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Aida

Gleichnis unserer Zeit

Play"Aida", Salzburger Festspiele
Shirin Neshat inszeniert Aida | Video verfügbar bis 14.08.2023 | Bild: Salzburger Festspiele
"Aida", Salzburger Festspiele
"Aida", Salzburger Festspiele  | Bild: Salzburger Festspiele

Gesichter tauchen aus dem Dunkel auf. Portraits von Eltern, die ihre Kinder im Krieg verloren haben. Der abstrakte Krieg mit seinen Toten. Plötzlich ist er ganz nah. "Das sind Füße von Menschen, die getötet wurden", sagt Regisseurin Shirin Neshat. "Da war nur so ein kleiner Anhänger mit Informationen über die Person. Ich habe Gedichte dazu geschrieben. Die Fotografien bezeugen einen Moment der ägyptischen Geschichte und deren Tragik. Zuerst erzeugt man in jungen Menschen die Vorstellung von Patriotismus und Liebe zur Nation. Aber dann werden sie brutal ermordet oder vegetieren in Gefängnissen."

Eine Stimme für alle namenlosen Frauen

"Aida", Salzburger Festspiele
"Aida", Salzburger Festspiele  | Bild: Salzburger Festspiele

Aida. Die äthiopische Sklavin gefangen in Ägypten. Sie gibt ihre Stimme all den namenlosen Frauen, deren Welt zerstört wird. Hinter Aida erscheinen Frauen, die durch die Wüste laufen. In einer anderen Szene ist Aida aufgebahrt, in einem Sarkophag. Beweint und betrauert. Stellvertretend für all die Opfer, die ihr Leben nicht mehr leben werden. Geschickt erweitert Shirin Neshat das Geschehen auf der Bühne über Ort und Zeit hinaus. Krieg ist immer. Und Aida, immer anders tot.

TTT Extra Salzburger Festspiele, Shirin Neshat
Shirin Neshat, Regisseurin | Bild: BR

Krieg. Er schreibt keine Heldengeschichten. Er zerstört. Er schreibt Schmerz in Gesichter. "Es ist unmöglich zu feiern oder aufzutrumpfen dafür, dass man unschuldigen Menschen Schmerz zufügt", sagt Shirin Neshat. "Wir versuchen die Brutalität und das Leiden zu zeigen, das mit jeder Form von Krieg, Gewalt und Grausamkeit einhergeht. Egal ob es durch Invasoren entsteht oder durch die eigene Regierung oder Religionsführer."

Starke Bilder für starre Machtgefüge

Was kann der einzelne ausrichten in einer Welt, die ihre Geschichte als eine Kette von Grausamkeiten schreibt? Neshat findet starke Bilder für das starre Machtgefüge, in dem sich der einzelne kaum bewegen darf. Eine Welt voller Zwänge, Vorurteile  und Tabus. Das gilt für alle. Auch den Männern werden Rollen zugeschrieben. Aber besonders trifft es Frauen. Denn am Ende schaufeln sie mit bloßen Händen die Gräber für die toten Heimkehrer.
Die Liebe hat keinen Triumph in dieser Oper. Und der Tod? Am Ende sind die Liebenden vereint, freiwillig lebendig begraben. Das aber ist Shirin Neshat zu wenig. Hinter Radamès und Aida sieht man Menschen in ein Boot steigen. So öffnet sich das Grab, entrückt die Liebenden an einen utopischen Ort, jenseits der Welt, jenseits des Krieges.

Stand: 14.08.2022 17:47 Uhr

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So., 14.08.22 | 23:35 Uhr
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Produktion

Bayerischer Rundfunk
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