beliebt war", sagt Forge. "Die ersten Bands, die mochte, waren einige der größten Bands von 1984, da war ich drei. Und sie sangen alle über coole Dinge, die sich wichtig anfühlten, für einem Dreijährigen."

Lange sei er erfolglos gewesen, zwei Kinder, kein Job. Kurz bevor der Erfolg mit Ghost kam, starb der so wichtige Bruder an einem unentdeckten Herzfehler.

"Es fühlte sich an wie ein Tausch, wenn man so will. Ein Tausch, den ich nicht wollte", sagt Forge. "Aber da die Entscheidung für mich getroffen wurde, musste ich irgendwie weitermachen. Ich glaube, dass viele der Energien, die durch den Tod meines Bruders entstanden, mich dazu brachten, wirklich alles mit dieser Band zu versuchen

Beitrag: Mandana Bareh Foroush

Ghost: "Impera", Audio-CD, 2022.
Spinefarm Records, 15,99 Euro.

Stand: 08.05.2022 20:00 Uhr

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Hessischer Rundfunk
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