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Wandel der Bestattungskultur

PlayEin Mann streut Asche aus
Wandel der Bestattungskultur  | Video verfügbar bis 24.11.2023 | Bild: SWR

In Dachsenhausen bei Koblenz steht Deutschlands größtes Krematorium. Das Rhein-Taunus-Krematorium äschert mittlerweile 30.000 Menschen im Jahr ein. Dafür haben die Betreiber vor Kurzem erst die sechste Einäscherungsanlage in Betreib genommen – alles modernste Technik. Und genau das wollen die Betreiber zeigen – mit Werbe- und Infotouren für Interessierte. Nach der Infotour kommt dann der gemütliche Teil mit Kaffee und Kuchen im nächsten Café – auch auf Kosten des Krematoriums.

Feuerbestattung boomt

Rasengrabfeld
Schmucklos: ein Rasengrabfeld. Es zählt zu den pflegefreien Grabarten. Das Mähen der Wiese wird vom Friedhof übernommen. | Bild: SWR

Die Betreiber des Krematoriums verstehen sich als Dienstleister für Bestatter aber eben auch die Einzelperson. Sie bieten das Rundum-Sorglos-Paket, von einfacher Einäscherung bis zu all inklusive mit Grabplatz. Dafür haben sie extra eine Friedhofsgesellschaft gegründet. Denn die Feuerbestattung mit der Urnenbeisetzung boomt, in einer Branche, die jährlich etwa 15 Milliarden Euro umsetzt. Eine Umfrage zeigt: Etwa 71 Prozent wünschen sich eine Einäscherung. Denn Urnengräber sind oft günstiger und viele Grab-Angebote sind sogar pflegefrei: Und genau so ein pflegefreies Grab wünschen sich etwa ein Drittel der Befragten. Das kann zum Beispiel ein Rasengrab sein oder ein Platz in der Urnenwand, auch Gräber in einem Bestattungswald zählen dazu. Und wenn es in Deutschland erlaubt wäre, würde jeder Zwanzigste die Urne mit nach Hause nehmen.

Bremen erlaubt das Verstreuen der Asche

Ein Mann streut Asche aus
In der Schweiz ohne große Probleme möglich: das Ausstreuen der Asche. | Bild: SWR

Allerdings ist so eine Abkehr Friedhof in Deutschland kaum möglich. Generell gilt hier Friedhofszwang, das heißt, Verstorbene müssen auf einem Friedhof beigesetzt werden. Dieses Gesetz haben mittlerweile einige Bundesländer gelockert: Vor allem Bremen ist Vorreiter. Hier dürfen Angehörige die Asche auf privaten Grundstücken verstreuen – quasi im eigenen Garten. Die wichtigsten Voraussetzungen dafür: Die seit 2015 in Kraft getretene Novelle gilt nur für Bremer Bürger. Der Wunsch, im eigenen Garten bestattet zu werden, muss schon zu Lebzeiten schriftlich festgelegt und einen Ort dafür bestimmt worden sein. Der entsprechende Grundstücksbesitzer muss dem Verstreuen der Asche zustimmen und Nachbarn dürfen nicht beeinträchtigt werden.Aber auch das ist neu in Bremen: Hier dürfen Angehörige die Urne mit nach Hause nehmen, allerdings nur für zwei Jahre, danach muss der Verstorbene beigesetzt werden. Und das kann dann einfach auf die Wiese sein.

Seit es immer mehr Friedwälder gibt, gibt es die Frage: Wie giftig ist die menschliche Asche für den Boden? Zwar enthalten menschliche Aschen Schwermetalle, aber für das Verstreuen einer menschlichen Asche kann Entwarnung gegeben werden. Denn im Boden landet im Vergleich nur wenig. Die Mengen schätzt das Umweltbundesamt nach aktuellen Kenntnissen als nicht besorgniserregend ein.

Neben Bremen hat auch das Bundesand Nordrhein-Westfalen den Friedhofszwang etwas gelockert: Hier dürfen Angehörige theoretisch auch die Asche auf privaten Grundstücken bestatten. Aber es gibt eine erschwerende Vorrausetzung dafür: Die Angehörigen sind verpflichtet, den Ort öffentlich zugänglich zu machen – also wird dann der eigene Garten zu einer Art Mini-Friedhof, den jeder besuchen kann.

Viele deutsche Bestatter arbeiten mit ausländischen Anbietern zusammen

Aus einem Heißluftballon wird Asche gestreut
Feuer, Erde Wasser, Luft: Neben eine Seebestattung ist auch eine Luftbestattung aus einem Heißluftballon heraus möglich. | Bild: SWR

Alle anderen, die eine Naturbestattung wünschen, müssen ins Ausland ausweichen – zum Beispiel in die Schweiz: Die Asche verstreuen im Bach oder auf der Wiese oder einfach im Wald ist hier kein Problem. Deshalb arbeiten viele deutsche Bestatter mit ausländischen Anbietern zusammen. Und so wird auch eine Bestattung aus dem Heißluftballon heraus möglich. Über Frankreich kann die Asche hoch im Himmel verstreut werden. Und für die Extravaganten ist in den USA auch eine Weltraumbestattung möglich. Preis ab 10.000 Euro. Dann fliegt ein kleiner Teil der Asche mit der Rakete in den Orbit. Aber es dauert nicht lange, da ist die Asche dann letztendlich verglüht. Was aber all diese neuen Bestattungsarten zeigen: Mit der Asche nach einer Feuerbestattung ist viel mehr möglich. Ein Grund warum sie in Deutschland so gefragt ist.

Autorin: Kerstin Pasemann (SWR)

Stand: 24.11.2018 15:36 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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