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Discountkrankenhaus in Indien

PlayEingang Krankenhaus Narayana in Bangalore
Discountkrankenhaus in Indien | Video verfügbar bis 15.09.2023 | Bild: WDR

In Indien leben 1,3 Milliarden Menschen – zwei Drittel von ihnen unterhalb der Armutsgrenze. Teure Operationen sind für sie unbezahlbar. Zwar gibt es eine indische Basiskrankenversicherung, doch die würde nur einen geringen Teil der Kosten übernehmen. Dabei würden zwei Millionen Inder jedes Jahr eine Herzoperation benötigen, doch nur 150.000 werden durchgeführt.

Rettung durch Dr. Shetty

OP-Saal
Pro Tag werden bei Narayana 34 Menschen am offenen Herzen operiert. | Bild: WDR

Der Herzchirurg Dr. Devi Shetty hat es sich zum Ziel gesetzt, die Gesundheitsversorgung so billig zu machen, dass sie von der Basiskrankenversicherung übernommen werden kann. Er gründete im Jahr 2000 das erste Narayana-Herz-Hospital in der indischen Stadt Bangalore. Heute ist Narayana eine Krankenhauskette mit 25 Kliniken in denen alle denkbaren schweren Erkrankungen zu äußerst günstigen Preisen behandelt werden. 

Kostensenkung durch Masse

Frau hilft Mann ins Bett
Angehörige übernehmen die Pflege. | Bild: WDR

Die Kostensenkung wurde durch eine ganze Reihe von Maßnahmen erreicht. Zum einen setzt Narayana auf Masse. In den OP-Sälen wird sechs Tage pro Woche von morgens um sieben bis abends um zehn gearbeitet. So wird die teure Technik optimal genutzt. Weil Narayana mit seinen 5.600 Betten und jährlich zwei Millionen Patienten ein wichtiger Kunde ist, räumen die Hersteller von Medikamenten und medizinischem Verbrauchsmaterial der Kette großzügige Rabatte ein, was ebenfalls die Kosten senkt.

Pflege durch Angehörige

Tablet-Bildschirm
Das Sammeln von Daten hilft bei der Kostensenkung. | Bild: WDR

Zu jedem Krankenbett gehört eine Pritsche für einen Angehörigen, der sich auf der Station um den Patienten kümmert. Das spart Stationsschwestern. Die Angehörigen werden extra dafür geschult. Sie lernen Hygienevorschriften, Pulsmessen, wie man die OP-Wunden versorgt und Warnsignale erkennt. Dadurch können die Patienten auch zügig entlassen und zuhause weiter gepflegt werden.

Eine Herz-OP kostet 1:000 Euro

Eingang Krankenhaus Narayana in Bangalore
Narayana-Krankenhaus in Bangalore | Bild: WDR

Das wichtigste Instrument beim Kostensparen ist der Computer. Jeder Mitarbeiter des Krankenhauses kann die Krankengeschichte, Medikation und andere Daten der Patienten abrufen. Das spart Zeit und doppelte Untersuchungen. Auch die Ärzte sind bei Narayana gläsern. Jeder Handgriff wird erfasst und täglich analysiert: So wird analysiert, wer besonders effizient und kostensparend arbeitet. Durch all diese Maßnahmen konnten die Behandlungskosten enorm gesenkt werden. Eine Operation am offenen Herzen kostet beispielsweise bei Narayana nur rund 1.000 Euro gegenüber 3.500 Euro an anderen indischen Krankenhäusern und 30.000 Euro in Deutschland.

Autorin: Katharina Nickoleit (WDR)

Stand: 28.08.2019 04:13 Uhr