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LED-Leuchten: "Retro-Kniff" schützt Augen

PlayPerson vor einer LED-Wand
LED-Leuchten: "Retro-Kniff" schützt Augen | Video verfügbar bis 10.02.2023 | Bild: NDR

Mehrere aktuelle Studien legen nahe, dass das Licht von LEDs den Augen auf Dauer Schaden zufügen kann. Doch neueste LED-Lampen vermeiden diese Gefahr mit einem besonderen Retro-Kniff.

Anteil an blauem Licht zu hoch

Grafik auf einem Computerbildschirm
Die Grafik zeigt: Der Anteil an blauem Licht ist zu hoch. | Bild: NDR

Um weißes Licht zu erzeugen, mischen LED-Lampen mehrheitlich gelbes Licht mit einem vergleichsweise hohen Anteil an blauem Licht im Bereich zwischen 400 und 500 nm des Farbspektrums. Das blaue Licht kann die Hornhaut ungehindert passieren und in der Netzhaut Entzündungsprozesse auslösen, genauer gesagt in der Makula. In diesem Bereich der Netzhaut sitzen die farbempfindlichen Sinneszellen am dichtesten beieinander. Zugleich ist hier der Kernpunkt des scharfen Sehens. Das blaue Licht der LED kann die Sinneszellen in diesem Bereich offenbar langfristig schädigen.

Orangene Tönung filtert blaues Licht

Angeschaltete Lampe
Eine orangefarbene Tönung filtert das schädliche blaue Licht heraus, lässt das Licht aber auch gelblicher scheinen. | Bild: NDR

Die Lichtintensität von LED-Lampen im Haushalt regelt eine EU-Norm. Doch auch in zulässiger Intensität dürfte gerade das kalt-weiße Licht herkömmlicher LEDs den Augen langfristig schaden. Denn es ist gerade der hohe Blauanteil, der ihr Licht so grell, kalt und irgendwie ungemütlich wirken lässt. Warm-weißes Licht aus LED-Lampen gilt als etwas weniger gefährlich, weil ein besonderer Überzug auf der Diode den Blauanteil zum Teil heraus filtert. Inzwischen sind aber auch LED-Lampen auf dem Markt, die einen gelb-orange eingefärbten Glaskörper besitzen. Diese Tönung filtert den blauen Anteil im Licht fast komplett heraus, dadurch wird die Gefahr für die Augen minimiert.

Die Hersteller verkaufen diese LED als "Retro", "Vintage" oder "Kaminfeuer" und ahmen damit das Design und auch das Leuchtverhalten der Glühlampe nach. Das soll Kunden ansprechen, die sich Look und Licht so wie früher bei der Glühlampe wünschen. Einen besonderen Hinweis auf das verminderte Risiko für die Augen geben die Hersteller allerdings nicht.

Augen vor LED-Licht aus Monitoren und Displays schützen

Blaues Licht trifft auf das menschliche Auge (Grafik)
Das blaue Licht kann die Hornhaut ungehindert passieren und in der Netzhaut Entzündungsprozesse auslösen. | Bild: NDR

Auch die Displays von Smartphones, Fernsehern oder Computern geben nach Ansicht von Medizinern zu viel blaues Licht ab. Wer dieses Risiko senken möchte, kann das Licht seines Computermonitors oder Smartphones in den eher gelblichen Bereich umstellen ("Night Shift"-Funktion). Das ist nach Messungen an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) deutlich effektiver als der Einsatz von parallel gemessenen Filterfolien. Beim (Farb-)Fernsehen wäre so ein "vergilbtes" Bild natürlich eher störend. Doch auch hier lässt sich der Anteil des blauen Lichts senken, der die empfindlichen Sinneszellen erreicht. Denn der hängt auch stark vom Öffnungsgrad der Pupille ab. Es ist daher ratsam, nicht in dunkler Umgebung fernzusehen. Man sollte lieber noch eine andere Lichtquelle im Raum einschalten, damit die Pupille sich etwas verengt.

Untersuchungen an Ratten

Hintergrund dieser Erkenntnisse ist eine Studie des französischen Instituts für Gesundheit und Medizinforschung (publiziert in der Fachzeitschrift Neuroscience, Ausgabe 339 von 2016). Sie hat gezeigt, dass der hohe Anteil blauen Lichts die altersbedingte Makuladegeneration fördern kann – eine nicht heilbare Augenerkrankung.

Um die Wirkungen verschiedener Lichtarten zu vergleichen, haben die Wissenschaftler Experimente an Ratten durchgeführt. Eine Gruppe wurde Licht aus LED-Lampen ausgesetzt, eine Gruppe Licht aus herkömmlichen Glühlampen und eine Gruppe Licht aus Leuchtröhren:

  • Bei einer hohen Lichtintensität von 6.000 Lux führten alle Lichtquellen zu Entzündungsprozessen, die das Absterben der Sehzellen förderten.
  •  Bei einer geringeren Lichtintensität von 500 Lux, wie sie in vielen Innenräumen herrscht, beeinträchtigte nur das Licht der LED-Lampen die Netzhaut der Ratten.

Bislang wurden die Effekte experimentell im Tierversuch nachgewiesen. Klinische Langzeituntersuchungen am Menschen fehlen noch. Aber die Wahrscheinlichkeit eines schädlichen Einfluss des blauen Lichts auch auf die menschlichen Sinneszellen ist hoch genug, um vorbeugende Maßnahmen sinnvoll erscheinen zu lassen.

Autor: Niels Walker (NDR)

Stand: 09.02.2018 08:55 Uhr