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Funai und der Kampf für die indigenen Bevölkerungsgruppen

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Unkontaktierte Völker | Video verfügbar bis 30.09.2019 | Bild: BR

Die Einwohner im Urwald Westbrasiliens leben bis heute ohne Kontakt zur Außenwelt. Oft nur aus der Luft gelingt der Beweis, dass es sie überhaupt gibt. Eine unbekannte Kultur.  Unkontaktierte Völker. Rieli Franciscato von der Funai Rondônia Schutzgebiet Uru-Eu-Wau-Wau begibt sich auf die Spuren dieser Ureinwohner. Fündig wird er an Orten wie diesem: bei Regen ein Schlammloch. "Bei Regen suhlen sich hier die Tiere. Deshalb kommen die Ureinwohner hierher, weil sie hier die Tiere einfach jagen können."

Indigene Völker von Eindringlingen massakriert

Häufig kann der Beweis, dass es unkontaktierte Völker gibt, nur aus der Luft erbracht werden.
Häufig kann der Beweis, dass es unkontaktierte Völker gibt, nur aus der Luft erbracht werden.  | Bild: BR

Rieli untersucht für die brasilianische Indigenenbehörde ein Volk, das sich im Urwald versteckt. Seit den 80ern, seit der Stamm von den ersten Eindringlingen größtenteils massakriert wurde. "Manche indigenen Völker hatten in der Vergangenheit bereits Kontakt mit unserer Zivilisation. Doch das waren schlimme Erlebnisse. Seitdem leben sie zurückgezogen." 

Ein Video geht um die Welt. Es zeigt den einsamsten Menschen - den letzten seines Stammes. Alle anderen wurden vor mehr als zwanzig Jahren von Landräubern ermordet.

Indigenenbehörde Funai erforschen unkontaktierte Völker

Rieli Franciscato
Rieli Franciscato | Bild: BR

All das dokumentiert die brasilianische Indigenenbehörde Funai. In ihrem Observatorium im Bundesstaat Rondônia. Wie jagen die Unkontaktierten? Wie laufen ihre Zeremonien ab? "Mit diesem Stein färben sie ihre Gesichter und Körper", sagt Rieli Franciscato. "Aber sie bemalen damit auch Objekte. Wir fanden sie an Orten, wo die Indigenen Rituale abhalten."

Auf den Spuren des Stamms "Sirionó"

Reili archiviert alle Fundstücke der Sirionó. So heißt der Stamm, dem er hier auf der Spur ist. Seit acht Jahren schon. Er schätzt, dass noch gut 300 Sirionó in einem Schutzgebiet auf einer Fläche so groß wie Sachsen leben. Wie sie leben bleibt ein Mysterium. "Das ist wie ein Puzzle. Du konstruierst eine Theorie und dann entdeckst du ein neues Fundstück - eine Pfeilspitze zum Beispiel - und dann musst du alles neu denken. Das fasziniert mich."

In der Zentrale von Brasiliens Indigenenbehörde müssten eigentlich alle Informationen zusammengeführt und aufbereitet werden. Wenn nächste Woche in Brasilien gewählt wird, sind die ohnehin knappen Mittel dafür in Gefahr. In Rio de Janeiro brannte gerade erst das Nationalmuseum aus. Viele Fundstücke der indigenen Kultur waren hier aufbewahrt.

Brasiliens Wildnis ist in Gefahr

Die letzte Wildnis, der letzte unberührte Lebensraum ist bedroht. Agrarplantagen rücken näher. Gen-Soja, Mais, Baumwolle und immer mehr Rinderherden. Rieli hat erlebt, wie über die Jahre ganze Stämme von Landräubern ausgelöscht worden sind. Deshalb patrouilliert er mit einem Gewehr dort, wo Holzfäller und Goldgräber sogar die Grenzen der nationalen Schutzgebiete ignorieren. "Die Banditen fallen in die Reservate ein. Man muss nur einen Kilometer in das Schutzgebiet hineinlaufen und schon findet man Hinweise auf die Ureinwohner. Die Indigenen versuchen kaum Spuren zu hinterlassen, weil sie wissen, dass sie das verrät."

Unkontaktierte Völker: "Sie leben glücklich"

Bemalte Kürbisgefäße von unkontaktierten Völkern
Bemalte Kürbisgefäße von unkontaktierten Völkern | Bild: BR

Wenn Landräuber am Werk sind, stößt die Funai in die entlegenen Gebiete vor. Sie dürfen die Eindringlinge vertreiben. Und dokumentieren gleichzeitig die Hinterlassenschaften der Ureinwohner: Hängematten aus Naturfasern und bemalte Kürbisgefäße. "Sie leben glücklich", sagt Rieli Franciscato. "Alles, was sie benötigen, finden sie hier im Urwald. Er garantiert, dass sie alles haben, was für ihr Überleben nötig ist. Deshalb ist es mein Traum, dass dieses Reservat bestehen bleibt."

Die Schutzgebiete sind die letzte Bastion für die Ureinwohner Brasiliens. Nur sie verhindern, dass die - so genannte - zivilisierte Welt die letzten unkontaktierten Völker der Erde verschlingt.

Autor: Matthias Ebert

Stand: 18.05.2019 16:26 Uhr

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