SENDETERMIN So., 14.08.22 | 23:35 Uhr | Das Erste

Reigen

Arthur Schnitzlers Klassiker

PlayArthur Schnitzlers "Reigen" bei den Salzburger Festspielen
Reigen: Neufassung bei den Salzburger Festspielen | Video verfügbar bis 14.08.2023 | Bild: Salzburger Festspiele
Yana Ross im Interview
Yana Ross im | Bild: BR

Der "Reigen", damals bei Schnitzler hat es noch zum Skandal gereicht. Das Spiel aus  Begehren, Macht und Sex, über alle Standesgrenzen hinweg. Dazu noch das Entlarven der bürgerlichen Doppelmoral. Gut 100 Jahre später in Salzburg: Kein Skandal weit und breit. Die Leidenschaft verkrampft, die Menschen gereizt, viel Wut und Aggression. Sex gibt es keinen mehr. Der Reigen wurde aufgelöst. "Schnitzler war ein Prophet, ein Visionär", sagt die Regisseurin Yana Ross. "Aber natürlich haben die letzten hundert Jahre die Gesellschaft verändert. Mein Ansatz war es darum, nicht wie in der ursprüngliche Version mit den Figuren einen Reigen zu spielen, sondern mit zeitgenössischen Schriftstellern."

Neue Tabus

Sharon Dodua Otoo im Interview
Sharon Dodua Otoo  | Bild: BR

Zehn Autorinnen und Autoren haben je einen der ursprünglichen Dialoge überschrieben. Herausgekommen ist eine Art Nummern-Revue. Alles spielt im einem Restaurant. Das war es dann aber mit der Reduktion. Ansonsten jede Menge große Diskurse: #MeToo, Homophobie, toxische Beziehungen, regretting motherhood. "Ich habe über dieses Thema nachgedacht: über Tabuisierung. Damals ging es um sexuelle Tabubrüche bei Schnitzler", sagt die Autorin Sharon Dodua Otoo. "Ich habe versucht das ins Hier und Jetzt zu übertragen. Ich habe über die Themen nachgedacht, die ich selber als Tabu empfinde. Ich selbst bin Mutter und ich weiß, dass es schwierig ist, wenn Mütter darüber erzählen, dass sie es bereuen Kinder bekommen zu haben."

Arthur Schnitzler in Zeiten von Social Media

Arthur Schnitzlers "Reigen" bei den Salzburger Festspielen
Arthur Schnitzlers "Reigen" bei den Salzburger Festspielen  | Bild: Salzburger Festspiele

Die Welt ist in Aufruhr, natürlich nicht mehr nur heteronormativ und zuweilen ziemlich überspannt. Die Gesellschaft ist zwar übersexualisiert, doch zu wirklichem einvernehmlichen Sex kommt es kaum mehr. "Ich glaube, das Problem unserer Zeit ist die Angst vor Intimität", sagt die Regisseurin Yana Ross. "Nicht die Intimität selbst, sondern die Angst davor etwas Besseres zu verpassen. Auch die Furcht davor, selbst nicht zu genügen, der Druck, sich immer optimal präsentieren zu müssen: das ist gefährlich und traurig. Wir sind in dieser ständigen Unsicherheit gefangen."

Verstörend und unterhaltsam

Arthur Schnitzlers "Reigen" bei den Salzburger Festspielen
Arthur Schnitzlers "Reigen" bei den Salzburger Festspielen  | Bild: Salzburger Festspiele

Einer der besten Momente des Abends, der leiseste, auf den ersten Blick banalste. Doch gerade deswegen gibt es hier Raum für Nuancen, Ambivalenzen, Melancholie. Ein Paar feiert den ersten Hochzeitstag, das Verhandeln einer lauwarmen Ehe. "Was bleiben wird, ist ein Kaleidoskop von Themen, die im Jahr 2021/2022 die Menschen beschäftigt haben", sagt Autor Leif Randt. "Kann hundert Jahre später völlig absurd wirken, kann aber auch sein, dass das Großteils auch noch genauso aktuell ist."
Die Neuauflage des Reigens ist manchmal verstörend, zuweilen auch unterhaltsam. Insgesamt leider etwas zu überambitioniert. Ein Abend, der nur von aktuellen Diskursen her gedacht wird, bleibt im Abgang etwas schal.

Stand: 14.08.2022 17:53 Uhr

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Produktion

Bayerischer Rundfunk
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