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Die Geschichte der Apotheken

PlayDie Kräuterkammer der Einhornapotheke, Weißenburg
Die Geschichte der Apotheken | Video verfügbar bis 27.10.2023 | Bild: WDR

Alleine in Deutschland gibt es über 50.000 Apotheker. Für viele sind sie eine wertvolle Anlaufstelle, um sich Rat über Medikamente, Therapien und Krankheiten zu einzuholen. Viele kennen ihren Apotheker persönlich und vertrauen ihm ihre Leiden an. Dennoch sind Apotheker im Laufe der Geschichte auch immer wieder in die Kritik geraten. Die Rede von den "Apothekerpreisen", also der Vorwurf, es ginge den Pharmazeuten mehr ums Geschäft als um die Gesundheit ihrer Kunden, ist ein tief verankertes Vorurteil. Aber was ist da eigentlich dran?

Die Erfindung der Apotheke

Die Pharmazie ist ein kompliziertes Fach – und das Apothekenwesen ein stolzer Berufsstand mit einer jahrhundertealten Tradition. Hersteller von Arzneimitteln gibt es bereits seit den ersten Hochkulturen. Aber die ersten Apotheker, so wie man sie heute kennt, traten erstmals vor ungefähr 800 Jahre auf. Um 1240 erließ Kaiser Friedrich II die sogenannte Medizinalverordnung, eine tiefgreifende Reformation des damaligen Gesundheitswesens. Ein wichtiger Teil des Dekrets: Die scharfe Trennung zwischen Arzt und Apotheker. Ein und derselben Person war es von nun an verboten, beide Berufe auszuüben. Denn Quacksalber hatten immer wieder falsche oder wirkungslose Arzneien verkauft. Die Medizinalverordnung sollte Ordnung in die Gesundheitsversorgung bringen, indem der Staat beide Berufsgruppen von nun an kontrollierte. Zunächst galt das Gesetz nur in Süditalien, wo Kaiser Friedrich herrschte. Bald übernahmen es aber Fürsten und freie Städte in ganz Europa – die Geburtsstunde des Apothekerstandes. 

Kräuterkammern und Labore – das Reich des Apothekers

Die Kräuterkammer der Einhornapotheke, Weißenburg
Bis weit ins 20. Jahrhundert stellten Apotheker eine große Vielfalt an Medikamenten selbst her. | Bild: WDR

In Trier wurde bereits 1241 die erste Stadt-Apotheke urkundlich erwähnt, in Köln, Würzburg, Konstanz, Hamburg und vielen weiteren Städten entstanden schnell weitere. Unter den Augen der örtlichen Ärzte und Stadtoberen stellen die Apotheker eine Vielzahl von Arzneien in ihren Laboren her. Nicht immer war der Job ganz ungefährlich: Bei der Herstellung von Laudanum waren Apotheker in Dauerkontakt mit Opium und ein häufig als Aphrodisiakum verwendetes Pulver aus Kantharidenkäfern griff die Atmung und die Harnwege an. Eine Apotheke eröffnen durfte, wer sein Handwerk bei einem Meister gelernt hatte. Im Gegensatz zu heute,  gab es damals aber keine Niederlassungsfreiheit: Die Städte erlaubten nur einer begrenzten Anzahl an Pharmazeuten, ihren eigenen Laden zu eröffnen. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Jahr 1958 gilt in diesem Punkt das Prinzip des freien Marktes. 

Das Trauma der Industrialisierung 

Frauen verpacken Medikamente
Als Maschinen die Herstellung von Medikamenten übernahmen, brach den Apothekern ein wichtiges Geschäftsfeld weg. | Bild: WDR

Anfang des 19. Jahrhunderts begann dann die Industrialisierung, die bald in Windeseile auch das pharmazeutische Gewerbe revolutionierte. Noch als Apotheker-Gehilfe gelang es Friedrich Sertürner im Jahr 1805, Morphin aus der Droge Opium zu isolieren. Schon ein paar Jahre später kam der neue Wirkstoff als Schmerzmittel in Deutschland und Frankreich auf den Markt. Ähnlich lief es bei der Chemikalie Salicin, die der Apotheker Johann Buchner 1828 erstmals aus Weidenrinde extrahierte und die bald unter dem Namen "Aspirin" riesige Gewinne abwerfen sollte. Die Entdeckung solcher und vieler anderer Wirkstoffe sollte den Apothekerberuf grundlegend verändern. Von nun an ließen sich Medikamente und Arzneien schnell, billig und in meist besserer Qualität im großen Stil in Fabriken herstellen. Findige Apotheker, wie zum Beispiel Heinrich Merck, begriffen das schnell: Bereits 1865 produzierte er mit Unterstützung einer Dampfmaschine rund 1.000 Arzneimittel. Apotheker, die noch selbst Medikamente herstellen, wurden von da an immer seltener.

Beratung – die Kernaufgabe des Apothekers von heute

Apothekerin Katrin Binkert
Beratung ist ein wesentlicher Teil der Aufgabe eines Apothekers. | Bild: WDR

Heute haben Apotheker vor allem noch eine Funktion: die Beratung. Weil der Verkaufsraum manch einer Apotheke kaum mehr von einer Drogerie zu unterscheiden ist, geraten die Pharmazeuten in den letzten Jahren jedoch in die Kritik: Ist es wirklich der Job des Apothekers, Kosmetika, Fruchtsäfte oder zweifelhafte Nahrungsergänzungsmittel zu verkaufen? Laut Apothekerverband machen niedergelassene Apotheker im Schnitt allerdings nur zehn Prozent ihres Umsatzes mit solchen Produkten – der Rest entfällt auf den Verkauf von rezeptpflichtigen und apothekenpflichtigen Arzneien. Zumindest scheinen Apotheker also nicht allzu viel Kasse durch das "Ergänzungssortiment" zu machen, wie es im Fachjargon heißt.  

Autor: Max Lebsanft (WDR)

Stand: 27.10.2018 16:10 Uhr

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