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Losing Earth

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Losing Earth | Video verfügbar bis 31.03.2020 | Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Vorbei. Das war’s. Die Erde. Schön war sie. Aber sie zu retten: viel zu anstrengend. Der Blick in den Abgrund. Eine Zahl. Ein Grad: die Erderwärmung, heute. Zwei Grad: unsere Obergrenze, eine Illusion. Drei Grad: Dürre, quer durch Europa. Der Klimawandel. Kollektiver Selbstmord. Hätte auch anders kommen können.

"Wir hätten die Erderwärmung bei eineinhalb Grad stoppen können. Und damit die Erde, wie wir sie jetzt kennen, erhalten", sagt Nathaniel Rich, Journalist der New York Times. Er recherchierte zwei Jahre, führte hunderte Interviews. Ergebnis: Seine Reportage "Losing Earth". Wie wir die Erde fast gerettet hätten. "Es gab diesen Zeitraum von zehn Jahren, in dem wir das Problem erkannt hatten und dann kurz davor waren, es zu lösen. Und dann sind wir gescheitert. Im letzten Augenblick."

Nathaniel Rich
Nathaniel Rich | Bild: BR

Als der Treibhauseffekt publik wird

Ende der siebziger Jahre: Der Treibhauseffekt wird publik. Umweltschützer alarmieren Washington. Jimmy Carter installiert Solarmodule am Weißen Haus. "Noch im Jahr 2000 wird diese Solaranlage günstige und nachhaltige Energie liefern", sagte Carter.  

Artikelausschnitt aus dem Archiv der New York Times
Artikelausschnitt aus dem Archiv der New York Times | Bild: New York Times

Mitte der achtziger Jahre wird das Ozonloch entdeckt

Ein paar Jahre später wird das Ozonloch entdeckt. Die Vergiftung der Erdatmosphäre rächt sich. Die Öffentlichkeit rebelliert. Januar 1989: George Bush Senior wird Präsident. Eines seiner Wahlkampfthemen: Klimaschutz. "Die Öl- und Gasindustrie hatte noch nicht damit begonnen, Millionen Dollar für gezielte Desinformations-Kampagnen auszugeben", sagt Rich. "Damals war der Klimawandel unbestritten. Führende Demokraten und Republikaner wollten ihn aufhalten."

Geschichte einer verpassten Chance

Doch es soll anders kommen. Die Geschichte einer verpassten Chance. Für Nathaniel Rich ist sie eine persönliche. Er lebt in New Orleans, Louisiana. Hier steigt der Meeresspiegel täglich. Die Sümpfe vor den Toren der Stadt kollabieren. Die Brüchigkeit zwischen Mensch und Natur: Selten wird sie deutlicher als hier. Die Endlichkeit. "Es kann jeden Moment so weit sein, dass ein Hurrikan an der Küste landet und alles mitreißt, was wir kennen. Hier zu leben heißt, mit einem Trauma zu leben."

2005. Hurrikan Katrina. Fast zweihundert Menschen überleben nicht. Wo einmal Heimat war ist heute: eine Leerstelle. Eigentlich wollte man das verhindern.

Hurrikan Katrina - Evakuierung
Hurrikan Katrina - Evakuierung | Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Kein Klimavertrag im Jahr 1989

November 1989. Showdown. In den Niederlanden treffen sich Umweltminister aus 60 Nationen. Ihr Ziel: Ein globales Klima-Abkommen. Nur einer war nicht überzeugt: John Sununu. Stabschef bei Präsident Bush. Die Verhandlungen gehen in die letzte Nacht. "Bei dieser letzten Sitzung sperren sich die Politiker ein", sagt Rich. "Klimaschützer und Journalisten müssen vor der Tür warten. Die Besprechung dauert viel länger als erwartet. Je später es wird, desto größer der Frust. Als morgens noch immer verhandelt wird, trifft der schwedische Minister auf dem Gang ein paar amerikanische Umweltaktivisten und ruft: ‚Eure Regierung lässt gerade alles platzen!’ Da wird klar: Es wird keinen Vertrag geben."

Keine Einigung auf konkrete Schutzmaßnahmen

Trotz drohender Klimaveränderungen aufgrund zunehmender Luftverschmutzung einigen sich die mehr als 60 Teilnehmerstaaten nicht auf konkrete Schutzmaßnahmen. "Wie konnte ein einzelner Mann diesen Prozess zum Erliegen bringen? Für mich wirft das die Frage auf: Ist es Demokratien überhaupt möglich, langfristige Lösungen zu finden?" 

Man versucht es mit Symbolen. Ein Festungswall, vor den Toren von New Orleans. Gegen die Fluten. "So sieht sie aus, unsere Zukunft", sagt Rich. "Bald wird es nicht mehr möglich sein, Mauern zu bauen, die hoch genug sind, um uns zu schützen."

Klimawandel – Euphemismus für Untergang

Hinter der Mauer: unsere Illusion. Unangreifbarkeit. Was für eine Lüge. Wir entwickeln Mechanismen, uns von der Katastrophe zu distanzieren. Auch in unserer Sprache. "Klimawandel". Euphemismus für Untergang. Einmal hätten wir es fast geschafft. Nathaniel Richs Buch ist eine Erinnerung daran, was möglich war.

Buch-Tipp: Nathaniel Rich: "Losing Earth", Rowohlt Verlag (Erscheinungstermin: 9.4.) 

Autorin: Ronja Dittrich

Stand: 01.04.2019 09:04 Uhr

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