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Bildmächtige Literatur: Die Illustratorin Kat Menschik

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Kat Menschik | Video verfügbar bis 02.12.2019 | Bild: Kat Menschik

Hausbesuch am Prenzlauer Berg. "Sach ma, sind wir jetzt schon dabei? Dann berliner ick jetz nich mehr so", sagt Kat Menschik. "Früher konnte ich det überhaupt gar nicht und hatte immer Angst vor Interviews, weil ich dachte, ach Mann das klingt immer so unschlau."

Bücher werden zu Kunstwerken

Willkommen in der Welt von Kat Menschik. Nobelpreisverdächtige Literatur, Krimis, Koch- und Gartenbücher: Ihre Illustrationen machen sie zu Kunstwerken. Unverwechselbar. Ihr Kafka ist morbid. Ihr Edgar Allan Poe: Pop Art. Die Schrift ist Teil der Kunst.

Mit Tilman Spreckelsen hat sie alte Sagen neu erzählt. Auf der Buchmesse in Frankfurt stellten sie dieses Jahr "Der Held im Pardelfell" vor. Das georgische Nationalepos. Menschik ist zur Recherche nach Georgien gefahren und mit unzähligen Mustern und Farben zurückgekommen.

Illustrationen zu "Babylon Berlin"

Und natürlich: "Babylon Berlin". Für Volker Kutscher soll sie das Prequel "Moabit" illustrieren. Parallel wird gerade die Fernsehserie gedreht. Menschik will nicht einfach zeichnen, was im Fernsehen passieren wird. "Ich habe beim Illustrieren die größtmögliche Freiheit, weil der Text ja in dem Buch steht. Da steht ja alles und man erliest sich dann in dem Fall das Berlin der Zwanzigerjahre und ich bin gar nicht gezwungen, das zu zeichnen."

Entstanden ist ein Buch im Format eines Zwanziger Jahre Magazins. Die Geschichte: ein Zeitungsartikel. Durchbrochen von Werbeanzeigen und kleinen Szenen. Wenn den Gefängniswärter in Moabit der Durchfall plagt, liefert Menschik die passende Medizin.

Biographisches zu Kat Menschik

Kat Menschik
Kat Menschik | Bild: Kat Menschik

"Ich bin dieses schreiende Dickerchen da", sagt sie und zeigt Babyfotos von sich. "Da habe ich meine Mutti sehr gequält, glaube ich." Kathrin Menschik wird 1968 in der DDR geboren. Der Vater ist Grafiker und Kalligraph.

Mit 18 hat sie sich ihre Wohnung einfach selber ausgesucht. "Es gab zu DDR-Zeiten eine Regelung, dass, wenn man beweisen konnte, dass eine Wohnung mehr als drei Monate leer steht, man ein Anrecht auf diese Wohnung hatte. Und dann habe ich mir schön auf meiner Kastanienallee eine wunderbare Drei-Raum-Wohnung ausgesucht und ich konnte auch immer sehr gut mit Dietrichen umgehen, habe mir die angesehen und für gut befunden und dann habe ich die besetzt." Im Prenzlauer Berg lebt sie bis heute. Nur einmal war sie zwei Jahre in Paris.

Noch am Tag ihres Hochschulabschlusses: ein Anruf von der FAZ. In den heute legendären Berliner Seiten erzählt sie drei Monate lang jeden Tag ihre Geschichte über eine Frau, die sich in Papier verwandelt. Bis heute illustriert sie das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen. Letzten Sonntag: einen Weihnachtscomic zum Selbsterzählen.

Illustrationen für Haruki Murakami

Illustration von Kat Menschik für das Buch "Die Bäckerei Überfälle" von Haruki Murakami
Illustration von Kat Menschik für das Buch "Die Bäckerei Überfälle" von Haruki Murakami | Bild: Murakami Illustrationen

"Der wesentlichste Anruf war vielleicht dann der aus dem Dumont- Verlag vor mittlerweile auch schon wieder vielen Jahren. Da fragte mich der Verleger, ob ich a) Murakami kenne und ob ich b) eine Kurzgeschichte von ihm illustrieren möchte. Und ich stand im Garten damals und habe telefoniert und habe einen Kniefall gemacht. Unter meinem Kirschbaum. Und dachte a), ja ich kenne Murakami, verehre den total, alles gelesen, und b), ja ich will das unbedingt zeichnen."

Haruki Murakami war so begeistert, dass er sie auch alle seine folgenden Erzählungen illustrieren ließ. Eines ihrer Bilder hat der japanische Meister sogar handsigniert.

Koch- und Gartenbuch von Kat Menschik

Das Gartenbuch von Kat Menschik
Das Gartenbuch von Kat Menschik | Bild: Kat Menschik

Im Februar erscheint ein Kochbuch über ihre "verzweifelten Versuche, trotz extremer Unlust am Kochen was Wohlschmeckendes hinzumurksen". Ein anderes Buch über ihren Garten in Brandenburg ist 2014 zu einem der schönsten deutschen Bücher gewählt worden. Mit viel Selbstironie erzählt sie von einer nicht abgekochten Holunderschorle, mit der sie sich und ihre Tochter vergiftete. Und jedes Jahr: Gartenfeste, mit über hundert Freunden. Man möchte unbedingt mal eingeladen werden.

Autorin: Laura Beck

Stand: 02.12.2018 20:59 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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