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Tintoretto: Venedig feiert den genialen Maler

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Tintoretto | Video verfügbar bis 30.09.2019 | Bild: BR

"Der Heilige Markus rettet einen Sklaven". Mit diesem Bild wurde Tintoretto zum Star. 1548. Sein Durchbruch. Diese Farben, diese Körperlichkeit, diese Dynamik. Selbst in der Kunstmetropole Venedig hatte man so etwas bis dahin nicht gesehen. "Tintoretto war ständig voller Energie", sagt der Kurator Robert Echols. "Das Hauptmotiv in seinen Bildern ist der menschliche Körper in Aktion. Das schaffte er mit seiner starken und dynamischen Pinselführung. Allerdings manche Zeitgenossen meinten, die Bilder seien doch gar nicht fertig gemalt." Muttermilch und Sterne. Hingetupft, wie später ein van Gogh. "Der Ursprung der Milchstraße": Spritzer aus der Brust von Göttin Juno.

Ausstellungen zum 500. Geburtstag Tintorettos

Gemälde von Tintoretto
Gemälde von Tintoretto | Bild: BR

 Venedig feiert den 500. Geburtstag seines berühmten Sohnes. Jacopo Robusti, genannt Tintoretto. In 50 Häusern und Kirchen hängen Werke von ihm. Dazu jetzt zwei große Ausstellungen. Tintoretto, das "Färberlein". Sein Vater war Tuchfärber. Der kleinwüchsige Jacopo lernt Möbelmaler, bevor er als Künstler durchstartet. "Tintoretto war ein kleiner Mann", sagt Echols. "Aber er hatte eine unglaublich starke Persönlichkeit. Man nannte ihn auch das 'Pfefferkorn'. Er dachte immer 'groß'. Keine große Wand, die er nicht mit seinen Gemälden bedecken wollte. Und er tat alles, um einen solchen Auftrag zu bekommen."

"Das Paradies" - größtes Ölgemälde der Welt

 "Das Paradies" im Dogenpalast. Größtes Ölgemälde der Welt. Tintoretto holte den Auftrag. Sohn Domenico malte es fertig. Schöpfer bei der Arbeit. Der fünfte Tag: "Erschaffung der Tiere". Die Fische im Meer und die Vögel des Himmels. Schöpfergott! Und dann die Frauen. Sie malte Tintoretto mit besonderer Hingabe. Seine Schönste: "Susanna im Bade". Die biblische Geschichte, wie eine junge Frau von zwei alten Voyeuren belästigt wird.

Tintoretto war auch ein guter Geschäftsmann

Gemälde von Tintoretto
Gemälde von Tintoretto | Bild: BR

 Venedig im 16. Jahrhundert. Die Stadt ist voller Künstler. Es herrscht ständiger Konkurrenzkampf. "Venedig war ein berühmter Handelsplatz", sagt Echols. "Der 'Kaufmann von Venedig'. Den kennt man nicht umsonst bis heute. Tintoretto war ein Geschäftsmann und ein unangenehmer Wettbewerber. Er trickste seine Rivalen auch aus. Bot auch mal Dumpingpreise. Er war wahnsinnig aggressiv als Vermarkter und Geschäftsmann."

Tintoretto - das Genie

Er bekam jeden Auftrag, den er haben wollte. Auch weil er die Mächtigen sehr gut kannte. Die meisten ließen sich von ihm malen. Räte, Dogen, Patriarchen. Auch als Porträtist setzte sich Tintoretto gegen seine zwei großen Konkurrenten durch: Tizian und Veronese. Für seine "Action"-Bilder formte er erst Modelle aus Wachs. In seiner Werkstatt hing der Spruch: "Die Zeichnung von Michelangelo, die Farben von Tizian." Zwei Genies vereinten sich in Tintoretto.

 Venedig. Am 29. September vor genau 500 Jahren wurde er geboren. In der Kirche Madonna del Orto liegt er begraben. Auch einige seiner Meisterwerke sind hier zu entdecken. Der große, geniale Tintoretto. Dieses Licht. Diese Bewegung in den Bilder. Großes Kino der Spätrenaissance. Glückliches Venedig.

 AUSSTELLUNGEN

"Tintoretto" | Palazzo Ducale | Venedig, bis 6. Januar 2019

"Il Giovane Tintoretto" | Gallerie dell'Accademia, Venedig | bis 6. Januar 2019

Autor: Norbert Haberger

Stand: 18.05.2019 08:29 Uhr

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