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Die bekannteste archäologische Stätte der Welt

Pompeji und ihr neuer deutscher Direktor

PlayEs zeigt einen Blick in eine antike Imbissbude aus der Zeit des Untergangs der Stadt.
Die bekannteste archäologische Stätte der Welt  | Video verfügbar bis 22.08.2022 | Bild: picture alliance/dpa/Parco Archeologico | Luigi Spina

Erst 39 Jahre alt, dann auch noch Deutscher und er soll jetzt Pompeji leiten? Zwei Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats in Pompeji sind aus Protest nach seiner Ernennung zurückgetreten. Gabriel Zuchtriegel ist seit Anfang diesen Jahres der neue Direktor von Pompeji, dem berühmtesten Ausgrabungsgelände der Welt.

Über 2000 Jahre ist der Ausbruch des Vesuvs her. 1748 fanden hier erste archäologische Grabungen statt. Aber erst 15 Jahre später die Gewissheit: Man hat Pompeji entdeckt. Der Anfang der modernen Archäologie. Tausende Menschen starben bei dem Ausbruch. Ihre Leichen hinterließen Hohlräume im erhärteten Gestein, die man mit Gips auffüllte.

Pompeji – von Verwahrlosung geprägt

Die letzten Jahrzehnte waren vor allem durch Verwahrlosung geprägt. Raubgräber und Schlendrian beim Denkmalschutz geben dem Welterbe fast den Rest. 2013 stoppt die EU den zweiten Untergang Pompejis – mit viel Geld. Große Aufgaben für den neuen Direktor, der inzwischen auch die italienische Staatsbürgerschaft hat.

Als erstes hat er ein neues Besucherkonzept entwickelt. Der bisweilen zerstörerische Massentourismus der Vergangenheit soll schonender Anteilnahme am Wunder der Antike weichen. Das hilft ihm dabei, zu retten, was zu retten ist. Denn das Wetter macht auch der Ruinenstadt zu schaffen.

Retten, was zu retten ist

Gabriel Zuchtriegel schaut in die Kamera.
Gabriel Zuchtriegel ist der neue Direktor von Pompeji. | Bild: Screenshot/NDR

"Der Verfall an sich kann nicht gestoppt werden. Aber wir können ihn runter-verlangsamen auf eine wirklich zeitlupenartige Geschwindigkeit – dank neuer Technik. So, dass er im Grunde verschwindet," erklärt Zuchtriegel. "Wir machen das aber nicht einfach so mit dem Ziel, ganz Pompeji ans Licht zu bringen. Das wäre auch unverantwortlich. Wir müssen auch an zukünftige Generationen denken, an Techniken und Möglichkeiten, die wir uns vielleicht noch gar nicht vorstellen können."

Italien feiert schon jetzt la rinascita di Pompei, die Wiedergeburt des Mythos. Und inzwischen auch "il tedesco", den deutschen Direttore. Die Besucher, zurück nach Corona, schleppen sich bei 40 Grad über das antike Pflaster - unsere eigene Vergangenheit.

"Wir haben sehr viel geerbt von den Römern"

"Das sind ja eigentlich wir, wir haben ja sehr viel geerbt von den Römern, aber trotzdem waren die so anders. Also: Was ist alles möglich für den Menschen? Das, was heute normal erscheint, war damals vielleicht ganz undenkbar. Und andersrum: Was heute 'unnormal' ist, sei es im Moralischen, Sexuellen, Politischen war früher vielleicht ganz gewöhnlich."

In einem könnte die Zukunft aber der Vergangenheit gleichen: Der nächste Ausbruch des Vesuv, das wissen die Experten, kommt bestimmt. ttt traf Gabriel Zuchtriegel in Pompeji und sprach mit ihm über seinen neuen Job und die Herausforderungen, die dieser mit sich bringt.

(Beitrag: Andreas Lueg)

Stand: 22.08.2021 18:33 Uhr

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