SENDETERMIN So, 02.12.18 | 23:05 Uhr | Das Erste

Heldin der Gleichberechtigung: Die große Juristin Ruth Bader Ginsburg

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Vorreiterin für die Gleichberechtigung | Video verfügbar bis 02.12.2019 | Bild: Koch Media

Sie ist die Erfinderin der Gleichberechtigung: Ruth Bader Ginsburg. Seit 60 Jahren kämpft sie akribisch dafür, die amerikanische Verfassung von frauenfeindlichen Gesetzen zu befreien. Sie ist Vorreiterin, Heldin, Wonder Woman. "Ich verlange keine Bevorzugung meines Geschlechts", sagt Ruth Bader Ginsburg. "Ich verlange nur, dass unsere Brüder ihre Füße von unserem Nacken nehmen."

Älteste Richterin am Supreme Court

Ruth Bader Ginsburg
Ruth Bader Ginsburg | Bild: Koch Media

Mit 85 Jahren ist sie die älteste Richterin am Supreme Court. Dafür muss man was tun: tägliches Workout. Eiserne Disziplin. Schon immer. Sie studiert Jura in Harvard. Ist in den Fünfzigern dort unter 500 Männern eine von neun Frauen. Jede Menge praktische Erfahrung in Sachen Diskriminierung. Sie erinnert sich: "Dann gab es das berühmte Dinner des Dekans für alle Frauen und er fragte: 'Was tun sie hier? Jede von ihnen nimmt einem Mann den Platz weg.'"

"Sorry, Sie sind gut, aber eine Frau"

"Es gab zahlreiche Erlebnisse, die sie veranlassten, für Gleichberechtigung zu kämpfen. Sie bekam zum Beispiel keinen Job, weil die New Yorker Kanzleien sich weigerten, Frauen einzustellen. Als Sekretärin ja, aber nicht als Anwältin", sagt die Regisseurin Julie Cohen. Und ihre Co–Regisseurin Betsy West ergänzt: "Man muss sich das echt mal vorstellen: Sie macht als eine der Besten ihren Abschluss und dann heißt es in den Kanzleien: 'Sorry, Sie sind gut, aber eine Frau. Vergessen Sie’s!'"

Ginsburg kämpft für die Gleichberechtigung vor Gericht

Ruth Bader Ginsburg
Ruth Bader Ginsburg | Bild: Koch Media

Als die Frauen in den Siebzigern für Selbstbestimmung demonstrieren, ist sie nicht auf der Straße. Sie ficht die Emanzipation vor Gericht aus. Nimmt Fälle an, die auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen, mit denen sie aber wegweisende Siege erringt. Zum Beispiel gegen die Air Force, die einem weiblichen Leutnant den Wohngeldzuschuss verweigert. "Ich sah mich als eine Art Kindergärtnerin", sagt Ruth Bader Ginsburg. "Die Richter glaubten nicht, dass es Geschlechterdiskriminierung gab. Ich wollte, dass sie darüber nachdenken, welche Welt sie für ihre Töchter und Enkelinnen wollten."

Mit sympathischen Klägern Identifikation schaffen

"Sie hatte noch eine Strategie: Sie verstand, dass sie sympathische Kläger braucht. Und das waren manchmal auch Männer", sagt die Regisseurin Betsy West. "Es gab diesen Fall eines jungen Vaters, dessen Frau bei der Geburt des Kindes gestorben war. Er beantragte staatliche Unterstützung, doch es hieß: Die gibt es nur für Witwen, nicht für Witwer. Ruth Bader Ginsburg war sich bewusst, was für eine gute Identifikationsfigur dieser Mann für die neun männlichen Richter ist."

Männer wichtig für den Feminismus

Besonders eindringlich erzählt der Film, wie unerlässlich Männer für den Feminismus sind. Ruth Ginsburgs Mann Martin gilt als einer der besten Steueranwälte New Yorks. Er gibt für sie seine Karriere auf. Weil er erkennt, dass sie die Gesellschaft verändern kann. "Meine Frau gibt mir keine Ratschläge zum Kochen und ich gebe ihr keine zur Juristerei. Das funktioniert ganz gut", sagte ihr Ehemann Martin Ginsburg bei einer Podiumsdiskussion.

"Mein Vater war sehr extrovertiert und lustig. Das war ein guter Ausgleich für Mum’s Ernst", erinnert sich ihr Sohn James Steven Ginsburg. "Wir hatten ein Buch mit dem Titel 'Mummy hat gelacht' – viel steht nicht drin", sagt die Tochter Jane Ginsburg.

Die Richter und der Präsident

Der Supreme Court: Seine Zusammensetzung ist auch immer ein Vermächtnis der Präsidenten. Ginsburg wird 1993 als zweite Frau Oberste Richterin. Bill Clinton wollte sie erst nicht. Doch dann startet ihr Mann einen unermüdlichen Wahlkampf. "Er war nicht der einzige, der sich für jemanden einsetzte", erinnert sich Bill Clinton. "Es gab starke Konkurrenz. Aber nach dem Gespräch mit ihr war die Sache klar."

Heute, in Zeiten des Roll Back unter Trump, werden plötzlich Errungenschaften in Frage gestellt, für die Frauen jahrzehntelang gekämpft haben: wie das Recht auf Abtreibung. Gerade jetzt hat Ginsburgs liberale Standhaftigkeit immense Strahlkraft. Die Midterm Wahlen vor wenigen Wochen waren vor allem ein Sieg der Frauen. Von 435 Sitzen im Repräsentantenhaus gehen erstmals über 90 an weibliche Abgeordnete.

Metoo-Bewegung hat viel ausgelöst

Ruth Bader Ginsburg
Ruth Bader Ginsburg | Bild: Koch Media

"Die metoo-Bewegung war sicher ein Auslöser dafür, dass die Frauen aufgewacht sind und erkannt haben, dass sie politische Verantwortung übernehmen müssen", so die Regisseurin Betsy West. "Ruth Bader Ginsburg ragt über das hinaus", sagt Regisseurin Julie Cohen. "Sie wurde zum Symbol dafür, dass eine sanfte Frauenstimme auch stark und mutig sein kann. Und man sich mit ihr gegen Missstände wehren kann."

Ginsburg will ihrem Land dienen

Vor kurzem hat sich Ginsburg drei Rippen gebrochen. Würde sie zurücktreten, könnte Trump, nach Brett Kavanaugh, seinen nächsten Wunschkandidaten zum Richter ernennen. Sie blieb nur einen Tag im Krankenhaus. Die 85–Jährige will ihrem Land dienen und es nach vorne bringen: zurück in die Zukunft.

 

Film–Tipp

"RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit"
USA 2018
Regie: Betsy West, Julie Cohen
Koch Media
ab 13. Dezember im Kino

Der Homepage zum Film "RGB – ein Leben für Gerechtigkeit":

Autorin: Gabriele Pfaffenberger

Stand: 02.12.2018 20:54 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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