SENDETERMIN Sa, 13.04.19 | 16:00 Uhr | Das Erste

Computerspielsucht – Mit Therapie zurück ins echte Leben

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Computerspielsucht – Mit Therapie zurück ins echte Leben | Video verfügbar bis 13.04.2024 | Bild: WDR

Was bedeutet es, süchtig nach Onlinespielen zu sein? Wie wirkt sich das auf das tägliche Leben aus, und wie kommt man aus der Sucht wieder raus? Auf der Suche nach Antworten fragen wir im LWL-Klinikum Gütersloh nach, wo junge Menschen mit so einer Verhaltenssucht stationär therapiert werden.

Einer der ehemaligen Gamer in der Therapiegruppe erzählt uns seine Geschichte, will aber unerkannt bleiben. Er ist 22 Jahre alt und war etwa drei Jahren lang computerspielsüchtig. Sein Suchtverhalten hatte sich immer mehr gesteigert, am Ende spielte er an die 20 Stunden ohne Unterbrechung. Von der realen Welt oder seinen Eltern, bei denen er wohnte, bekam er fast nichts mehr mit. Kurze Gespräche mit ihnen waren am Ende sein einziger sozialer Kontakt, erzählt er. In der Klinik lernt er deshalb erst mal wieder den Tag zu strukturieren, soziale Kontakte zu haben und Zukunftsperspektiven zu entwickeln.

Bin ich Onlinegame-süchtig?

Woran erkennt man eine Onlinespiele-Sucht? Wissenschaftler machen das an drei Kriterien fest, die über ein Jahr gelten müssen:

  • Wenn Menschen über ihre Mediennutzung die Kontrolle verlieren. Das heißt: Sie spielen unbeirrt weiter, auch in völlig unangemessenen Situationen.
  • Wenn Menschen alles andere vernachlässigen, auch Beziehungen zu Freunden oder zur Familie.
  • Wenn sie negative Konsequenzen ignorieren, zum Beispiel, dass sie ihren Job oder ihren Ehepartner verlieren könnten.

Nicht jedes intensive Computerspielen ist ein Hinweis auf ein Problemverhalten, bei dem interveniert werden muss. Entscheiden können das am besten spezialisierte Therapeuten. Im LWL-Klinikum Gütersloh werden Patienten erst ab 18 Jahren aufgenommen. Sie waren vorher bei ambulanten Suchtberatungsstellen oder niedergelassenen Ärzten in Beratung.

Therapie gegen Computerspielsucht

Patienten in der Kunsttherapie
Das pathologische Mediennutzungsverhalten soll durch positive Erlebnisse und Aktivitäten ersetzt werden. | Bild: WDR

Die meisten Betroffenen waren zuvor sozial isoliert – das Leben in der stationären Gruppe ist Teil der Therapie. Viele müssen sich anfangs an geregelte Tagesstrukturen und Essenszeiten gewöhnen. In Einzelgesprächen mit ihrem Therapeuten wird erarbeitet, was die Auslöser für ihr Verhalten waren und welche Möglichkeiten sie sehen, das zu ändern.

Bei den Computerspielsüchtigen schaut man auch darauf, was sie in der realen Welt als kränkend und in der virtuellen Welt als positiv empfunden haben. Außerdem gibt es erlebnispädagogische Angebote wie Gruppensportarten, Kochtraining oder therapeutisches Bogenschießen. Das stärkt die physische Leistungsfähigkeit und soziale Kompetenz. Ein weiterer Baustein ist das arbeitstherapeutische Angebot, damit die im Schnitt 20-30-jährigen Patienten in einen Job finden.

Die stationäre Behandlung dauert zwischen 8 und 26 Wochen. Die völlige Abstinenz – wie es bei stoffgebundenen Abhängigkeitserkrankungen wie Alkohol oder Drogen der Fall ist – bezieht sich in der Regel nur auf die Spiele, nach denen die Gamer süchtig waren. Die Patienten lernen, Medien zweckgebunden und in einem festen Zeitrahmen zu nutzen und den Konsum selbstständig zu kontrollieren.

Autorin: Pia Huneke (WDR)

Stand: 15.04.2019 12:05 Uhr