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A7: Warum eine Autobahn überdeckelt wird

PlayBegrünte Fläche in einem Modell
A7: Warum eine Autobahn überdeckelt wird | Video verfügbar bis 29.07.2022 | Bild: DEGES/V-KON.media

In Hamburg wird gerade die Verkehrspolitik der 1960er-Jahre neu überdacht. Wortwörtlich: Insgesamt 3,8 Kilometer der A 7, die vom Elbtunnel mitten durchs Stadtgebiet führt, sollen bis 2024 unter einem Schallschutzdeckel aus Beton verschwinden.

Ausbau der Autobahn bis nach Schleswig-Holstein

Anlass ist der Ausbau der Autobahn – nicht nur in und um Hamburg, sondern hinauf bis zum Bordesholmer Dreieck (Schleswig-Holstein). Auf diesem rund 80 Kilometer langen Teilstück der A 7 sind täglich rund 150.000 Fahrzeuge unterwegs. Ausgelegt ist die teilweise nur vierspurige Strecke aber lediglich auf ein Verkehrsaufkommen von etwa 100.000 Fahrzeugen.

Die Lösung: Die Autobahn wird verbreitert, auf mindestens sechs – im Hamburger Stadtgebiet sogar auf bis zu zehn – Fahrspuren. Neues Problem: Dadurch steigt die Lärmbelastung entlang der Strecke teilweise so stark, dass vorhandenen Lärmschutzwände nicht mehr ausreichen.

Bdetondecke soll begrünt werden

Begrünte Fläche in einem Modell
So soll es aussehen: Unten Autobahn, oben Grünanlagen. | Bild: DEGES/V-KON.media

Um die Anwohner links und rechts der A 7 effektiv vor dem Krach zu schützen, kam nur eine Überdeckelung in Frage. Rechts und links der Fahrbahnen werden Betonwände hochgezogen, auf die dann als oberer Abschluss eine 90 Zentimeter dicke Decke aufgebracht wird. Abschließend sollen die so entstandenen Flächen begrünt, mit Park- und Kleingartenanlagen bebaut werden.

Da diese "Deckel" – aufgrund des Verursacherprinzips – vom Bund bezahlt werden müssen, entschloss man sich in Hamburg, die Gelegenheit zu einer "Reparatur" der Stadt zu nutzen. Denn die Autobahn schneidet sich wie eine hässliche Narbe durch den Westteil der Stadt. Der Stadtteil Schnelsen etwa wird durch die A 7 zweigeteilt. Aus eigenen Mitteln wurde daher ein bis dahin gar nicht geplanter Deckel im Bereich Schnelsen sowie eine deutliche Verlängerung des Deckels im Bereich Bahrenfeld/Othmarschen in Auftrag gegeben.

Der lange Atem der Bürgerinitiativen

Mehrere Personen sitzen auf einer Steinmauer
Seit mehr als 20 Jahren kämpft die Bürgerinitiative für die Überdeckelung. | Bild: NDR

Obwohl der Bund den größten Teil der Baukosten des Projekts trägt, wird Hamburg selbst noch rund 280 Millionen Euro aufbringen müssen. Zur Finanzierung griff man auf einen Vorschlag zurück, den die Bürgerinitiative "Ohne Dach ist Krach" bereits in den 1990er-Jahren gemacht hat: Kleingärten, die auf Flächen angesiedelt sind, die bislang als zu verlärmt für Wohnungsbau galten, werden auf die Autobahndeckel umgesiedelt. Die frei werdenden Flächen werden erschlossen und bebaut – die Erlöse finanzieren den Deckelbau.

Ein Plan, den die Hamburger Politik vor 20 Jahren noch als unrealistisch und zu teuer verworfen hat. Entsprechend verspüren die Mitglieder der Bürgerinitiative, die schon seit Jahrzehnten für eine Überdeckelung der A 7 gekämpft haben, durchaus eine gewisse Genugtuung. Wichtiger ist ihnen aber, dass die Deckel nun wirklich bald fertig werden, damit auch sie selbst die Früchte ihrer langen Mühen genießen können.

Autor: Thomas Wagner (NDR)

Stand: 16.07.2019 09:30 Uhr