SENDETERMIN So., 09.08.20 | 23:45 Uhr | Das Erste

Der Mann an der Harfe

Star-Musiker Xavier de Maistre

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Der Mann an der Harfe: Xavier de Maistre | Video verfügbar bis 09.08.2021 | Bild: NDR

Die Harfe ist nicht unbedingt das richtige Instrument, wenn man als Musiker eine Solo-Karriere machen will. Und auch das Standard-Repertoire ist für sie sehr begrenzt. Der französische Harfenist Xavier de Maistre hat es trotzdem versucht – und Weltkarriere gemacht. Neben klassischen Kompositionen – zum Beispiel von Debussy oder Smetana – spielt er auch Flamenco oder zeitgenössische Musik. Beim diesjährigen Schleswig-Holstein Musik Festival ist er "Porträtkünstler". Wegen Corona mit weniger Auftritten als geplant, aber er spielt unter anderem mit dem Mahler Chamber Orchestra oder Daniel Hope. Am 29. August wird de Maistre in der Elbphilharmonie auftreten, im Oktober erscheint sein neues Album mit Rolando Villazon. "ttt" porträtiert den ungewöhnlichen Musiker.

Die Harfe: kein reines Salonintrument

Dieser Mann ist angetreten, um etwas zu beweisen: Dass er kein reines Saloninstrument spielt. Es gab immer dieses Bild von der Harfe als Saloninstrument, nicht mehr ganz up-to-date, mehr eine Frauen-Domäne. Und doch hat das Instrument für ihn ein klar definiertes Geschlecht: weiblich, eindeutig! Eine Instrumentin also. Trägt sie einen Namen? "Nein, ich bin ein Pragmatiker, das heißt ich muss sehr oft fremdgehen, weil ich nicht meine eigene Harfe mitnehmen kann", sagt de Maistre.

Die vier Harfen, die er weltweit geparkt hat – er liebt sie alle. "Die glasklaren Klänge, die kann man mit keinem anderen Instrument hinkriegen. Man kann auch Pedal-Glissando machen, dann wird es sofort bedrohlicher. (...) Ich glaube auch, dass die Harfe einfach so spektakulär ist, für das Publikum zu sehen, wie ein Ton entsteht. Das hat auch viel mit Magie zu tun."

Xavier de Maistre: Von klassisch bis modern

Seit Jahren bezaubert Xavier de Maistre seine Fans – mit klassischen Stücken, mit Bearbeitungen populärer Melodien. Auch vor spontanen filmmusikalischen Einfällen schreckt er nicht zurück. Oder er riskiert eine spektakuläre Kombi mit Kastagnetten. Und all das, weil er als Junge in seine Harfen-Lehrerin verknallt war. "Sie war sehr anspruchsvoll, aber ich habe sie sehr gern gehabt und ich wollte ihr gefallen, deshalb habe ich auch gern geübt."

Er hat viel geübt. Denn das Instrument ist nicht einfach zu begreifen. "Wir haben keine schwarzen Tasten wie auf dem Klavier. Wir haben so zwei Farben, rote Saiten sind die Cs, schwarzen sind die Fs." Klingt einfach, wären da nicht die Halbtöne. Dafür gibt es (bei diesem Modell) sieben Pedale, mit denen sich jede Saite um je ein oder zwei Halbtöne erhöhen lässt. Die Gefahr lauert also auf dem Boden. "Wenn wir einmal die falschen Pedale treten, dann sind wir total aus der Tonart raus und da passieren die meisten Unfälle."

40 Kilogramm schwer und hochsensibel. Das braucht Leidenschaft, Hingabe und Körperlichkeit. "Zwei Tonnen Spannung auf den Saiten. Allein das Harfentragen braucht viel Kraft. Wir sind sehr durchtrainiert, Finger, die Muskeln sind sehr entwickelt."

Profi-Musiker statt Profi-Sportler

Besonders bei ihm. Fast wäre er Profi-Sportler geworden. "Da musste ich mich entscheiden zwischen einem internationalen Wettbewerb für Harfe und einem Wettkampf beim Rudern ... für Wettbewerb entschieden. Und dann war ich auch sehr enttäuscht, weil ich das ganze Jahr für dieses Rennen trainiert hatte und dann habe ich gesagt, es ist vorbei."

Die Entschädigung: ein erster Orchesterjob in München, dann in Wien. Und die Erkenntnis: Das Solo-Repertoire der Harfe ist begrenzt. Gerade die großen Komponisten haben kaum für das Instrument komponiert. "Natürlich würde ich am liebsten fünf Beethoven-Konzerte haben wie die Pianisten oder 24 von Mozart, andererseits muss ich innovativ sein und muss immer neue Ideen entwerfen."

Wie das seltene Concertino eines Harfenisten, den man im 19. Jahrhundert den Paganini der Harfe nannte. So trägt er sein Instrument in die Zukunft. Der Beweis: Es gibt weltweit immer mehr Kinder, die das Instrument lernen wollen. "Die Harfenbauer kommen mit der Nachfrage fast nicht mehr nach. Und es ist auch einfacher jetzt, Harfen zu mieten, es ist demokratischer geworden."

(Beitrag: Volker Präkelt)

Stand: 09.08.2020 19:41 Uhr

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