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Asmik Grigorian

Die derzeit aufregendste Sopranistin der Welt

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Asmik Grigorian - Die derzeit aufregendste Sopranistin der Welt | Video verfügbar bis 14.08.2023 | Bild: Salzburger Festspiele

Wenn alles verloren ist, tritt Ruhe ein. Zeit für eine letzte Zigarette. Eine Zigarette: der letzte Übersprung. "Eine Sekunde lang ist es so dann so. Das ist wie ein Vulkan", sagt die Sängerin Asmik Grigorian. "Niemand denkt logisch, wenn er mit dem Tod konfrontiert wird. Hier geht es um ein totes Kind. Da kannst du Gefühle nicht einteilen. Jede Sekunde fühlst du etwas anderes, alles ist da."

Asmik Grigorian in  "Il trittico", Salzburger Festspiele
Asmik Grigorian in "Il trittico"  | Bild: Salzburger Festspiele

Asmik Grigorian. Sie ist leise. Und wild. Eine der aufregendsten Sängerinnen weltweit. Die Salzburger Puccini Produktion "Il trittico" ist ganz auf sie zugeschnitten. Drei Einakter, drei Charaktere. "Ich spiele mich in verschiedenen Situationen", sagt sie. Keine übertriebenen Gesten. Sie ist. Stirbt die tausend Bühnentode, immer wieder neu. Sie will, dass es weh tut. Ihr und dem Publikum.

Mut zum großen Gefühl

Asmik Grigorian im Interview
Asmik Grigorian im Interview | Bild: BR

"Ich konnte mich noch nie schützen", sagt Asmik Grigorian. "Wenn ich eines Tages den Schmerz nicht mehr fühle, davon bin ich überzeugt, dann sollte ich nicht mehr auftreten. Das ist doch das, was wir Künstler tun sollen. Wir müssen es fühlen, wenn wir wollen, dass die Zuschauer es auch fühlen. Alles andere ist Lüge." Die "Salome" vor vier Jahren in Salzburg war ihr internationaler Durchbruch. Schmerzhaft phantastisch. Treffen nach einem langen Probentag. Sie ist müde, aber hundert Prozent da. Sie kann nicht anders. Sie kann keinen small talk. Sie ist entwaffnend. Litauen ist ihre Heimat. Der armenische Vater war ein sehr berühmter Opernsänger. Ihr Spielplatz war Backstage. Ihr erster Fernsehauftritt: beseelt.

Hören und Staunen

Asmik Grigorian, Salzburger Festspiele
Asmik Grigorian, Salzburger Festspiele | Bild: Salzburger Festspiele

Wer hat die berühmte Opernarie "O mio babbino caro" je mit so viel Eleganz und Schmelz gesungen? Und doch macht sie daraus keine Diven-Nummer. "Ich kämpfe mit - manche nennen das Panik-Attacken - ich nenne es die Unfähigkeit meines Körpers auf der Bühne zu sein. Ja, das ist ein großes Problem für mich. Aber ich kämpfe dann. Es geht ja nicht nur um mich, da ist ja das ganze Team, da ist mein Land, meine Eltern. Da sagt man nicht einfach, ich gehe jetzt."

Freiheit und Seele

Rachmaninoff ist einer ihrer Lieblingskomponisten. 41 ist sie jetzt und angekommen. "Nach der 'Salome' hat sich vor allem eins geändert: Ich muss nicht mehr um meine Freiheit kämpfen. Mein ganzes Leben lang habe ich gekämpft, um das zu sein, was ich bin, zu sagen, was ich denke, zu performen, wie ich möchte, zu trinken, was ich will. Was auch immer. Ich bin noch dieselbe. Der Unterschied ist, heute muss ich dafür nicht mehr kämpfen. Das ist eine Art von Macht, die meine Freiheit schützt. Und Freiheit ist substantiell für mich. Ohne Freiheit kann ich nichts erschaffen.“ Dann verabschiedet sich Asmik Grigorian. Ihr Bruder und ihr Sohn sind in der Stadt. Sie sagt: ""Ich brauche Zeit für sie." Alles ganz und gar.

Stand: 14.08.2022 17:48 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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