SENDETERMIN So., 14.08.22 | 23:35 Uhr | Das Erste

Salzburg 2022

Eine Bestandsaufnahme

PlaySalzburg 2022
Wie ist Salzburg dieses Jahr? | Video verfügbar bis 14.08.2023 | Bild: BR / BR

Dunkelheit und Abgründe, Angst und Not. Salzburg 2022 zeigt all das. Mehr als je zuvor. Was lässt sich sagen über unsere innere Welt? Die Träume, Verwundungen, Begierden. Die Bestie in uns. Mit Feuer, Wasser und viel Schwarz beginnt die erste Premiere des Sommers: "Herzog Blaubarts Burg". Kein Märchen vom bösen Frauenmörder Blaubart.

Salzburg 2022: Es wird dunkel

"Herzog Blaubarts Burg" 2022
"Herzog Blaubarts Burg" 2022 | Bild: Salzburger Festspiele

Es fallen Sätze wie: "Der Vorhang unserer Augenwimpern ist auf. Wo ist die Bühne: draußen oder innen?" Hier blickt eine Frau in ihre Abgründe. Und wir - im Dunkeln - vielleicht in unsere. "Das Theater ist eine Erfahrung", sagt Regisseur Romeo Castellucci. "Nichts, was man konsumiert. Es ist kein Produkt, keine Sache. Die Bühne ist ein dunkler Spiegel, der das reflektiert, was man nicht sagen kann. Es passiert dabei etwas im Zuschauer. Deshalb kann es manchmal auch unangenehm sein."

Die großen Fragen

"De temporum fine comoedia" 2022
"De temporum fine comoedia" 2022 | Bild: Salzburger Festspiele

Ja. Denn nach der Pause kommt Carl Orff und "Das Spiel vom Ende der Zeiten." Keiner kann sagen, Salzburg stellt sich nicht den großen Fragen. Etwa: dem Weltuntergang. Sibyllen und Eremiten skandieren, nicht zu kurz, dass da am Ende der verkommenen Welt nicht viel zu retten wäre. Wir sind im Tod. Und im eintönigen Orff-Sound. Selbstverständlich auf deutsch, lateinisch und: altgriechisch. Ein Spätwerk.Teodor Currentzis dirigiert. Aber das ist hier nicht die Nachricht. Die Nachricht ist: Teodor Currentzis, der Grieche, der seit Jahrzehnten in Russland lebt, musiziert hier in Salzburg, zusammen mit dem Chor musicAeterna. Obwohl er immer noch in Russland lebt. Die Welt ist komplizierter geworden.

Klassiker, neu interpretiert

Mozart. Gab es natürlich auch. "Die Zauberflöte", wunderbar gesungen und gespielt unter der Leitung von Joana Mallwitz. Die Inszenierung? Ein Puppenhaus voller Teddybären und Kriegsversehrter. Aber dann wieder so ein Moment: Schönheit als eine innere Erfahrung. "Káťa Kabanová". Eine junge Frau taucht auf, hinter ihr eine abgewandte Menschenmauer,  die nichts ist als Begrenzung. Gefängnis. Wie leben in einer Gruppe, die nichts an dir mag oder wirklich versteht.

Eine Mauer aus Menschen

Corinne Winters im Interview
Corinne Winters  | Bild: BR

"Die Idee unserer Katja ist, dass sie sich in einer repressiven Gesellschaft bewegt, aus der sie nicht entkommt", sagt die Sopranistin Corinne Winters. "Die Menschenmauer ist real und metaphorisch. Und dazu die Wände der Felsenreitschule, diese kalte gigantische Steinmauer. Das alles macht Katja sehr klein und verwundbar."
Jeder Mensch will frei atmen, ein Einzigartiges sein. Es ist nicht alles aufgegangen in diesem Sommer, doch immerhin: wesentliche Fragen werden gestellt: Wer bin ich? Katja, der Mensch? Oder die Mauer, an der sie zerbricht?

Stand: 14.08.2022 19:29 Uhr

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So., 14.08.22 | 23:35 Uhr
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Produktion

Bayerischer Rundfunk
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