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Geschlechterklischees in unseren Köpfen verankert

PlayGeschlechterklischees: Pink stinks
Pink stinks – Geschlechterklischees | Video verfügbar bis 21.04.2023 | Bild: BR

Studien zeigen: Tradierte Geschlechterrollen und alte Geschlechterklischees sind fest in unseren Köpfen verankert. Bei der Frage, wie wir uns eine typische Frau oder einen typischen Mann vorstellen, hat sich in den letzten Jahrzehnten kaum was verändert. Auch heute noch werden Frauen Eigenschaften wie sanftmütig, verständnisvoll und umsorgend zugeschrieben. Männer gelten als aktiv, miteinander konkurrierend und stark gelten. Werbung und Gendermarketing nutzen und festigen diese Stereotypen.

Es ist eine uralte Diskussion: Sind Mädchen anders als Jungen? Und Frauen anders als Männer? Schließlich beobachten auch gender-sensibilisierte Eltern, dass ihre Tochter ihr rosa Prinzessinnenkostüm liebt, während der Sohn als Pirat oder Ritter verkleidet in den Kindergarten geht. Und natürlich niemals ein rosa Kleidchen anziehen würde!

Gendermarketing fördert Klischees

Schon Vorschulkindern ist bewusst, dass es eine Mädchen- und eine Jungenwelt gibt. Und dass es Spielzeug für Mädchen und für Jungen gibt. Das war schon immer so, wenn man an Puppen und Autos denkt. Doch die Trennung in "nur für Mädchen" und "nur für Jungen" ist von der Spielwarenindustrie durch die Farbe rosa verschärft worden – Gendermarketing nennt sich diese Strategie, die Forscher kritisch sehen.

Dr. Stevie Schmiedel von der Hamburger Initiative "Pinkstinks" kritisiert, dass dabei alte Geschlechterklischees unreflektiert weitergegeben werden. Und das in einer Zeit, in der Geschlechterrollen aufgebrochen werden und Väter ebenso selbstverständlich ihren Anteil im Haushalt und bei der Betreuung ihrer Kinder leisten sollen.

Abwertung von Mädchen

Dr. Stevie Schmiedel
Dr. Stevie Schmiedel von der Hamburger Initiative "Pinkstinks" kritisiert, dass alte Geschlechterklischees unreflektiert weitergegeben werden. | Bild: Yvonne Schmedemann

Problematisch am Gendermarketing ist die Botschaft, die transportiert wird. Mädchen sollen lieb, brav und leise sein. Jungen dürfen laut und wild sein und müssen Stärke zeigen. Dazu kommt die Abwertung von Mädchen. "Jungs hören ganz, ganz schnell, dass ist ja rosa, bist du ein Mädchen oder was? Ein Mädchen hört nie, bist du ein Junge oder was? Aber Jungs hören das, das ist wahrscheinlich das meist genannte Schimpfwort, du Pussy, du Mädchen. Das ist so eine Erniedrigung für Jungs, was natürlich auch ein Mädchen erniedrigt", sagt Schmiedel.

Abgelöst wird die rosa Spielwarenwelt von Sendung wie "Germanys Next Top Model". Hier wird vorgebeben, was als schön, erstrebenswert und erfolgreich gilt. Untersuchungen haben gezeigt: Als die Sendung 2006 startete, fühlten sich noch 70 Prozent der Mädchen schön, 2012 waren es nur noch 47 Prozent.

Not Heidis Girls
Not Heidis Girls | Bild: Pinkstinks / Markus Abele

Seit Jahren beobachtet Pinkstinks "Germanys Next Top Model" (GNTM) und produziert Anfang des Jahres den GNTM-Anti-Spot "Not Heidis Girl". Die Botschaft: Schluss mit Beautystress und Bodyshaming. Das Video ist im Netz sehr erfolgreich. Die Schauspielerin Lara-Maria Wichels führte für den Spot Regie und bekam nicht nur positive Kommentare: "Ich habe auch selber einen Kommentar bekommen von einem Mann: Hey, du bist doch so ein süßes Püppchen, wieso sagst du deine Meinung? Es reicht doch, dass du schön aussiehst!"

Sexistische Werbung hat wieder zugenommen

Werbung mit einer Frau von hinten auf einem Lieferwagen
Sexistische Werbung findet sich besonders häufig auf Kleinlastwagen mittelständischer Unternehmen. | Bild: BR

Wie sehr Frauen immer noch abgewertet werden, zeigt auch die Werbung. Sexistische Werbung hat wieder zugenommen und findet sich besonders häufig auf Kleinlastwagen mittelständischer Unternehmen. "Eine Studie aus den USA hat gerade gezeigt, dass, je nackter die Frau in der Werbung oder in den Medien, desto weniger Empathie hat man ihr gegenüber, desto mehr wird sie als Gebrauchsgegenstand gesehen. Und das ist das Gefährliche daran", erklärt Dr. Stevie Schmiedel.

Seit gut 40 Jahren versuchen wir, alte Geschlechterklischees aufzubrechen. Einiges haben wir bereits erreicht: Offenheit gegenüber transidenten Menschen und die #MeToo-Debatte sind positive Beispiele. Doch bis wir alte Geschlechterklischees tatsächlich überwunden haben, wird es wohl noch eine Weile dauern.

Autorin: Christiane Streckfuß (BR)

Stand: 20.04.2018 10:19 Uhr

Sendetermin

Sa, 21.04.18 | 16:00 Uhr
Das Erste

Produktion

Bayerischer Rundfunk
für
DasErste